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GPS Spielchen reloaded – Explorer Max Square

Ich hab immer gerne GPS-Spielchen gemacht, durchs Seesegeln auf fremden, unterschiedlichen Yachten hatte ich sehr früh ein mobiles GPS-Gerät. Damit konnte man nicht herumlaufen, weil der Batteriesatz ziemlich genau 20 Minuten gehalten hat – und davon 15  für den ersten Fix (Positionsbestimmung). An einer entsprechend großen externen Batterie auf einer Yacht war das aber ziemlich brauchbar.

Mit dem nächsten Gerät wurde es dann möglich, dieses wirklich mobil zu benutzen. Ich hab versucht, ob ich das Finden und Fotografieren von Punkten, an denen volle Längengrade auf volle Breitengrade stossen, ein interessantes Projekt sein könnte. Diese Punkte sind erstaunlich oft schwer zugänglich, nach ein paar Versuchen war dann auch wieder Schluss.

Das alte GPS 75 wurde fest auf der Roald Amundsen verbaut und die Position des Schiffes alle 20 Minuten aufgezeichnet und zusammen mit den Tagesmeldungen verschickt – daraus habe ich mit Hilfe der Generic Mapping Tools Karten mit dem Track des Schiffes erzeugt – inzwischen scheint das abgeschaltet zu sein – so sahen diese sehr primitiven Karten damals aus.

Dann kam Geocaching auf, das war auch ne schöne Geschichte – erst in Berlin, dann in Hamburg. Allerdings gab es da neben uns eher erlebnisorientierten Genusscachern auch (viele) sehr konkurrenzgetriebene, das wurde mir schnell zu anstrengend.

Dann kam irgendwann Ingress und die Planungstools dazu – das war auch geil, aber wieder was völlig anderes.

Heatmaps

Meine Bewegungsdaten zeichne ich seit ewigen Zeiten auf, die letzte Auseinandersetzung mit GPS-Daten und Navigation waren ja auch hier im Blog Thema.

So, und jetzt gibts da was für mich neues, mal abgesehen davon dass ich die Heatmaps meiner Radwege wunderschön finde:

MaxSquares

Für das neue Spiel musste ich mich bei Strava anmelden, weil das eigentlich für mich interessante Tool Veloviewer seine Daten von Strava verdaut.

Strava ist sowas ähnliches wie Facebook für Sportler: Man kann sich gegenseitig zeigen, was man für ein krasser Sport-Hengst ist, sich Kudos geben, auf irre vielen Strecken virtuell gegeneinander antreten und gemeinsam Ausfahrten planen.

Veloviewer saugt diese Daten an und generiert allerhand Mehrwert für Rennradfahrer, mich interessiert aktuell dabei aber nur, dass es eine Aggregation der Orte gibt, an denen ich schon mal mit dem Rad langgefahren bin.

Dazu nutzt Veloviewer die Kartendaten von OpenStreetmap, die in Kacheln eingeteilt sind. Diese Kacheln sind hier in der Hamburger Gegend in der größten Kartenauflösung ungefähr 1450 x 1450 m groß (hier gibts Details).

Die Grundidee des Spiels ist, möglichst viele zusammenhängende Kacheln zu befahren. Zusammenhängende, überfahrene Kacheln ergeben eine gemeinsame quadratische Fläche, deren Kantenlänge gezählt wird – dies wird als Max Square bezeichnet. Quadratisch ist wichtig – es geht nicht einfach nur um Kacheln, sondern um zusammenhängende in quadratischer Ausdehnung. Das geht aber eben nur, wenn innerhalb dieses Quadrats wirklich alle Kacheln befahren wurden.

Befahrene Kacheln färbt Veloviewer rosa, zusammenhängende quadratische Flächen aus befahrenen Kacheln blau. Der Unterschied zwischen unbefahrenen und befahrenen Kacheln ist etwas schwer erkennbar – Wihelmsburg hab ich komplett, es hat einen blauen Rahmen:

Veloviewer – Explorer Max Square

Um das dadurch entstehende Max Square möglichst groß zu bekommen, muss ich also erstmal ein paar Kacheln im Hafen befahren. Zum Teil sind diese gar nicht so einfach zu erreichen. 🙂

In meinem favorisierten Routenplaner bikerouter.de kann man die gleiche Ansicht erzeugen (in dem man die entsprechende Ansicht aus Veloviewer exportiert) und dann entsprechend eine Route durch die fehlenden Kacheln planen – allerdings sind hier die Kacheln, die man noch offen hat, blau markiert und nicht die, die man schon im Sack hat.

bikerouter mit eingeschalteten Max Square Tiles

Ich hab mal für die ersten Blocker im Hafen eine Route geplant und versuche, da überall ranzukommen. Bei der Kachel, die den Containerterminal Buchardkai abdeckt, bin ich mir nicht sicher, ob ich bis dahin komme.

Insgesamt wird es um Hamburg ein paar Kacheln geben, die einfach gar nicht mit dem Rad erreichbar sind (im nächsten Bild ist ein Beispiel rot markiert) – bei Airbus kommt man nicht aufs Gelände, und das Mühlenberger Loch fällt zwar trocken, aber fürs Radfahren reicht das bei weitem nicht. Eventuell geht das aber mit der Fähre, die nach Cranz fährt.

Mit dem Rad nicht erreichbar

Mal sehen, was das wird.

Es gibt einen Blogartikel, wie die Großmeister dieser Kunst eben auch unfahrbare Kacheln erreichen – oder es versuchen.


Einen Tag später…

Ich bin eine kleine industrialstyle Radtour durch den Hafen gefahren und hab mir alle Tiles für mein 7×7 geholt. Kalt war es, und … industriell.

Uber dem A7 Elbtunnel – mehr Bilder hinter dem Link

Das nach der Tour neue Spielfeld sieht nun so aus:

Mein erstes Maxsquare 7×7

Obwohl die nächste Erweiterung (Richtung Westen und Süden) relativ einfach sein sollte, schwant mir, dass man dafür immer weiter in unterschiedliche Richtungen fahren muss – vielleicht ist das aber auch Sinn der Sache. 🙂

Der Track sieht entsprechend albern aus, aber an mindestens zwei Stellen kommt man eben nur über die gleiche Route wieder weg.

Oder als Video (Relive):

November – eher ruhig

Im November bin ich keine längeren (also über 40km am Stück) Touren gefahren. An den Wochenenden war anderes wichtig, dafür bin ich relativ viel in der Stadt im Kreis und zur Arbeit gefahren.

Freiwillig (will sagen: Im Kreis, zum Entlüften und Bewegen) immer im Dunklen.

Abends ist es zumindest gefühlt etwas wärmer, und ich fahre ganz gerne im Dunklen, besonders seit ich diesen geilen Edelux-II Scheinwerfer, der nur den Weg erhellt und nicht den Gegenverkehr, habe. Da ich dann auch ungefähr wie eine brennende Marzipantorte aktiv blinke und leuchte, bin ich auch ganz gut zu sehen.

Alle aufgezeichneten Fahrten im November 2021 – Kartendaten: https://www.openstreetmap.org/copyright

Je heller die Farbe, desto öfter habe ich diese Strecke benutzt.

Ich mag die Darstellung als Heatmap sehr und habe mich da reingenerdet.

Eigentlich wollte ich auch meine durch das Handy gesammelten Positionsdaten mit aufnehmen, das Verfahren von Google, dabei nicht nur auf GPS-Standortdaten, sondern auch auf die von GSM-Masten und Wifi-Netzen zu setzen, macht das ziemlich ungenau, in der folgenden Darstellung kann man das teilweise sehen:

Alle aufgezeichneten Fahrten im September und Oktober plus Google Location Daten – Kartendaten: https://www.openstreetmap.org/copyright

Im Dezember hab ich Urlaub, vielleicht gibts da mal wieder ne längere Tour.

Fotografen: Wir müssen reden!

Ich geb ja zu, ich hab ziemlich unheilbar G.A.S. im Endstadium.

Deswegen musste ich mir neulich auch ne neue Kamera kaufen – meine schon für Wechselobjektivsysteme recht kleine Kamera passt selbst nur mit Pancake einfach nicht gut in meine Lenkertasche – was kleines musste ran, und nach etwas Herumnerden wurde es nicht die, die irgendwie alle kaufen (Sony Cyber-shot DSC-RX100 VII), sondern eine Canon PowerShot G5 X Mark II.

Erstens, weil Sony seinen ehrlichen Kunden mal ein Rootkit auf ne DVD gebraten hat – das ist zwar Jahre her, aber von so einem Hersteller will ich nix mit Strom kaufen, zweitens, weil die Canon sich besser halten läßt, eine offenere Blende kann und das UI nicht so beschissen ist, wie es eben bei Sony ist. Die geringere Maximalbrennweite und der schlechtere Autofokus stören mich eher nicht. Ausserdem war sie deutlich billiger.

Also – ich hab diese neue Kamera und benutze sie viel, weil sie einfach in die Hosentasche geht. Die Kamera übererfüllt alle meine ursprünglichen Erwartungen an eine Taschenkamera bis auf:

  • die Akkulaufzeit (nach ~220 Bildern ist Schluss mit dem Akku). Immerhin kann man über usb-c nachladen.
  • Gegenlichtaufnahmen (mach ich gerne) sind komplizierter, wenn sie geil werden sollen, als mit der MFT
  • die Modus- und EV-Räder verstellen sich relativ leicht ungewollt

Ansonsten habe ich im Urlaub (eine Woche Dagebüll – wir schreiben bestimmt noch was) auch mein normales MFT Zeug mit, aber überhaupt nicht benutzt. Selbst bei unserem Tagesausflug nach Amrum hab ich nur die kleine Kamera in die Tasche und ein Ministativ in die andere gesteckt und fertig.

Und – Überraschung – ich brauchte kein Makro, kein 800mm Tele, kein großes Stativ, x weitere Objektive zwischen WW und Tele mit großer Offenblende und so weiter, ich hab es mir gespart, viele Kilos durch die Gegend zu schleppen.

Wobei ja schon mein MFT Set abgespeckt ist, vorher bin ich mit Nikon F unterwegs gewesen, da hat alleine ein Telezoom soviel gewogen, wie alles MFT-Zeug zusammen. Vorteil war aber, dass man ohne Probleme Nägel damit einschlagen konnte. Hab ich nur selten gebraucht.

Zurück zur Canon: Selbst einen Pilz von nah und unten oder einen auf die Kamera zu rennenden Hund konnte ich gut ablichten, und solange man ein Stativ hat, sind auch Bilder im Dunklen kein wirkliches Problem.

