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Das war anders geplant. Dafür FÜÜR.

Im Juni ging es endlich los mit den Orbits. Den Hamburger Orbit bin ich auch gefahren.

Geplant war noch ein weiterer zum Ende des Monats, leider haben wir uns aber beide Corona eingefangen und so wurde das erstmal nix.

Corona war unangenehm, aber zum Glück auch nicht wirklich schlimm. An Fahrrad fahren war zu erst aus praktischen und dann aus seuchenschutztechnischen Gründen nicht zu denken.

So waren es dann ’nur‘ 750km im Juni.

Heatmap im Juni 2022

Alternativen zu Orbits

Stattdessen hab ich mal das Öl in der Rohloff getauscht (alle 5000km, die hab ich jetzt mit dem Rad auch runter), und mir ansonsten vorgestellt, welche Orbits ich eventuell doch noch fahren kann, ohne mit anderen Terminen bis Mitte August in totalen Freizeitstress zu geraten.

Es wird schwierig, aber einen will ich auf jeden Fall noch fahren, eventuell auch mehr. Eins der Hauptprobleme: Das eigentlich geile 9 € Ticket. An- und Abreise mit der Bahn geht eigentlich nur in der Woche oder mit einem Nicht-9€-Zug, da ist allerdings die Fahrradmitnahme auch schwierig bzw. erfordert Planung. Mal sehen.

Noch während die täglichen Tests positiv waren, hab ich geplant, möglichst bald postcoronal wenigstens ne kleine Runde zu drehen. Statt mir selbst ein Ziel zu suchen, bin dabei auf die FÜÜR MiniSerie von Rick Rider gestossen, der in der Endurance-Szene für so schöne Events wie den Super Berlin Express 747 steht.

FÜÜR

Der SBE747 ist mir (auch ohne Corona-Nachwirkungen – noch) zu krass, mal in den nächsten Jahren weiter beobachten. Dagegen hat die FÜÜR-Serie keinen Renncharakter – und die kleinste Runde ist nur läppische 100km in und um Hamburg, das sollte gehen – ich fahr ja sonst auch einfach so mal 130km.

Es geht darum, Leuchttürme zu verbinden. In diesem Fall den Leuchtturm am östlichsten Zipfel von Wilhelmsburg auf der Bunthäuser Spitze (inzwischen ohne nautische Funktion), einen kleinen Leuchtturm irgendwo in Barmbek (vermutlich auch ohne nautische Funktion), und das Leitfeuer Twielenfleth an der Unterelbe zwischen Lühe und Stadersand.

Die Streckenwahl ist frei – ich plane die Route so, dass ich in Wilhelmsburg starte und ende, und ansonsten möglichst viele Strecken fahre, die ich noch nicht gefahren bin. Das kann man z.B. mit Wandrer herausfinden, eine Webanwendung, die Strecken aus GPS-Logfiles z.B. aus Strava rausknuspert und dann den Neu-Anteil wieder in den zugehörigen Strava-Kommentar reindrückt.

Wandrer Webinterface – die neuen Abschnitte sind blau

Gleichzeitig gibt es ein Wandrer-Browserplugin, der bereits gefahrene Strecken in beliebige OSM-Karten drückt – damit ist diese Info direkt auch in Komoot oder Bikerouter beim Planen nutzbar 🙂

Der Teil durch Hamburg, gerade rein in die Stadt entlang der großen Ausfallstrassen, ist nicht so mein Ding, aber ab dem zweiten Leuchtturm (den ich nicht finde), geht es einigermaßen verkehrsberuhigt nach Teufelsbrück.

WIE, DEN ICH NICHT FINDE?

Barmbek, Standort des kleinen Leuchtturms

So sieht es da aus. Nix kleiner Leuchtturm. Ich frage ein paar Dudes, die sich an einer Eckkneipe in Ruhe die Birne wegschädeln. Jo, kennen sie, aber das ist Jahrzehnte her! Achso. Nagut, ich finde nicht raus, worum es sich handelt, und ob das auf dem Gelände des Neubaus im Bild links oder etwas weiter östlich war (für konkrete Aussagen sind die schon zu angeglüht), und fahre weiter Richtung Teufelsbrück.

Eigentlich wollte ich mit der Fähre von Wedel ins alte Land fahren, aber die ist gerade karpott. Die Alternative via Teufelsbrück spart etwas Geld (9€ Ticket) und fährt öfter.