Das ging nur, weil ich immer nen kleines Stativ dabei habe. Auch auf dem Weg zum Essen.

Bis auf das letze Bild sind die alle im Fokus und scharf.

Mit ohne großes Besteck beim Fotografieren

Ich glaub, ich brauch das dezidierte Set nur noch für Spezialaufgaben, wie Nachthimmel, Seeadler-Stalking, Veranstaltungen. Und ich finde das gar nicht schlecht – 300g statt 6kg geben mir ne Menge Freiheit. Das ist etwas schade, aber auch sehr geil.

Das Album mit den Bildern, die es bis zu Flickr geschafft haben.

Selbst ein aktuelles Handy kann (bis auf die eingeschränkte Brennweitenauswahl) da schon einiges, was früher der Profiklasse vorbehalten war. Und die Premium-Handys scheinen sich ja in Richtung Multi-Brennweite zu entwickeln. Ne passende Stativklemme dazu – fertig.

Die, die ihr auch viel fotografiert – oder zumindestens rumschleppt – geht Euch das auch so? Oder habt Ihr da FOMO at the decisive moment?

Sturm und Flexibilität

Wir haben Urlaub. In einem Ferienhaus in der Nähe von Dagebüll (von wo aus die Fähren nach Amrum/Föhr und Halligen fahren).

Ich hab geplant, mit dem Rad (und einer Übernachtung) hinzufahren, aber gestern und heute haben sich Ignatz und/oder Hendrik ausgetobt.

Deswegen dachte ich: Naaa, lieber mal ein Stück Bahn fahren, und von dort aus, wo der Scheiss vorbei ist, weiter.

Also um 14:00 in Wrist aus der Bahn purzeln – trocken und schön.

Trockener, sicherer, und überhaupt.

Also Strecke umgeplant, ausgeschlafen und viel später los, so dass ich den Zug dort verlasse, wo das Wetter durch ist, dann weiter wie gedacht.

Ticket gekauft, los. WIE SO EIN ANFÄNGER!

Latürnich ging da nix, die Stimmung auf dem Hauptbahnhof war auch eher unterkühlt, um nicht zu sagen schlecht.

Aufnahmezeitpunkt: 13:01 – immerhin gibt es immer noch den doofen Maulwurf

Eigentlich war die Stimmung sogar pogromartig gegenüber allem, was eine Bahnuniform oder einen Bahnrucksack trug.

Das hätte ich auch zuhause lesen können, auf dem Bahnhof gab es keinerlei Information bis auf ‚Zug von 10:39 fällt aus‘. Um 13:00 Uhr.

Nach längerem (zwischendurch hatte unser Zug wieder ein Fahrtziel) Rumhängen in rollenden Wärmeräumen mit Fahrradabteil bin ich doch unsicher geworden, wie lange das geht und mein Zeitfenster, im letzten Büchsenlicht am Übernachtungsplatz anzukommen, um das Zelt nicht im Dunklen aufstellen zu müssen, schloss sich immer weiter. Also im geilsten Starkregen mit dem Rad wieder nach Hause gefahren.

Muss dann doch mal meine Regenjacke nachimprägnieren…

Also – das nächste Mal vorher in die Bahnapp gucken und Tickets erst vor Fahrtantritt kaufen, Nahverkehrstickets sind nicht erstattungsfähig.

Morgen dann ein neuer Versuch, noch dichter ran an den Zielort, ohne Übernachten. Dafür hat sich das Wetter beruhigt. Ich hoffe mal, die bekommen die Strecke bis morgen wieder frei.

Elbe – Alster – Trave – Ostsee

Ein erkennbar sonniger Samstag im Oktober stand vor der Tür – noch einmal eine Chance auf eine schöne Herbsttour!

Statt selbst Touren in allen Details zu planen, greife ich gerne auf gescoutete Routen zurück, wie z.B. auf die von Orbit360.cc wie bei Marsian Mountains – na fast oder diesmal auf eine Strecke vom HanseGravel (Graveltour in mehreren Etappen von Hamburg nach Stettin) von Hamburg nach Lübeck.

Die Strecke führt anfangs mitten durch Hamburg, und trotzdem fast die ganze Zeit durchs Grüne, immer an der Alster entlang. Dafür muss man ein paar Mal das Rad Treppen hoch tragen, hat aber kaum Kontakt zum Autoverkehr.

Dabei folgt man der Alster bis Kayhude (das ist am grünen Boppel im folgenden Screenshot), ab Bad Oldesloe dann der Trave beziehungsweise später der Untertrave bis zur Lübecker Bucht der Ostsee.

Ab Lübeck hab ich selbst geplant, weil ich gerne auf der östlichen Seite der Untertrave bis zum Priwall fahren wollte.

Tourverlauf

Das sind lockere 140km, also musste ich wieder früh aufstehen, um das Tageslicht bestmöglich zu nutzen. Ich bin trotzdem erst nach 8 losgekommen, weil ich mich wegen der Aussentemperaturen (ganz schön frische 5° und Raureif auf dem Balkongitter) schwer einmummeln musste – aber gleichzeitig so, dass ich auch bei 15° überlebe. Schwierig, wenn man mit nur wenig Gepäck/Platz für abgelegte Klamotten fahren, aber auch in Pausen nicht frieren möchte.

Irgendwann ging es dann doch los mit der Viele-Flüsse-Queren-Reise.

Harburg und Elbinsel

Erstmal über die Süderelbe mit leichten Restnebelfliesen über der Oberfläche…

Auf der Süderelbbrücke

Restnebel über der Süderelbe

Dann, nach dem Durchqueren des nebligen Wilhelmsburgs und der Veddel, die Norderelbe.

Auf der Norderelbbrücke

Norderrelbe in der Sonne

Der Reif auf den Brücken verschwindet langsam.

Feuchtigkeit auf dem Radweg auf den Norderelbbrücken

Tau taut langsam weg

Hamburg

In der Stadt angekommen, ist es noch leer. Selbst am Jungfernstieg und an der Binnenalster ist nix los.

An der Binnenalster

Noch Ruhe an der Binnenalster

Entlang der Hamburger Who-is-who-Joggingstrecke an der Aussenalster bin ich lieber die (relativ) neue Fahrradstrasse entlang gefahren anstatt direkt am Wasser, hier war trotz der frühen Zeit schon einiges unterwegs.

Das wurde aber schnell wieder besser, vielleicht auch, weil der Track der Ostseite der Alster folgte und dort noch nicht so viel Sonne hin schien.

An der Alster entlang

Im Schatten ist es noch sehr feucht

Insgesamt: Es war wenig los, und die Leute, die hier joggen, Fahrrad fahren oder ihre Hunde zum Kacken führen, haben ihre Bewegungsmuster und Hunde ganz gut im Griff, tagsüber ändert sich das, und im Sommer würde ich das eher lassen – die Schilder, die um gegenseitige Rücksichtnahme werben, stehen sicher nicht aus Zufall hier.

Überall, wo die Sonne hinleuchtet, leuchten die Herbstfarben und es wärmt endlich leicht. Noch ist die Umgebung parkartig mit fein geschotterten Wegen, geprägt vom Wohlstand Hamburgs.

ein feingeschotterter Weg

Langsam, so hinterm Ohlsdorfer Friedhof, wird es ländlicher, waldiger. Trotzdem ist etwas hinter dem Uferstreifen noch Grossstadt, aber davon bekommt man nichts mehr mit.

Es wird ländlicher

Der Uferweg wechselt immer öfter die Seiten, der Weg wird auch immer mehr zum typischen Waldweg, die Alster ist nicht mehr schiffbar.

Inzwischen sind zumindest in der Sonne 10°, ich ziehe die WindRegenSchwitzjacke aus und knautsche sie zusammen mit den Fingerhandschuhen in meine Tasche, die erste Zeit, in der Trikot und Armlinge abtrocken, ist es wieder sehr verdunstungskühl, vor allen an den Armen.

Waldweg

Eine Spiegelung in einem Weiher

Eine Spiegelung in einem Weiher

Kurze Pause an einem Unterstand im Wald

Kurze Pause

Diese Kiste schützt das Getriebe des Wehres mehr so mittel gut gegen Fehlbedienung

Diese Kiste schützt das Getriebe des Wehres mehr so mittel gut gegen Fehlbedienung

In Duvenstedt verlasse ich die Alster kurz, um einen Bäcker zu finden, was auch gelingt. Leider wollen hier alle Bargeld – soviel Bargeld hab ich gar nicht bei.

Nun beginnt das wilde Schleswig-Holstein!

ein geschotterter Weg mit Laub entlang der Alster

Ein Nachteil des Weges direkt an der Alster: Es wird nicht richtig warm, weil die Alster hier in einem Flusstal entlang läuft, in das die tiefstehende Sonne nicht gut reinscheinen kann.

Und dann auch noch dass:

Gesperrte Brücke

Gesperrte Brücke

Da die Sperrung bereits unautorisiert aufgehoben wurde, gut sichtbar nur das Brückengeländer betrifft und ein Umweg echt weit wäre, wage ich es.

Mehr Punk geht nicht!

eine schmale Fahrspur entlang einer Viehweide

Die Strecke ist wirklich hervorragend gescouted. Es gibt Stellen, an denen man absteigen muss, das ist aber der ansonsten so tollen Streckenführung geschuldet.

Leider gibt es von diesen Stellen keine Bilder, weil ich da entweder mit weissen Knöcheln an den Bremsgriffen ziehe, weil es unvorhersehbar steil abwärts geht und ich die Fuhre irgendwie zum Stehen bekommen muss oder weil ich beide Arme bereits zum Rad tragen brauche.

Bad Oldesloe

Zur Versorgung der Hansegraveler geht der Track auch einmal quer durch die Fussgängerzone von Bad Oldesloe, ich kann da entspannt im Fussgängertempo hinter einer Familie her rollern, aber ich kann mir auch vorstellen, wie das aufgenommen wird, wenn im Laufe eines Spätvormittages 150 verdreckte Radfahrer am liebsten im Renntempo und im Rudel da durch wollen; aber dafür werden die meisten auch irgendwas an Proviant gekauft haben.

ein geschotterter Weg

Der Fluss, neben dem ich immer wieder herfahre, ist nun schon etwas länger verschwunden, beim nächsten Auftauchen fliesst er auch in die andere Richtung.

Mich deucht: Das ist nicht mehr die Alster, sondern die Trave. Hab mir das vorher auf der Karte nicht so genau angesehen.

Die Trave von einer Brücke aus fotografiert

Leider bin ich zu blöd, Pausenplätze finden bzw. sie auch zu nutzen – es gab eine schöne, bereits abgetrocknete, sonnige Stelle mit einer Bank (wechselwarme Radler und deren feuchte Regenjacken wollen das) in Bad Oldesloe im Stadtpark(?) – ich verschmähte diese, weil Stadtpark, und weil bestimmt gleich eine noch bessere kommt…

Pausenstress

Ich Idiot – die nächsten 15km kommt eben genau nix vergleichbares. Wasser ist auch fast alle.

Kurbel, kurbel, kurbel.

Es ist wirklich schön hier, hügelig, irgendwas mit Endmoränen, bestimmt. Die Trave fliesst in einem eigenen Tal, die Strecke weicht oft davon ab, läuft etwas oberhalb auf dem Kamm. Dann brettert oder schliddert man einen Fußpfad runter, der sich direkt an der Trave kurz vor der Brücke (gerne 70iger Jahre Spannbeton) auf Brückenweite aufweitet, über die Brücke, Verschmählerung auf Fußpfad, und auf der anderen Seite wieder hoch.

Keinen Schwung. 6 Gang, 3. Gang, keine Traktion, echt steil, Sand, fiese Wurzeln. Runter vom Rad, hochschieben, gucken. Geil. Aufsteigen, repeat.

Fußpfad mit Brücke

Fußpfad mit Brücke

Das Kurbeln braucht Wasser, in Klein Wesenberg ist eine Kirche mit Friedhof – super zum Nachtanken von Wasser. Ich hab nicht nur die Flaschen gefüllt – mit Wasserbauch gehts weiter, immer noch auf der Suche nach einem Pausenplatz.

Lübeck

In den Aussenbezirken von Lübeck angekommen fahre ich nicht mehr auf dem HanseGravel-Track weiter, sondern auf einer von mir geplanten Strecke um die Innenstadt von Lübeck südlich zu umgehen und auf die östliche Seite der Untertrave zu gelangen.

In Moisling (einem südlichen Vorort von Lübeck) bekomme ich beim Bäcker ein Käsebrötchen mit Pute – wieder wollen sie Bargeld und die Suche nach einem Pausenplatz wird dringender, ich hab Hunger.

ein Weg mit zwei Fahrspuren und Grass in der Mitte

Nach dem Überqueren der Wakenitz ist die Stadt wieder vorbei, es geht rein in den mecklenburgischen Wald. Wunderschön, lichter Kiefernwald.

MeckPom

Aber keine Bänke und die Wege sind auch sehr ruppelig. Irgendwann reicht es mir – dann eben keine Pause im Sitzen.

Restavel an ein Bäumchen gelehnt

Rad an ein Bäumchen gelehnt, Brötchen gegessen, mit Wasser nachgespült – nur in Ruhe sitzen oder kurz mal auf dem Rücken liegen ging hier nicht, zu sandig. Das gute daran: Es verkürzt die Pausenzeiten 🙂

Dann weiter durch die Palinger Heide über ruppelige und sandige Wege. Ich bin der Meinung, dass die neu aufgezogenen G-One Bite Mäntel besser mit Sandlöchern klar kommen als die vorher montierten G-One Allround in der Lüneburger Heide.

im Wald

Die Wege werden allerdings schnell wieder besser, ab und zu lugt die Untertrave – hier von großen Seeschiffen befahrbar – über die verblühten Mais- und Sonnenblumenfelder – sehr schön.

ein Maisfeld Im Hintergrund die schiffbare Trave, im Vordergrund ein Maisfeld

Unverhofft taucht eine Trucktankstelle auf – ich kaufe mir einen Liter Cola und ein Trucker-Spezial, endlich mit Plastik bezahlen und Zucker satt!

Wer sich auf den Bildern vom Rad über die Colaflasche wundert – es gibt für mein Flaschenhaltersystem  auch einen leeren Halter, an dem man beliebige Gegenstände mittels Boa-Drahtwickelsystem (wie an manchen Radschuhen auch) festklemmen kann. Die leere Flasche gebe ich beim nächsten Kauf ab und bekomme eine neue, kalte.

auf einem Feldweg

Das Trucker-Spezial erweist sich später als labriges ‚Baguette‘ mit Barbeque-Sosse und Fleisch unklarer Herkunft (irgendwas zwischen Bulette und falschem Hasen) und Krautsalat. Wir haben ja auch hier im Blog immer das Mantra des landestypischen Essens hoch gehalten, aber das war mal nen Griff ins Klo.

Maisfeld, Trave, Feldweg

Der Radweg geht ein Stück parallel zu einer Landstrasse, auf der ein alter, langsamer Trecker mit zwei Anhängern voller Kiefern fährt – mit einer riesen Autoschlange dahinter.

Bergan ist er schneller als ich, in der Ebene und bergab bin ich schneller. Jedesmal, wenn einer von uns den anderen wieder einholt, grüßen wir erfreut.

Die Autoschlange dahinter ist zunehmend genervter, es gibt wilde Überholmanöver von weit hinten in der Schlange.

Fischerboote in Dassow

In Dassow liegen ein paar Fischerboote. Vor 30 Jahren konnten die Fischer von hier aus nur den Dassower See befischen, die Trave und wahrscheinlich schon die Potenitzer Wiek war für DDR-Fischer unerreichbar.

Der Weg biegt ab auf den Deich, nun geht es schnurstracks in Richtung Ziel – ab und zu lugt schon das Hochhaus des Hotel Maritim in Travemünde über die Baumkronen.

ein Weg mit gepflasterten Fahrspuren und Grasnarbe in der Mitte

Auf diesem Weg ist überhaupt kein Verkehr, er ist warm, sauber und trocken – ich beschliesse, mich kurz in einer Ausbuchtung auf dem Weg hinzulegen – das Rad ordentlich an einen Baum gelehnt – und ich hab ja noch das Trucker-Spezial vor mir…

Kaum liege ich, hält rasant ein Rad neben mir, ob alles ok sei. Muss lachen, bedanke mich, erkläre, dass ich keine Bank gefunden habe, und dass es sehr schön ist, hier zu liegen. Er lacht auch, fährt weiter.

Sehr kurze Zeit später noch mal das gleiche. Alter – ich treffe den ganzen Tag kaum Leute mit Rennradklamotten, aber hier sammeln sie sich…

Bedanke mich wieder für die Aufmerksamkeit. Während ich mich aufraffe, die dritte. Und da, 600 Meter weiter, sei eine Bank. Super!

Dort nehme ich einen Bissen Trucker-Spezial – gar nicht mal so lecker.

Priwall

Zwischen Pötenitz und Priwall muss ich parallel zur Blechlawine, die auch zur Fähre Richtung Travemünde rollt, an der Landstrasse entlang fahren. Nicht schön, anscheinend sind alle in den Blechkisten hart genervt.  Also direkt hinter der ehemaligen Grenze scharf rechts wegbrechen, möglichst weit ans Wasser ran – auf den passenderweise so genannten Dünenweg.

Und da isse, die Ostsee!

(Denkt Euch ein Foto, ich hab vergessen, eins zu machen). Ich bin aber auch nicht weiter Richtung Wasser gegangen, alles tiefer Sand – ich hab noch genug Sand aus der Lüneburger Heide in den Schuhen und ich hätte das Rad auch stehen lassen müssen.

An der Priwall-Fähre angekommen, musste ich wieder mit Bargeld (am Automaten, der auch Karte konnte, aber wohl nicht bei so geringen Beträgen wollte) die Überfahrt nach Travemünde lösen. Mit den letzten Cent ist mir das gerade so und trotz der sehr individuell gelösten Menüführung gelungen, ohne jemanden anzuschreien.

Am Fähranleger Priwall Auf der Priwallfähre

Travemünde

Auf der Travemünder Seite war erstaunlich viel Tourismusbetrieb. Ich hab mich bis zum Hotelturm geschlängelt, eigentlich wollte ich noch ein Eis oder so essen, das war aber nur im Schatten möglich und erschien mir zu kalt.

in der Travemünder Shoppingmeile

Ich hab mir dann noch etwas die heimische Tierwelt an der Strandpromenade angesehen und bin dann auch schon zum Bahnhof.

Eine Silbermöve stolziert auf einer Sitzbank

Admiral Weber bei der Abnahme der Parade

Vom Travemünder Strandbahnhof aus bin ich mit dem Regionalexpress wieder nach Hamburg gefahren, und von dort aus mit dem Rad nach hause.

Stadtbahnhof Travemünde

Regionalexpress

Das Heimfahren im Regionalexpress hat wieder genervt – es war nicht voll, aber das Mehrzweckabteil zieht anscheinend Schwachköpfe an, die auch irgendwo anders im Zug fahren könnten. Für Rad- und Rolli- und Kinderwagenfahrer ist das nicht so, also sucht Euch gefälligst nen Platz im Rest des Zuges und geht nicht Leuten auf den Kecks, die dort fahren müssen und schon allein deshalb ne kurze Zündschnur haben!

Abendrot durch ein Regionalexpressfenster

Der Tag ist offiziell vorbei

So ein geiler Tag!

  • Morgens war es etwas frisch (ok, abends vom Hauptbahnhof nach Hause auch), aber beim Fahren wird einem ja schnell warm, man darf nur nicht anhalten 🙂 Ich hatte gerade so genug Klamotten dabei, um beim Warten auf den Zug nur ganz wenig zu frieren. Nächstes Mal muss vielleicht doch eine wärmende statt einer windabweisenden Jacke mit.
  • Ordentlich gescoutete Strecken sind super, zumindest die, die ich bisher ausprobiert habe. Ich glaube, ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass man aus Hamburg raus so schön unbehelligt fahren kann.
  • Herbst ist toll! Die Farben, die Kälte am Morgen, die dann endlich spürbare Wärme der Sonne…
  • Die neuen Reifen machen einen Unterschied in der Radkontrolle auf Sand
  • Ich habe mangels guter Gelegenheiten weniger lange Pausen gemacht und bin dafür noch sehr deutlich im Hellen angekommen, ohne kaputt zu sein.
  • Regionalbahn fahren nervt, ist aber auch schön warm

Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

Zweimal Fähre fahren

Gestern stand eine kürzere Tour auf dem Programm – ich hab mich für eine Kontrolle der Apfelsituation im Alten Land und zweimal Fähre fahren entschieden.