Platt

Dafür zieht sich der Weg am Deich entlang und ist wegen des nebenher fahrenden Autoverkehrs auch nicht richtig schön zu fahren. Ausserdem bin ich erstaunlich platt. So wie in kaputt. Ich hab genug Wasser und auch Essen, aber irgendwie bin ich alle. Ich fahre auch viel mehr im Schwellenbereich als auf einer Tour sinnvoll.

Irgendwas stimmt da nicht.
Am Fähranleger Lühe (~65km) esse ich ne Fischbulette mit Cola und überlege das erste Mal, einfach nach Hause zu fahren, andererseits wechselt hier der Weg auf die Aussendeichseite – keine Autos mehr.

Am Twielenflether Leuchttum angekommen, schmeisse ich mich für eine Pause ins Gras.

So sieht Begeisterung und Lebensfreude aus!

Ab hier gehts mit Rückenwind zurück nach Harburg – ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich Lust habe, an der Wohnung vorbei noch mal bummelige 20km (zum ersten Leuchtturm und von dort aus zurück nach hause) zu fahren.

Der Rückweg ist zum Teil schön, gut asphaltiert und ohne Verkehr, der größte Teil aber genau das Gegenteil, schlecht asphaltiert und ne Menge Ausflugsverkehr. Es wäre schlauer gewesen, schon bekannte, aber dafür eben autofreie Strecken zu fahren 🙂

Im Westen sieht es bedrohlich dunkel aus, als ich noch mal eine Pause mache, selbst Richtung Norden zieht es zu.

Windstösse, so dass meine Wasserflasche umfällt.

Aber das gibt den Ausschlag, ich beschliesse, die Runde komplett zu fahren, schliesslich gibt es gerade ordentlich Rückenwind.

Rückenwind

Die Strecke ist vertraut, die Entscheidung getroffen – Grund, noch mal ordentlich reinzutreten, gerade das letzte Stück entlang am Heukenlock fetzt, ich fahre im letzten Gang mit 90iger Kadenz und Vollstoff – der Wind scheint still zu stehen.

Dann ausrollen auf dem Deich zum Türmchen, fertig.

Peuch.

Wie schon gesagt, das ganze war erheblich anstrengender als geplant. Der  Orbit neulich über 180km Stock&Stein war objektiv anstrengend, aber ich war danach bei weitem nicht so kaputt wie nach dieser Tour (auf weitgehend Asphalt).

Corona hat doch mehr an mir geknuspert, als ich gedacht habe. Ich hätte langsamer wieder anfangen sollen.

Vielleicht fahr ich statt / trotz weiterer Orbits noch die mittlere FÜÜR-Strecke.

Die Tour bei Komoot

Die Tour bei Relieve

Orbit360 Milky Way Mission

Es ist mal wieder die Zeit, in der Orbit360 die Tracks für die Orbit Gravelserie geöffnet hat – noch bis zum 14. August besteht die Möglichkeit, es sich abseits der Strasse und in ganz Deutschland und der Schweiz richtig zu geben und hinterher die Zeiten mit anderen zu vergleichen.

Zum letzten Test, ob mein Hintern den ganzen Tag Zeit hat, hab ich vor etwa zwei Wochen noch mal eine schöne Tour auf und ab der Unterelbe gemacht:

Das war soweit gut, die ständigen Viehgatter und das damit verbundene ständige Anhalten, aus dem Sattel, Menschen vor dem Tor wegdiskutieren und wieder anfahren finde ich allerdings sehr mühsam. Und meine Schuhe quietschen, ich glaub die Cleats meiner Sommerschuhe müssen mal neu.

Insgesamt war das auch überwiegend ein Roadtrip, wenn es unbefestigt war, dann war es eher feiner Gravel – nix brutales.

Ich bin letztes Jahr schon einen Orbit gefahren, allerdings ausserhalb der Wertungsperiode. Aber es ist das gleiche Prinzip in der gleichen Gegend, dort ist auch genauer erklärt, was ein Orbit ist und was das soll.

Interessanterweise und wahrscheinlich, um den Russen zu verwirren, heißt der Orbit südlich von Hamburg dieses Jahr nicht mehr Marsian Mountains sondern Milky Way Mission.