Der Plan

Auf dem Weg dorthin bin ich wieder über so einen Schildbürgerstreich gefahren. Ein Bahnübergang mit Drängelgitter, das für Lastenräder, Liegeräder, Tandems oder Räder mit Kinderanhänger unpassierbar ist – schon mit einem normalen Rad muss man rangieren. Aaber es kommt noch besser – das ist Teil einer offiziellen Veloroute:

Im Hintergrund seht ihr den ausgebauten Teil der Veloroute, der Richtung Bahnübergang in einen schmalen Kiesweg übergeht und im Drängelgitter endet.

Ich nehme mal an, dass am Ende des geteerten Weges die Verantwortung der Stadt Hamburg endet und die Verantwortung der DB Trasse (oder wie auch immer das entsprechende Unterunternehmen der Bahn, dass dafür zuständig ist, heißt) beginnt.

Tolle Idee, in so einen gemischt betriebenen Weg Geld zu versenken, wenn nicht alle beteiligten bauen 🙁

Auf schön geschotterten Wegen ging es Richtung Altes Land – trotz des grummeligen Himmels gab es immer wieder genug Sonne für Schattenspiele:

Schattenspiele

Nachdem ich über den Neubau der A26 von Stade zur A7 (wirklich gigantisch, wie breit so eine Autobahn ist) rüber war, begannen die Apfelplantagen.

Es sind hier nicht wirklich Apfelbäume, sondern eher Apfelsträucher, so dass man, wenn man auf dem Anhänger hinter dem Schlepper steht, leicht überall rankommt. Der Trecker fährt im kleinsten Kriechgang und ohne Fahrer alleine die Reihe ab, hinten werden die reifen Äpfel abgepflückt.

Endlose Apfelreihen

Ich hab keinen Vergleich, aber für mich sieht das nach einer sehr guten Ernte aus.

Ich hatte geplant, um 13:45 Uhr am Fähranleger Lühe zu sein, denn die Fähre fährt am Wochenende nur alle zwei grade Stunden Richtung Wedel.

Elbe – Blick Richtung Wedel

Ich war allerdings schon gegen 13:00 Uhr dort. Hier treffen sich Wohnmobilisten, Biker (also die mit Motorrädern) und sonstige Ausflügler, es gibt einen großen Parkplatz, einen Womo-Stellplatz und einen Haufen Imbissbuden.

Der Imbissbudenzirkus

Um mir die Zeit zu vertreiben und aus Schmachtgründen hab ich an einer der vielen Buden ein Currywurst mit Pommes gegönnt – die Pommes waren ok, die Currywurst wirklich unterirdisch. Die Preise waren überall gleich, aber ich glaube, das war die schlechtmöglichste C-Wurst vor Ort.

Naja, dann weiter warten. Die Fähre war schon da, aber die hatten gerade Mittagspause.

Dat Ole Land II

Also noch warten.

Schwalbenschwanz

Möve im Freizeitstress auf der Elbe

Endlich ging es los Richtung Wedel – eine Person mit Rad kosten 7,50.

Ablegen!

Die Fähre war quasi leer, nur zwei Fahrräder und auch nicht viele andere Passagiere. Es ist doch schon deutlich Nebensaison, es gibt Berichte, in denen sich bürgerkriegsähnliche Zustände um die nicht immer ausreichenden 70 verfügbaren Fahrradstellplätze auf der Fähre abgespielt haben sollen – heute nicht.

Komoot zeigt irgendwas mit Wasser, Garmin komplett verwirrt

Beide GPS-Geräte waren verwirrt auf der Fähre, obwohl der Track richtig gelegt war und sich die Fähre auch einigermaßen an die geplante Strecke gehalten hat.

Selfie

Wedel – Blick nach Hamburg

In Wedel am Willkomm-Höft angekommen, ging es wieder auf Rad. Das Willkomm-Höft ist eine inzwischen folklorististische Nummer – es gibt hier eine Schiffsbegrüßungsanlage – für jedes ein- oder auslaufende Seeschiff wird hier die Nationalhymne des Registerhafens über große Lautsprecher abgespielt. Gleichzeitig gibt es hier ein großes Ausflugslokal und entsprechend Trubel mit Menschen mit schwer einschätzbaren Bewegungsvektoren.

Ich muss lernen, auch von sowas Fotos zu machen, ich wollte da aber nur weg.

Bahnübergang der S-Bahn nach Wedel

Der Track führte mich nach Wedel rein und auf die Nordseite der S-Bahnstrecke nach Blankenese – hier war ich noch nicht mit dem Rad und man kann an der Bahntrasse endlang wunderbar und zügig fahren.

Zu kurze Belichtungszeit, jaja.

Später ging es den Ortskern von Blankenese mit vielen hochherrschaftlichen Palästen, durch den ebenfalls großzügig angelegten Hirschpark, vorbei an der Dorfkirche Nienstedten und dem internationalen Seegerichtshof wieder runter an die Elbe nach Teufelsbrück.

Im Hirschpark

Von Teufelsbrück aus bin ich mit einer Hadag-Fähre zum HVV-Tarif nach Finkenwerder/Rüschpark gefahren, dort immer am Deich entlang bis zum Ende des Köhlfleets und dann Richtung Altenwerder entlang der Hauptstrasse – hier hat die Industriebebauung leider alle Nebenwege gefressen – das Stück bis unter die A7 ist zwar sicher, aber nicht gerade schön zu befahren.

Das Dorf Altenwerder wurde 1960 zur Hafenerweiterungsfläche erklärt, die Stadt begann, Grundstücke aufzukaufen und die Bewohner umzusiedeln. Ab 1973 wurde die Enteignung der verbliebenen Eigentümer angekündigt, 1998 verliessen die allerletzten Anwohner Altenwerder, 2003 wurde das neue Containerterminal CTA in Betrieb genommen. Wie groß das ist, sieht man am Anfang eines eines Videos, dass ich letztes Jahr gedröhnt habe.


Übrig geblieben ist nur die Kirche und der Friedhof von Altenwerder, die sich nun auf einer kleinen Brache zwischen der A7 und einem Hafenbahnhof, zwei riesigen (je 6 Megawatt) Windmühlen und Logistikflächen für die Hafenwirtschaft befinden.

Kirche Altenwerder

Ein ruhiger, aber auch ein unruhiger Ort – die Autobahn ist nah und laut.

Altenwerder Pfad

Moorburg und fast zuhause – man kann schon das gelbe Gegengewicht der neuen Kattwykhubbrücke über die Bäume luschern sehen:

Eine schöne Runde – in Wedel und Blankenese war ich noch nicht mit dem Rad, das lohnt sich bestimmt, sich das alles noch mal genauer anzusehen.

Ich hab die Mäntel am Rad gewechselt, von Schwalbe G-One Allround zu G-One Bite. Die Bites haben mehr Profil, vorallem zur Flanke hin. Zum Glück surren sie nicht auf glatten Untergründen, sondern laufen auch dann schön leise. Richtig tiefen Sand hatte ich auf der Runde nicht.


Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

Extrablatt: Salami im Schlafrock – der TEST

Wie in Marsian Mountains – na fast bereits angeteasert, folgt hier der große Salami im Schlafrock Vergleichstest.

Die Kontrahenten sind (trommelwirbel):

Die Kontrahenten

Warum?

Ich brauche beim Radfahren leicht nachfüllbare Energie, und zwar ab und zu auch mal was salziges, nicht immer nur süsses. Die in Frage stehenden Produkte schmelzen nicht, haben eine stabile Verpackung, und sind leicht an der Tanke zu bekommen, nehmen Geknautsche in der Lenkertasche nicht all zu übel, sind auch im Fahren leicht weggemümmelt und sie sauen einem nicht die Hände, Handschuhe oder Klamotten ein.

Ich werde diese Reihe aber auch mit Süssem fortsetzen, dazu fräse ich mich gerade parallel durch Fruchtschnitten und Anverwandte.

Die Bifi (es gibt einen Haufen unterschiedliche Sorten) ist eine Minisalami eines mittelständischen deutschen Herstellers, der von Unilever aufgekauft wurde und später den Namen und das Produkt an den us-amerikanischen Fleischsnack-Hersteller Jack Link’s verkauft hat. Produziert wird die Bifi wohl immer noch in Ansbach. Mehr zum Hintergrund von Bifi bei Wikipedia.

Der Konkurrent gibt sich modern, fleischlos und kommt von Rügenwalder Mühle, ebenfalls einem deutschen Fleischproduzenten, der seit 2014 immer mehr fleischlose, aber fleischartige Produkte anbietet. Mehr zum Hintergrund von Rügenwalder Mühle bei Wikipedia.

Rügenwalder hat bei uns einen Bonus. Sie bieten ein vegetarisches Produkt (vegetarische Mühlenfrikadellen) an, auf das unser Kater hereinfällt und es für katzenessbar hält – er hat sonst ein sehr feines Näschen für den Unterschied zwischen gemüse- und fleischbasierten Fertigprodukten und das ist für uns ein guter Gratmesser, ob es lecker ist 🙂

Die Bifi hab ich als XXL Version getestet, ich hoffe mal, dass sich diese von der Zusammensetzung und so weiter nicht von der normalen Version unterscheidet, an der Tanke gab es nur diese.

Interessant ist, dass Bifi speziell für ’nach dem Feiern‘ bewirbt. Also, wenn man Brand hat, dringend was in den Magen braucht und wegen der Elektrolyte auch gleich was salziges will. Das macht Sinn, ist aber auch gleichzeitig etwas arm…

Sensorischer Test

Oben Bifi, unten Mühlensnack

Komplett auspacken sollte man beide lieber nicht – lecker sieht das nicht aus, eher wie ein schlimmer Unfall beim Backen mit Kindern.

Also immer schön aus der Packung raus essen!

Bei der Bifi fällt uns (Nadja hat mit getestet) auf:

  • da isser sofort – der klassische, widerlich-geile Geruch beim Öffnen
  • das ‚Brot‘ ist trockener und etwas härter, aber keine Sorge, Zähne braucht man dafür nicht. Das Brot hat kleine Löcher.
  • Die ‚Wurst‘ besteht deutlicher aus unterschiedlichen, weicheren und härteren Elementen, ist insgesamt härter und muss schon gebissen werden (hier sind Zähne eindeutig von Vorteil). Kaut sich gut, salzig.
  • Im Abgang schmeckt man eine leichte, typische Billig-Salami-Säure, auch wenn eine richtig gute Salami gar nicht sauer ist

Links Bifi, rechts Mühlensnack

Bei der Rügenwalder ist uns aufgefallen:

  • das Brot ist süsser, aber auch salziger und noch weicher
  • die ‚Wurst‘ besteht aus einer eher gleichmäßigen Masse und ist insgesamt nicht so fest wie die Salami
  • angenehmer Geruch
  • kein unangenehmer Nachgeschmack
  • der Name ist scheisse! Daran muss Rügenwalder echt noch arbeiten. „Ich hätte gerne einen Vegetarischen Mühlensnack im Teigmantel“ klingt irgendwie komisch, oder?

Nährwerte

Nährwerte Mühlensnack

Nährwerte Bifi

Nährwerte auf 100g Bifi Mühlensnack
Brennwert (kcal) 459  357 
Fett (g) 31 21
Kohlenhydrate (g) 31 29
Protein (g) 14 13
Salz (g) 2,3 2

Die Bifi hat also mehr bums, und wenn man mal abseits von Tagestouren auf dem Rad etwa 2000 kcal für einen Tagesgrundumsatz (für einen mittelalten, zu fetten, eher großen Mann) annimmt, schon ein sattes Viertel davon!

Kosten

Der Mühlensnack ist deutlich teurer, nimmt man die Preise für 20iger bzw. 24iger Großpackungen, kostet ein Mühlensnack (50g) 1,45 Euro, eine (40g, also nicht xxl) Bifi im Teigmantel nur 83 Cent.

Gleichzeitig ist Bifi auch leichter verfügbar, der Mühlensnack eher ein Exot in der Tanke.

Fazit

Generell sind beide Produkte geschmacklich schon sehr nah bei einander, ich finde den Mühlensnack geschmacklich besser, aber die Bifi vom Kauen her befriedigender.

Ich behaupte, dass es sehr schwer ist, diese gezielt unterscheiden zu können, wenn man sich nicht darauf vorbereitet und beide direkt vergleicht.

Die Unterscheidung ist allerdings sehr leicht, wenn man direkt eine Nase an der gerade aufgerissenen Verpackung nimmt, weil so ekelhaft und gleichzeitig geil riecht einfach nur Bifi.

 

 

Marsian Mountains – na, fast

Es gibt seit Corona eine Gravel-Rennserie, die es auch unter Coronabedingungen möglich macht, sich mit anderen zu messen.

Hä?

Gruppen-Spocht oder gemeinsame Ausfahrten machen fand in 2020 und in Teilen von 2021 nicht statt, weil gefährlich und verboten.

Aus diesem Grund hatten ein paar Leute die Idee, alle Interessierten auf den gleichen Strecken zu individuellen Zeitpunkten gegen sich selbst fahren zu lassen und hinterher die Zeiten zu vergleichen, weil es ja irgendwie kompetetiv sein muss (bei den meisten).

Es wurden in ganz Deutschland Strecken mit den folgenden Eigenschaften ausgekundschaftet:

  • es geht viel über Stock und Stein – mit einem Gravelrad (quasi ein Rennrad mit Treckerreifen und meist etwas besseren Haltungsnoten für den Betreiber) oder einem leichten Moutainbike.
  • Strassen (so wie in Rennrad oder Auto) gibt es eigentlich nur zum Überqueren oder zum in den nächsten Feldweg abbiegen.
  • Die Strecken gehen durchs Grüne, meist durch landschaftlich besonders schöne Abschnitte.
  • die Strecken sind Rundkurse
  • man kann überall auf dem Rundkurs einsteigen und fährt dann eben wieder bis zu diesem Punkt. Neu in 2021: man darf auch gegen den Uhrzeigersinn fahren 🙂
  • die Strecken sind so angelegt, dass entsprechend ambitonierte Radler diese an einem Stück fahren können – von 150 bis 220km.

Diese Art von Rennen sind selfsupported, d.h., es gibt kein Team, kein Begleitfahrzeug, man darf keine Wartungs- oder Fressposten an der Strecke platzieren, man fahrt das eben allein (oder seit 2021 auch zu zweit) und regelt alles, was damit unmittelbar zusammen hängt, selbst.

Das ganze nennt sich als Serie Orbit360 und hat natürlich ne Webseite, eben https://orbit360.cc/ und ist in der Ruckelrad-Szene eingeschlagen wie eine Bombe.

So sehr, dass es zum Ende der Serie richtig in Arbeit ausgeartet ist, die Ergebnisse zu erfassen und auszuwerten – es gibt einen schönen Podcast dazu in der Wundersamen Fahrradwelt.

Anscheinend sind Gravelfahrer etwas individualistischer (lies: Eher nicht in Radsportvereinen organisiert) unterwegs, zugleich bringt genau so eine Organisation alle, die sich irgendwie zur Szene zugehörig fühlen, zueinander. Das ist toll.

Die Strecken (es gibt in jedem Bundesland eine) sind auf komoot zu finden, und da komme ich dann als bekennender Nichtkompetetiver ins Spiel – man kann diese sehr gut gescouteten Strecken natürlich auch ausserhalb des Fensters, in denen es Wertungen gibt, abfahren – zum Vergnügen.

Möchte man an der Wertung teilnehmen, zahlt man (für alle Orbits zusammen, egal, wieviele man fährt) ein geringes Startgeld und muss latürnich exakt auf dem gescouteten Track bleiben, oder wenn man von ihm abweicht, um Einzukaufen, wieder an der gleichen Stelle auf den Track zurückkehren. Im Anschluss lädt man einen eigenen Track hoch, der dann gegen den Master gedifft wird, um in die Wertung zu kommen. Mehr zu den Wertungsdetails und alles andere wichtige gibts auf der Orbit360 Webseite.

Ich will nicht ausschliessen, dass ich da nächstes Jahr auch im Rennzeitraum mitmache, aber dieses Jahr hatte ich kein dafür geeignetes Rad, das hat sich ja nun geändert.

Deswegen bin ich am Freitag mal zur Probe einen Orbit gefahren – Hamburg hat das Glück, gleich drei Orbits zu haben, den Hamburger (logo) und aber auch den schleswig-holsteinischen und den niedersächsischen, und den bin ich gefahren – er geht 5km von unserer Wohnung los.

Mich hat interessiert, wieviel mehr Kraft es kostet, wenn der größte Teil der Strecke keine geschlossene Decke hat (Spoiler: Boah, erheblich), wie das mit den Höhenmetern ist und ob ich das überhaupt bringe.


Also – the Marsian Mountains ~160km, ~1200 Höhenmeter, Ende September mit Tageslicht von grob 07:00 bis 19:00 Uhr, also 12 Stunden Zeit, um das zu schaffen.

Das Wetter war eher so naja – zumindest sollte es nicht regnen. Ich bin kurz vor halb acht losgefahren, erstmal zum Track.

Mein Einstiegspunkt in den Track waren die Harburger Berge, auf breiten, verdichteten und damit gut fahrbaren Waldwegen, aber dafür gings auch schon mal ganz schön hoch und runter, ich hatte gleich hier den höchsten Puls des Tages 🙂

Harburger Waldwege

Bare with me, das Haupteinstellrad der Kamera verschiebt sich leider sehr leicht, wenn ich sie aus der Tasche ziehe. Wenn ich auf dem fahrenden Rad sitze und es ruckelt, bemerke ich das nicht immer und dann kommen technisch nicht ganz einwandfreie Bilder wie das oben raus.

Das Wetter war weiterhin so lala, einmal kam die Sonne raus, da musste ich natürlich anhalten und ein Foto machen.

Sonne!

schön hier, vor allem mit Sonne

Ein Teil der Wege sind seit dem Scouten für den Track ganz schon zugewachsen, so zum Beispiel hier – da ging dann nur schieben, aber immerhin hab ich kein Wasser in die Schuhe bekommen.

Matschepampe und Nature is healing

Ab und zu ein paar asphaltierte Abschnitte

Ich lernte die paar asphaltierten Abschnitte echt schätzen – mal Lenker locker halten oder ganz los lassen und den Körper durchstrecken und einfach locker weiter pedalieren.

Schutzbleche, so geil.

Ich mag ja Schutzbleche. Sonst hätte ich deutlich mehr Sand zwischen den Zähnen gehabt und Schmodder überall.

Waldpfade

Sandweg mit Seitenstreifen

Hier spricht die Sahara – zum Glück mit einem gut fahrbaren Seitenpfädchen. Eigentlich hab ich nix gegen Pferde, aber einige Reiter scheinen echt doof zu sein und mit Vorliebe Wege zu zerreiten, an denen große Schilder mit durchgestrichenen Pferden angebracht sind.

Jochens Schutzhütte mit Hüttenbuch

Mein erstes Päuschen – an dieser Hütte konnte ich nach dem ersten Junkeinkauf an einer Tanke nicht vorbei fahren.

Ich musste erst etwas unangemessene Wahlwerbung entfernen, aber dann war es dort ganz schön zum Pausieren (nach etwa 47km).

Der Snackvergleich

Ich habe dort einen Vergleichstest durchgeführt zwischen dem Allstar in der Kategorie Salami im Schlafrock Bifi Roll XXL und seinem neuen Herausforderer Vegetarischer Mühlensnack im Teigmantel. Das schreib ich aber noch mal gesondert auf – vorweg nur schon mal, das Rügenwalder dringend an einem schmissigeren Namen arbeiten muss.

Eichenlaub – eine invasive Laubart

Als dann Laub anfing, um meine Laufräder zu wuchern, bin ich weiter.

Bald gab es dann den ersten Heideartigen Blick und auch heideartige Wege.

Diese schmalen, sandigen Wege brauchen viel Aufmerksamkeit, sie sind fast immer gut fahrbar, aber es gibt viele Wurzeln und Löcher und manchmal ziemlich schlecht lesbare Sandflecken.

Je heller der Sand wird, desto größer die Chance, eine spontane Bodenprobe zu nehmen.

Wenn ich mir Zeiten von den ‚richtigen‘ Orbitern ansehe, die hier lang sind, frage ich mich, ob die neben mehr Kraft (sicherlich) auch entweder sehr viel besseres Fahrkönnen, mehr Mut oder einfach nur mehr Stollen am Reifen haben.

Vielleicht bräuchte ich für sowas wirklich ein etwas gröberes Profil auf den Reifen. Lenker entlasten bringt aber schon mal ne Menge.

Ich war absichtlich an einem Freitag unterwegs, ahnend, das auch in der Offseason am Wochenende viele Menschen mit schwer vorhersagbaren Bewegungsmustern unterwegs sein würden.

Season: Die Heide blüht Ende August/Anfang September, dann ist die Heide voller Menschen. Es ist wirklich wunder wunderschön, gerade am sehr frühen Morgen (und bei Sonnenaufgang auch nicht voll).