Der diesjährige Ritt durch die Heide südlich von Hamburg ist von einer anderen Planerin gescouted als der letztes Jahr und startet noch dichter an unserer Wohnung – einmal den Hügel runterkullern und schon bin ich auf dem Track.

Insgesamt waren mir viele Teile der Strecke bekannt – aber gleichzeitig hab ich viele neue, schöne Querverbindungen kennengelernt und immer wieder gedacht – hä? Das kennste doch – ohja, hier sind wir also…

Die Kartendarstellung auf dem Navi begünstigt diesen Effekt, da es meist nur bis zum nächsten Abschnitt vorraus zeigt, und das Große, Ganze verloren geht.

Los gehts!

Raus aus Harburg ging es wie erhofft auf ungeteerten, aber sehr gut fahrbaren, eher schmalen Wegen:

Unterwegs in Neuland

Unterwegs in Neuland

Das erste Highlight ist der Tunnel, der parallel zur Seeve unter dem größten Rangierbahnhof Europas Maschen RBF hindurchgeht.

Licht am Ende des Tunnels

Licht am Ende des Tunnels

Der Tunnel ist unbeleuchtet und auf der Ostseite sehr niedrig, so dass ich da schon den Kopf einziehen muss. Also Sonnenbrille runter, Licht an und los.

Im Dunklen ist der Tunnel unheimlich, weil man das Ende dann nicht sieht, die Breite der Fahrbahn schwer abschätzbar ist, die einen fiesen Absatz zur Überflutungsfläche der Seeve hat, die Seeve plätschert und stinkt und kein Ende absehbar ist.

Licht am Ende des Tunnels

Und es handelt sich nicht um einen entgegenkommenden Zug!

Tagsüber gehts. Der Track windet sich weiter auf der anderen Seite der Bahnanlagen entlang.

Heidelandschaft

Nach einiger Zeit kommt das erste richtig sandige (wie in für mich mit 40iger G-One Bite unfahrbar sandig) Stück, schieben ist angesagt.

Sand

Hier spricht die Sahara!

Dafür gibt es aber gleich etwas zu fotografieren.

Die Sandpassage ist zum Glück sehr kurz.

Insgesamt ist es sonnig und nicht zu warm. Später soll es zuziehen, aber trocken bleiben. Ideal.

feiner Gravel

feiner Gravel – zügiges Fahren

Es ist auch grüner, als ich dachte. Anscheinend ist zumindest für eine kurze Zeit genug Regen gefallen, um alles in ein sattes Grün zu tauchen.

Blumenwiese

Begegnungen

Hier an der Seeve habe ich gleich zwei lustige Begegnungen.

Ein Fliegenfischer schreit mich an, dass ich hier nicht Rad fahren dürfe. 1. ist das falsch und 2. angelt er direkt unter dem Schild, auf dem in großen Buchstaben und als einzige Aussage ‚Angeln verboten‘ steht.
Ich halte kurz an, gebe ihn einen freundlichen Hinweis und fahre weiter. Schon dreist, was für ein Arschloch.

Keinen Kilometer weiter das gleiche mit einer Reiterin. Auch mit dem Reiten verboten Schild in Sichtweite (selbst für einen Maulwurf). Ich frage sie, was sie wohl meint, was das Schild da bedeute, auf dem ein rot durchgestrichenes Pferd zu sehen sei.

Drehen die hier für die versteckte Kamera?

Waldlandschaften

Ich komme in die ersten waldigen Abschnitte. Ich kann mir vorstellen, dass es hier vor ein paar Wochen noch sehr matschig war, die Spuren der Forstmaschinen sind tief, aber steinhart. Es rubbelt wie auf einer Waschbrettstrecke.

im Wald

Die Pflanze des Tages ist der Fingerhut. Ich sehe ihn immer wieder, auch in größeren Ansammlungen. Hier ein schönes dunkles Exemplar:

Fingerhut

Die Landschaft wird nun langsam heidiger – weniger dichte Bäume, dafür viel Erika- und Ginster-Zeug am Boden, ab und zu ein paar kleine Wurzeln auf den Wegen, die Wege werden abschnittsweise etwas sandig, aber gut fahrbar.