Wenn die Heide blüht (Archivbild – klick aufs Bild öffnet mein Heide-Album)

Es war auch schon an einem Freitag ganz schön was los, ein Wochenende will ich mir dann lieber nicht vorstellen.

Besonders um Attraktionen herum, z.B. eine Herde Heidschnucken und deren sehr traditionell gekleideten Schäfer waren immer Menschen, die dann auch alles andere in der Nähe leicht vergessen.

Heidschnucken und Ziegen bei der Arbeit

Die Beweidung mit Schafen (und Ziegen) ist wichtig zur Landschaftspflege in Heidelandschaft, weil die Tiere viele Triebe verbeissen und damit das Nachwachsen von größeren Pflanzen verhindern. Ohne die Herden würde die Heide schnell verbuschen und dann verwalden.

Der Track führt auch am Rande des Möhrer Moores entlang, hier über einen dafür angelegten Steg. Bestimmt geil, wenn es nass ist.

Kurz vor Schneverdingen bin ich vom originalen Track abgewichen und nach Schneverdingen reingefahren, um nach 86km mal wieder eine längere Pause zu machen.

Der kleine Dönerteller. Bin froh, dass ich nicht normal oder groß bestellt hab

Nach dem wirklich leckeren (kleinen) Dönerteller hab ich mir beim Bäcker nebenan auch noch ein paar Teilchen für unterwegs gekauft und meine Zuckerwasservorräte aufgefüllt.

Das ist der eigentliche Grund fürs Radfahren. Ich nehm gerade ab, aber beim Radfahren verbrenne ich so viel, dass ich sowas ohne Bedenken essen kann 🙂

Gerade Cola – was ich im Alltag gar nicht mag und deshalb meide – ist auf dem Rad super cool. Akku alle, Cola drauf, nach 5 Minuten fühlt man direkt den jungen Gott in sich und holpert den nächste Anstieg mühlos hoch.

Mit mäßig vollem Bauch zurück zum Track – und endlich wieder nordwärts. Inzwischen war es auch schon deutlich nachmittags und mir kamen erste Zweifel, ob ich es auf dem geplanten Track nach hause schaffen würde, ohne im Dunklen durch den Wald fahren zu müssen.

Seit Schneverdingen hatte ich nun Rückenwind, da rauben lose Kieswege, auf denen sich der Kies unter den Reifen bewegt, schon mal weniger Kraft, als wenn man noch deutlich Wind von vorne hat.

Das Scouting ist wirklich super. Die Wege sind abwechslungsreich und schön. Und die Abwechslung macht es auch spannend. Was kommt als nächstes? Gibts mal wieder einen Abschnitt zur Arm-Entspannung, eine Matsch- oder Sandkuhle? Waldautobahn? Kopfsteinpflaster?

DIE Attraktion in der Lüneburger Heide ist natürlich neben dem lila Heideblühen des Heidekrauts der Wilseder Berg, eine Erhebung von ~160m.

Der Weg dort hoch ist im letzten Stück zwar auch steil, aber das eigentliche Problem, mit dem ich gekämpft habe, war der lose Untergrund, auf dem man irgendwie Traktion übertragen muss – ahja, und mit idiotischen Menschen mit Ebikes, die im Weg rumstanden und noch dumme Sprüche machten.

Ich bin unter leichtem, kontinuierlichen Fluchen hochgefahren, die Rohloff machte es möglich.

Das ist übrigens auch meine Kurzzeitdiebstahlsicherung an der Tanke – Rad in den 1. Gang drücken. Wenn damit einer mit dem Rad abhauen will, denkt er, er hat den Leerlauf drin, so absurd gering ist die Entfaltung. Und wie man bei meinem Rad schaltet, ist einem Gelegenheitsmitnehmer auch erst mal nicht klar 🙂

Outdoor-Menschen am Gedenkstein

Oben auf dem Berg auf einer Bank sitzend und ein Teilchen verdrückend kommt doch tatsächlich einer von den auf dem Weg Rumstehern an und fragt, was das für ein Motor sei, wo der sei, und wo er den kaufen könnte, und er sei so schön leise.

Hab ihn erst nicht verstanden.

Hab ihm, als ich verstanden habe, dass er das komplett ernst meint, erklärt, dass das hinten in der Nabe das Schaltgetriebe ist, und das vorne in der Nabe ein Dynamo – beides keine Motoren. Hat er mehrfach nicht geglaubt. Hab ihm dann erlaubt, das Rad hochzuheben, damit er das Gewicht der Akkus besser fühlen kann.

Blick vom Wilseder Berg nach Süden

Weiter Richtung Heimat, und es wurde schon merklich donkler. Nun gab es ein paar kurze für mich nicht fahrbare Abschnitte – zu tiefer Sand, zu wenig Fahrpraxis damit (und wahrscheinlich wirklich etwas wenig Profil), aber bei dem Sandloch auf dem folgenden Bild hätte mich das auch nicht gerettet, glaube ich.

Sandloch

Zum Glück hab ich auch hier keine Bodenprobe genommen.

Manchmal hab ich mich gefragt, was für ein Sadist sich diesen Track ausgedacht hat. Man keult nen Berg hoch (oder man nähmaschint, je nach Untergrund), und dann kann man nicht mal auf der anderen Seite runter sausen (also ich nicht), weil da ein Sandweg mit schlimmen Wurzeln ist. 🙂

Zum Beispiel geht es einmal über den Brunsberg, knackig hoch und genauso knackig runter. Es gibt da noch zwei weitere Wege, die sahen erstmal flowiger aus. 🙂

Auffahrt zum Brunsberg

Danach hab ich keine Bilder mehr gemacht, es wurde einfach zu schnell dunkel und ich wollte nicht mehr so oft anhalten, ich musste weiterkommen und fertig werden.

Kurbel kurbel kurbel.

Der Körper fühlte sich immer noch ganz gut an – davor hatte ich Schiss, also vor Kontaktstellenaua: Arschweh, Handweh, Fußweh, Schüttelweh. Das war aber ok.

Mein Endgegner war nicht direkt Körper, sondern der (Nicht)Belag der Strecke – das machte mir echt zu schaffen und verlangte trotz zunehmender Müdigkeit viel Konzentration.

Nach einem 5km Stück komplett gerader Waldautobahn hab ich den Originaltrack nach 144km verlassen. Es wurde dunkel, und ich wollte nicht noch weitere Abschnitte über Wurzeln und Sand oder tiefen Kies fahren, weil das im Scheinwerferlicht durch die Schatten zwar gut sichtbar, aber auch durch die Schatten für mich nicht mehr gut lesbar war. Ich hab mich entschieden, zur nächsten Landstrasse zu fahren, und dann auf Radwegen oder Strasse nach hause zu ballern – Kraft hatte ich noch genug.

Interessanterweise ist mein Schnitt auf diesem letzten Abschnitt enorm gewachsen – von im Durchschnitt 16km/h vorher zu einem 19er Schnitt. Der Belag macht echt tierisch was aus, mehr als ich mir bisher eingestanden habe – ok, und rein nach Harburg ging es auch mehr bergab als bergauf, und ich konnte bergab richtig Hafer geben.

Fahrzeit, nicht Gesamtzeit! Die war 12,5 Stunden.

Die besten Finisher sind diesen Orbit in etwas über 5 Stunden, also mit einem Durchschnittstempo von 31km/h !! gefahren. Ich glaub, da wäre ich vor Angst gestorben (vor allem Berg runter und beim Beinahe Umfahren von Passanten und Hunden), mal abgesehen davon, dass ich auch auf der Strasse nicht für 5 Stunden einen 30iger Schnitt fahren kann. Vielleicht für eine, und dann ist direkt Licht aus.

Da ist also noch Luft nach oben 🙂

Insgesamt hat mich diese Runde in meinem Tempo sehr glücklich gemacht. Auch sehr durchgeschüttelt (Schüttelschmerz im Winkfleisch!), aber ich weiß nun, dass ich 160km in 12 Stunden mit großzügigen Pausen zum Gucken wegtreten kann, auch wenn die Strecke ruppiger und hügliger ist als ich mir das selbst aussuchen würde.

Heute (einen Tag später) tut mir etwas der tiefe Rücken weh (aber da hab ich eh ne alte Kriegsverletzung) und als ich vorhin ~5km mit dem anderen Rad gefahren bin, hab ich deutlich die Arschknochen gespürt. Auf dem Rad hab ich den gleichen Sattel drauf, hatte aber ne Alltagshose ohne ‚Leder‘ an.

Ich muss dann wohl doch fleissig trainieren und vielleicht auch etwas profiliertere Reifen aufziehen, und dann die anderen Orbit-Tracks hier in der Umgebung wegfahren…

Yay.


Die ganze Tour bei komoot:


Oder als Video (Relive):

Über die Seeve- und Ilmenauniederung zum Sperrwerk Geesthacht, durch die Viermarschlande zurück

Ich hatte mir vorgenommen, eine Runde über Geesthacht zu drehen – schön südlich der Elbe durch die Marschen und Niederungen der Seeve und Ilmenau rappeln, dann über das Sperrwerk in Geesthacht auf die Nordseite der Elbe und über den alten Bahndamm der Marschlandbahn rein nach Hamburg, über die Veddel und Wilhelmsburg zurück nach Harburg.

Die Strecke

Das Wetter war aber eher so meeh. Als ich loswollte, nieselte es. Also warten – noch mehr meeh. Dann wurde es etwas besser, ich hab mich in meine Radfahrkluft geworfen, bin los gefahren – und es begann ernsthaft zu regnen 🙁

Nach ein paar Kilometern fiel mir dazu noch auf, dass ich gar keine Radhandschuhe an hatte – die sind mir wichtig, weil sie durch Gel-Einlagen das Geruckel gut wegdämpfen und ich sonst Druckstellen und Kribbelschmerzen an den Stellen, durch die die Sehnen am Handgelenk gehen, bekomme.

Humpf. Und immer noch Regen.

Ok, einfach nachhause fahren, wie so ein HandschuhTurnbeutelvergesser… das geht nicht. Ich hab erst gerade wieder in einem Podcast gehört, dass man selbst das Silkroad Mountain Race nicht wegen vermeindlicher Ausrüstungsprobleme abbricht, sondern in Wirklichkeit, weil man nicht genug Willen hat, es durchzuziehen. Das gilt dann irgendwie auch für eine simple Samstagausfahrt.

Ich könnte aber abkürzen. Statt über die Staustufe die Fähre Hoopte – Zollenspieker nehmen, das würde etwa ein Drittel sparen. Oder nur nach Hoopte fahren, ne C-Wurst mit P-RW essen, und zurück…

Während ich so radelnd vor mich hinoptionierte, regnete es erst wärmer, dann auch weniger.

Das Rad mit großer Tasche – ich hatte Bereitschaft und musste mein Laptop dabei haben.

Irgendwann war ich dann auch an der Stelle, an der ich nach Norden Richtung Fähre hätte abbiegen müssen, vorbei. Das ist ein Vorteil von der Navigation mit dem Radcomputer, man sieht das Große&Ganze nicht, sondern immer nur das nächste Stück 🙂

Inzwischen hatte der Regen ganz aufgehört, die Wege durch die moorigen Felder und Wiesen waren auch alle gut fahrbar und es rollte gut.

Der Herbst kommt mit großen Schritten. Der Mais stand hoch, die Sonnenblumen hatten fertig.

 

Von der Staustufe Geesthacht (bestehend aus dem Wehr, der Schleuseninsel, zwei Fischtreppen und zwei großen Schleusen) hab ich nur ein Bild gemacht, auf der Bundesstrasse, die quer über die Staustufe führt, ist ziemlich viel Verkehr, da wollte ich mich nicht so lange aufhalten und ich war auch schon öfter hier – zum Gucken, aber auch mit dem Boot zum Schleusen Richtung Berlin.

Eine der vier Wehröffnungen

Hier endet die Tide-Elbe. Oberhalb Geesthachts sind die Wasserstände nicht mehr Ebbe und Flut unterworfen und die Elbe kann bis nach Tschechien ohne weitere Staustufen befahren werden, wenn genug Wasser da ist.

Bei den Schleusen und bei den Fischtreppen kann man durchaus länger gucken, der Westteil der Schleuseninsel ist wunderschön und lohnt eine Beschlenderung.

Schleuseninsel – Archivbild aus 2009

Auf der Nordseite der Elbe angekommen ging es am Südrand der Besendorfer Sandberge (mit den immer noch sehenswerten Ruinen der Pulverfabrik Düneberg darin) entlang Richtung Marschlandbahn.

Die Marschlandbahn bzw. deren ehemalige Trasse  wurde zu einem Radweg ausgebaut, auf dem man ampelfrei bis in die Hamburger Innenstadt (Deichtorhallen) fahren kann!

Die Trasse war eingleisig, somit  ist die Strecke das auch. Zum großen Teil besteht der Weg aus zwei Fahrspuren und Gras in der Mitte. Bei gutem Wetter am Wochenende im Sommer ist hier sehr viel los, zügiges Fahren geht dann nicht mehr.

Aber das Wetter war ja eher so mittel, da konnte ich zügig fahren.

Hier hab ich es wieder verpasst, abzukürzen oder zumindest ne C-Wurst am Fähranleger zu essen – ich hätte von hier die Fähre zurück nach Niedersachsen nehmen können, aber ich hatte bislang nicht die befürchteten Schmerzen in den Handwurzeln und war mir sicher, dass ich die kommenden ~35km auch noch schaffen würde.

Die Trasse der Marschlandbahn und damit der Radweg endet kurz vor der Schleuse Tatenberg, die hier die Dove-Elbe Richtung Bergedorf von der Tide-Elbe abtrennt.

Der Holzhafen mit Kraftwerk Tiefstack im Sonnenlicht

Hinter der Tatenberger Schleuse führt der Radweg dann weiter entlang des Deichs über die Insel Kaltehofe mit dem ehemaligen Wasserwerk Kaltehofe mit seinen architektonisch sehr verspielten Zweckbauten (angucken lohnt sich) und über das Sperrwerk Billwerder Bucht nach Entenwerder und unter der B75 (Neue Elbbrücken) durch.

Hier könnte man weiter dem Deich in Richtung Westen folgen bis zu den Deichtorhallen und wäre direkt in der Hamburger Innenstadt angekommen.

Ich bin aber Richtung Süden abgebogen und auf gewohnten Pfaden über Veddel und den Wilhelmsburger Inselpark nach Harburg zurück gekehrt.

Die alte Harburger Elbbrücke wird gerade saniert und ist deswegen nicht befahrbar

Eine schöne Tour bei letzlich doch tollem Fahrradwetter – nicht zu warm, nicht zu windig, und der neuen Erkenntnis, dass ich auch bei über 80km langen Touren auf diesem Rad nicht zwingend Handschuhe brauche, das ist wirklich toll.

Ob das an der Sitzhaltung, an der größeren Elastizitiät des Rahmens, dem geringeren Luftdruck zusammen mit den breiteren Reifen liegt – oder an allem zusammen – ich weiß es nicht, aber ich freue mich sehr darüber.

Ich bin zum ersten Mal die Tasche angebautem Gepäckträger spazieren gefahren, weil ich Arschraketen (große, nach oben ragende Satteltaschen) scheisse finde. Hier etwas mehr zu dieser Tailfin-Tasche.


Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

 

Routing und Navigation fürs Rad

Dieser Artikel ist ziemlich technisch, dafür überhaupt nicht touristisch – solange Du nicht schöne Strecken für Radtouren finden und abfahren willst, brauchst Du ihn eher nicht zu lesen. 🙂

Im Gegensatz zur Auto-Navigation (wie hier für 2015 und hier für 2020 beschrieben), mach ich das Planen und Routing für Fahrradtouren anders, GoogleMaps ist für mich da nicht die beste Lösung.

Komoot

Die Planung einer Rad-Strecke habe ich lange mit komoot gemacht.

Komoot basiert auf Openstreetmap (ab jetzt OSM), einem weltweiten opensource Projekt von Karten-Nerds, die eine frei verfügbare, routingfähige Kartografie entwickelt haben. Es gibt einige OSM-Spezialversionen, z.B. OpenRailwaymap (für Pufferküsser) und OpenSeamap (für Salzwasserliebhaber) und noch einige mehr – auf Grundlage von guten Kartendaten werden einfach Specialinterest-Themen verkartet, eine tolle Sache.

OSM für Pufferküsser

Jede:r kann bei OSM mitmachen und die Karte verbessern – durch das Hochladen von Tracks, Änderungsvorschläge, Hinzufügen von Informationen und Klassifikationen von z.B. Weguntergründen.

Die Qualität von OSM-Karten ist generell sehr hoch und aktuell. Inzwischen stellen viele Kartografiebehörden ihre Rohdaten für OSM zur Verfügung.

Komoot verwendet eine visuell vereinfachte OSM-Karte und bietet Routing für verschiedene Freizeitaktivitäten an, z.B. Wandern, Radfahren, Mountainbiken und so weiter. Komoot ist eine deutsche Firma und will natürlich Geld verdienen. Dies tun sie, indem sie ihr Kartenoverlay für eine Handy-App zur Verfügung stellen, damit man mit Komoot erstellte Routen auch abfahren/laufen kann. Die Karten fürs Handy kosten per Karte (Region) ein paar Euro, für 30 Euro (oder so) gibt es alle Karten zusammen – ich finde, das lohnt sich, weil die Karten besonders auf einem kleinen Bildschirm aufgeräumter erscheinen.

Komoot lebt auch von der Benutzer-Interaktion, so kann man sogenannte Highlights erstellen (oder vorhandene kommentieren) – Orte, die man anderen empfehlen möchte, die sich lohnen. Damit kann man interessante Orte finden, aber auch viel Quatsch, weil Benutzer, die solche Orte erstellen, dafür mit virtuellen Plaketten belohnt werden. Also eine zweischneidige Sache, aber es hilft oft, die neuesten Kommentare zu Orten an der geplanten Route zu lesen, um z.B. mitzubekommen, dass ein Weg gesperrt ist, weil da gerade ne Autobahn gebaut wird oder sowas.

Das Routing zum Wandern ist nach meinen Erfahrungen ziemlich gut, obwohl ich beim Wandern noch lieber Papierkarten verwende – man braucht nicht so irre viele, weil man einfach nicht so weit kommt 🙂 und es ist ein Griff, ein Blick und gut. Auf dem Rad sind mir Papierkarten aber zu umständlich.

Das Routing zum Radfahren ist schon mal besser als das von Googlemaps, aber es geht trotzdem oft entlang von Strecken, die ich in der Praxis eher nicht benutzen würde, weil es z.B. eine parallele bessere, ruhigere, mit besserem Belag versehene und so weiter Strecke gibt.  Wenn man sich auskennt, kann man das am PC korrigieren – einfach an der Strecke zupfen und diese verlegen – mobil geht das leider nicht (so toll).

Komoot versucht, für Rennräder andere Routingkriterien anzuwenden als für Mountainbikes, in den Abstufungen dazwischen ist dann oft aber nicht klar, warum die Routingentscheidung so fällt, wie sie fällt.
Das ist einerseits angenehm, weil es dadurch aufgeräumter wird, andererseits reitet es einen schon mal in die Scheisse oder auf eine Bundesstrasse ohne Parallelradweg.

Immerhin zeigt Komoot den Strassenbelag und den Strassentyp an, daraus kann man schon viele Schlüsse ziehen. Es zeigt auch das Höhenprofil an, das ist in dem abgebildeten Beispiel aber nicht so interessant.

komoot - Wegtypen

Was genau der Unterschied zwischen Asphalt und Straßenbelag ist? Ich habe keine Ahnung, aber das kann man sicher mit Hilfe der OSM-Klassifikationen für die Oberfläche herausfinden.

Ein großes Problem für mich: Ich kann mit komoot auf dem Handy kaum Routen planen, zumindest nicht, wenn ich die vorgeschlagenen Routen einfach anpassen möchte. Das ist für mich wichtig, wenn ich mehrere Tage unterwegs bin, und den nächsten Tag von dort planen möchte, wo ich abends angekommen bin.

Also – schon ganz gut, aber ich hab rausgefunden, dass es was besseres gibt, zumindest fürs Rad.

Bikerouter.de

Beim Umsehen in der Schnelle-Rumpeltouren-mit-Minimalgepäck-Szene bin ich über den Routenplaner der CXBerlin auf den Bikerouter.de gestossen –  beide basieren auf OSM-Karten und bieten Routing speziell für Fahrradfahrer, technisch wird brouter genutzt.

Das ist richtig geiler Scheiss!

Wie immer muss man sich etwas einfummeln, wenn es um ein Tool geht, das eine größere Komplexität abbildet, dafür bietet es aber auch viel mehr Möglichkeiten.