Heidetrail

Erste Pause

Inzwischen bin ich etwa 65 Kilometer gefahren – Zeit für eine kleine Pause. Ich verdrücke ein paar gekochte Kartoffeln und zwei Bananen die in der ruckeligen Lenkertasche eine Blitzreifung hingelegt haben. Zum Glück wohnen sie in einer Plastiktüte.

ein Fahrrad

Restavel von der schönen Seite

65km – also gut ein Drittel. Wenn es so weiter geht, dann ist alles gut. In der Tourbeschreibung stand was von vielen auf der Strecke liegenden, zu übertragenden Bäumen, matschigen Strecken und vielen Wurzeln. Entweder sind die ausgetrocknet und weggeräumt oder sie kommen noch…

Der Track kreuzt hier den Naturistenweg – ein Wanderweg für Nackwanderer. Dadurch, dass dies in der Trackbeschreibung stand, bin ich weniger überrascht, als ich auf zwei nackte Wanderer treffe.

Rucksack und Stiefel und sonst nix sieht schon seltsam aus.

Heide wie im Prospekt

Hier beginnt auch das touristische Heidekernland – Wilsede (das mit dem Berg und der Goldkrone) ist der nächste Ort mit Pferdewagen, Ausflugslokalen, allem TamTam und Menschen mit schwer vorhersagbaren Bewegungsmustern.

Ich bin extra an einem Wochentag auf diese Tour gegangen, trotzdem ist einiges los.

Ein Heide-Muss ist der Totengrund, ein Talkessel, in dem am frühen Morgen der Nebel steht:

Totengrund im Sonnenaufgang

Totengrund im Sonnenaufgang (nicht von dieser Tour)

Das ist wirklich spektakulär und es lohnt sich der weite Fußweg, um solche Bilder machen zu können.

Tagsüber sieht es eher so aus, auch schön, aber nicht vergleichbar:

Totengrund

Der Totengrund

Der Track windet sich einmal südlich um den Talkessel herum, und hier taucht er auf, mein Endgegner gegen ein ordentliches Durchschittstempo: Die gemeine Wurzel.

Wurzeliger Heideboden

Wurzeln ruckeln mich in Grund und Boden

Mir fehlt es an Fahrtechnik, um hier mit Tempo fahren zu können. Oder ich habe zuviel Angst, wahrscheinlich beides. Aber ich möchte etwa 70km von zuhause lieber keine Bodenprobe bei einer schnellen Bergabfahrt nehmen.

Am südlichen Ende des Totengrundes treffe ich auf eine ziemlich verzweifelte Gruppe Rentner mit E-Bikes, zwei davon mit Dreirad. Der Weg, den sie von Südosten gekommen sind, war gerade noch so fahrbar für sie, der Herman-Löhns-Weg, der hier in beiden Richtungen hoch und um den Totengrund herumführt, ist unfahrbar mit diesen schweren Dingern, selbst schieben geht im teilweise ziemlich tiefen Sand damit nicht. Wir gucken zusammen auf deren Karte, ich empfehle ihnen, lieber umzukehren und den besser befestigten Weg östlich aussen herum nach Wilsede zu nehmen und kämpfe mich dann den westlichen Teil hoch – auch mit (kurzem) Schieben durch tiefen Sand und fiese Wurzeln.

Wurzelbehandlung

Bis etwa Kilometer 86 mache ich keine Bilder, ich brauche beide Hände, um den Lenker festzuhalten – viele Wurzeln, wirklich viele Wurzeln.

Es geht entlang der gerade gequellten Seeve auf einem schmalen Wanderweg, und hier kommt zu den Wurzeln auch noch der eine oder andere umgefallene Baum dazu.

Manche kann man umfahren oder zumindest umschieben, unter manchen kann man abgesessen durchtauchen, aber über manche muss ich das Rad und mich drüber heben.

Man kann erahnen, wo es weiter geht.

In Handeloh ist ein Edeka, ich kaufe mir Proviant und Getränke nach, um an der ersten schönen Bank hinter dem Ort eine Pause zu machen.

Auch andere Radfahrer machen hier Pause und kaufen nach, allerdings sind alle ausser mir mit Motor unterwegs. Ungläubige Einatemgeräusche beim Blick auf meinen Radcomputer und die bisher gefahrene Strecke.