Es gibt eine sehr gute, deutschsprachige Anleitung mit Tipps und Tricks zu bikerouter vom Autor Marcus Jaschen.

bikerouter Screenshot

Bikerouter in Aktion

  • Besonders wertvoll für mich ist die Möglichkeit, bestimmte POI (Points Of Interest) einzublenden, z.B. alle Stellen, an denen man Wasser (z.B. freie Wasserhähne auf Friedhöfen) oder Lebensmittel/Junkfood bekommt – da kann man dann auch noch mal unterscheiden zwischen Bäckern, Tankstellen, Supermärkten und so weiter. Genauso kann man sich Shelter und alles mögliche in die Karte einblenden lassen.
  • Man kann No-Go-Aeras definieren, und damit bestimmte Gebiete vom Routing ausschliessen,
  • mit Hilfe von Overlays besondere Eigenschaften hervorheben, wie z.B. mit dem Gravel-Overlay. Damit ist es z.B. möglich, Sandwege und Kopfsteinpflaster sehr früh als solche zu identifizieren und dann zu meiden.
  • Es gibt mehrere Grundprofile, z.B. Tourenrad, Rennrad, MTB, Gravel in verschiedenen Ausprägungen (schnell, sehr wenig Verkehr, nass (irgendwas für MTB, fragt nicht…))
  • Es stehen einige Grundkarten mit unterschiedlichen Informationsgewichtungen und auch Satellitenbilder zur Verfügung, um die Route auch damit abzugleichen zu können.
  • Bikerouter bietet ein Höhenprofil, auch wenn das rund um Hamburg nicht so viel hilft, wie in Gegenden mit ernsthaften Steigungen.
  • Man kann die Route leicht eigenen Bedürfnissen anpassen, z.B. Orte/POI, die man direkt passieren möchte, um Junk nachzukaufen, auf der Karte markieren, die Route wird dann entsprechend angepasst.
  • Die Planung funktioniert hervorragend auch auf einem kleinen Bildschirm (z.B. Smartphone)
  • die meisten persönlichen Einstellungen werden in die URL kodiert, d.h., man kann sich eine geplante Route bookmarken oder auch anderen Leuten zum Betrachten schicken, ohne sie in ein GPX-File (das übliche GPS-Datenaustauschformat) zu exportieren. Hier findest Du z.B. die Planung für eine Tour von Harburg nach Cuxhaven mit meinen Einstellungen. Für Details muss man etwas reinzoomen. Das stimmt natürlich nur für eine gewisse Zeit, die Route wird über die Fixpunkte in der URL gerendert, wenn die unterliegende Karte eine Änderung (z.B. eine Strasse wird umkategorisiert oder einfach gesperrt) erfährt, wird der Betrachter eine andere Route sehen als der Ersteller.
  • Für den Austausch der exakten Route gibt es natürlich einen GPX-Ex- und Import, das ist auch das Format, dass übliche Radcomputer und Navigationssoftware wie komoot, OSMand und andere lesen und verarbeiten können.

Ok, da ist sie, die Route – und jetzt? Wie kann ich diese abfahren?

Geplante Routen fahren

Auf dem Rad gibt es üblicherweise zwei Möglichkeiten, eine Route abzufahren – entweder benutzt man ein Smartphone mit einer passenden App, oder einen dafür spezialisierten Radcomputer.

In beide muss die Route irgendwie reinkommen, und da ist ein Wort der Warnung angebracht:

Vorsicht beim Import von GPX-Daten in andere Routingsoftware! Du musst unbedingt darauf achten, die GPX-Datei im Original zu importieren! Routingsoftware versucht oft, ‚unbekannte‘ Teilstücke aus dem Routing herauszufummeln (ohne den Benutzer zu informieren) und um das aus ihrer Sicht unfahrbare Stück herumzurouten. Wenn das passiert, biegt man im schlimmsten Fall anders ab als eventuelle Mitfahrer mit der Originalroute, was zu schlimmen Unfällen führen kann!

Bei Komoot (ich würde wegen der Übersichtlichkeit immer am Rechner importieren, die Route taucht dann auch auf dem Handy auf) gibt es seit einiger Zeit beim Importieren eines GPX-Files die Auswahl:

Der Originalroute folgen

Bitte immer ‚der Originalroute folgen‚ auswählen. Bei CXBerlin ist das Importieren auch für andere Kombinationen von Software und Geräten beschrieben: Nie mehr Falschabbieger sein – Tutorial.

Also – mit Komoot kann man einen GPX-Track importieren, komoot meckert dann, dass in diesem Import unfahrbare Abschnitte enthalten sind und fertig. Wenn Dich das unsicher macht, kannst Du Dir diese Abschnitte genauer anzeigen lassen und die Warnung dann immer noch in aller Ruhe ignorieren.

Mit anderer Software hab ich keine Erfahrung – es scheint aber ein größeres Problem zu sein, sonst gäbe es solche Rants einfach nicht.

Der Gerät

Nadja benutzt komoot mit dem Handy auf dem Rad, ich eigentlich nicht. Smartphones haben für mich ein paar Nachteile:

  • der Batterieverbrauch bei GPS-Betrieb immer noch relativ hoch
  • sie sind nicht wasserdicht
  • Handys sind allgemein eher empfindlich
  • die notwendige Handyhalterung verdeckt die Kamera, den Fingerabdrucksensor und macht das Handy allgemein schwerer benutzbar
  • sie treiben sich im Internet rum und bieten alle möglichen spontanen Ablenkungen (Benachrichtigungen und so)

(und noch bestimmt ein paar mehr).

Ich benutze einen Radcomputer (in meinem Fall von Garmin, ansonsten gibt es auch von Wahoo sehr gute Geräte), der auch noch andere Daten (bei mir Tritt-  und Herzfrequenz, je nach dem, mit welchem Rad ich unterwegs bin) misst, anzeigt und aufzeichnet und mir natürlich den Weg anzeigt.

Trotzdem importiere ich meine Routen in komoot:

  • Mein Garmin kann diese von dort sehr bequem (per wifi) importieren
  • als Backup, falls Garmin unterwegs die Grätsche macht
  • zum Teilen mit Nadja oder anderen, wenn wir gemeinsam fahren

Zum Reinnerden ins Thema Radcomputer empfehle ich als Startrampe den GPSRadler.

Für Gelegenheitsnutzer ist der Weg über das Handy sicher der einfachere und vor allem der viel billigere. Man braucht erstmal nur ne brauchbare Handyhalterung – das isses. Bei einem älteren Handy wird ne Powerbank sicher nicht schaden.

Ich finde die Halterung von Klickfix super, wenn ich die nicht hätte, würde ich mir wohl mal Quadlock genauer ansehen. Für totale Einsteiger tun es auch die günstigen Rubberman oder Finn.

Klickfix und Garminhalterung auf Ortliebtasche

Klickfix- und Garminhalterung auf meiner Lenkertasche

Bei der Verwendung von Komoot auf dem Handy ist es noch wichtig, die Route offline verfügbar zu machen, damit man auch im Funkloch (also überall ausserhalb von Ballungsgebieten) navigieren kann.

Auch auf einem Radcomputer braucht man natürlich die passende Karte auf dem Gerät. Bei Garmin kann man z.B. die garmin-eigenen Karten auch durch OSM-Karten ersetzen. Mir gefallen diese besser, und wenn man sie regelmäßig updatet, sind sie auf jeden Fall aktueller.

Los geht’s

Zum eigentlichen Route abfahren schreibe ich hier erstmal nix, das ist weitestgehend selbsterklärend.

Sei gewarnt, komoot (und wohl alle anderen Routing-Apps) und auch Radcomputer verhalten sich nicht unbedingt vorhersagbar oder gar schlau, wenn man von der geplanten Route abweicht (egal, ob weil man einfach zu doof ist, oder es wirklich nicht anders geht).

Strategien, mit einem durchdrehenden Routingsystem umzugehen, und schnell und ohne U-turns wieder auf den Track zu kommen, unterliegen allerstrengster Geheimhaltung, die dahinter steckenden militärischen Weltraumtechnologie-Algorithmen sind höchst vertraulich, Kritik daran ist unangebracht.

Aber das ist dann genau der Spaß, weswegen man das alles macht 🙂

Nach der Tour ist vor der Tour – Errorhandling

Findest Du beim Fahren einer Route einen Fehler, der auf Fehler im OSM Kartenmaterial zurückgeht, kannst Du diesen melden oder sogar korrigieren – entweder direkt bei Openstreetmap, das geht aber auch via Komoot.

Mir ist das am letzten Wochenende passiert: Es ging einfach nicht weiter, weil die Strasse in einem Privatgrundstück endete. Ich hab mit dem Besitzer geschnackt, sehr nett – und ich war wohl nicht der erste.

Falsches Routing

Zuhause hab ich dann eine Notiz an die fragliche Stelle gemacht: https://www.openstreetmap.org/note/2847243 – die Stelle wurde inzwischen korrigiert. Das kann man ausprobieren, in dem man auf die URL der Strecke von weiter oben klickt oder auf den folgenden Screenshot daraus guckt:

Korrigiertes Routing

Die Strecke führt nun den Weg einen Weg weiter westlich entlang, es wird nicht mehr über den privaten Weg geroutet. Toll, oder?

Angeregt durch Colin (den Bearbeiter meiner Anregung) hab ich dann doch mal probiert und nach dem Durchspielen des Tutorials im browsergestützten Karteneditor (einfach H tippen), ein paar Änderungen bei mir vor der Haustür vorgenommen, Es ist wirklich einfach.

Witzig: Meinen Openstreetmap Account hab ich 2007 angelegt, dann aber nicht so viel damit gemacht. Wird ja langsam mal Zeit, das zu ändern…

Fazit: Es ist ziemlich einfach, Änderungen anstossen und dies sollten wir als Nutzer auch tun, davon leben community getriebene Karten – die nächste fährt dann einfach ein kleines bißchen richtiger.


Warum ich zwei Halterungen (für Handy und GPS) an meiner Lenkertasche habe? Ich benutze das Handy gerne für weitere Erkundungen, z.B. um einen Fahrradladen zu finden (mit googlemaps) und dann gezielt von der Route abzuweichen ohne das Routing und damit auch die Aufzeichnung auszuschalten, oder um um andere Apps zu benutzen.

In solchen Fällen ist es toll, das Handy nicht in der Hand halten zu müssen, also hab ich mir für meine Lenkertasche nen entsprechenden Deckel gedruckt, in den die Halterungen eingeschraubt werden können.