Riementipp

Protip – für Euch getestet: Wenn man Rhabarbersaft und Wasser mit Restsprudel in Fahrradflaschen füllt und dann damit weiter ruckelt, entsteht durch das Geruckel Überdruck und läuft als etwas Schaum mit Zucker am Rahmen runter und tropft vom Tretlager auf den Riemen, was sehr ulkige – und bis ich raushatte, was es ist – unangenehme Quietschgeräusche am Riemen erzeugt.

Im Büsenbachtal

Bei Kilometer 96 komme ich aus einem Waldstück auf einen sehr sandigen Weg mit dem Blick in ein Tal – ich denke sofort – äh, das kennste doch, sieht aus wie das Büsenbachtal. Es stellt sich heraus – das isses auch 🙂

Der Track führt hinab ins Tal zum Büsenbach. Das Tolle für mich am Büsenbachtal ist, dass man dort Dröhnen darf – der Totengrund und auch die meisten anderen Heideflächen sind alle Naturschutzgebiet.

Die zuständigen haben hier seit meinem letzen Besuch zwei Brücken neu gemacht und den Morast satt mit Hackschnitzeln und Rindenmulch abgestreut – sehr schön.

Am Büsenbach

Hackschnitzel am Büsenbach

Seerosen

Seerosen und Zeug

Der Track folgt nun für eine längere Strecke der Este. Der Wanderweg ist schmal, verwurzelt und mit umgefallenen Bäumen versehen. Das mindert die Anzahl der Fotos leider ziemlich.

Ab und zu gibt es offenere Abschnitte.

Am Maisfeld entlang

Hier noch mal eine exemplarische Verbaumung.  Bäume sind ja auch ganz schön doof, nur so flache Wurzeln auszubilden. Das haben sie jetzt davon.

Umgestürzte Bäume

Die allermeisten umgestürzten Bäume sehen übrigens nicht so aus, als wären sie in diesem Frühjahr umgekippt. Entweder hat der zuständige Forst sehr wenig Resourcen, oder die finden es nicht so schlimm, dass die Strecke wirklich nur für Wanderer geeignet it. Ab und zu – wie in dem Bild oben – muss ich ganz schöne Umwege schieben, die allerdings auch schon gut ausgetrampelt sind, so als wäre das nicht erst eine Vegetationsperiode so.

Swans crossing!

Schwäne auf dem Weg

Eine auf dem (einzigen) Weg campende Schwanenfamilie

Mit der Schwanenfamilie an der Appelbeke bin ich in zähe und lange Verhandlungen gegangen, weil es keine wirkliche Alternative gab. Abgestiegen, dichter ran – immer schön das Rad zwischen mir und Frau Schwan – gewartet, bis sie ihre leicht ausgestellten Flügel wieder eingeklappt hat, noch etwas dichter ran, gewartet, die jungen Schwäne sind dann laaangsam ins Wasser, noch dichter ran – Gezische und Gefauche – Flügel raus – gewartet – naja und so weiter, bis endlich alle genug Platz gemacht haben, damit ich da durch konnte – zum Ende kam Herr Schwan auch noch dazu und hat rumgemackert.

Ganz schön aufregend, diese Natur.

Und dann hab ich den nächsten Abzweig nicht gefunden. Stellt sich raus, das hier ist der Abzweig direkt an einer kleinen Brücke:

Matschpfad

Zum Glück haben gute Menschen ein paar Gehwegplatten und Holz in den Morast gelegt – trotzdem hatte ich ordentlich Schmodder an den Schuhen und den Rädern. Mal wieder: Schutzbleche sind schon irgendwie geil.

Fischbeker Heide

Ab Kilometer 138 taucht der Track in den Wald der südlichen Fischbeker Heide ein, das ganze Gelände war bis 2005 ein Truppenübungsplatz für Panzergrenadiere. Ausserdem kann man sich hier noch ein paar Höhenmeter einfangen und die Ecke ist sehr beliebt bei Mountainbikern, entsprechend gibt es einige Trails.

Ich bin schon ganz schön durchgeruckelt und dadurch müde und unkonzentriert und leicht gepestet von den immer wieder sehr wurzeligen Trails, die ich als MTB- und nicht als Gravel-Trails einstufe. Irgendwann biege ich falsch ab, weil irgendwas blau markiert ist.

Ok, so steil, da fahr ich nicht runter. Kann eigentlich nicht sein, aber blaue Markierung. Also schleife ich das Rad mit zwei angezogenen Bremsen vorsichtig den Berg runter. Das kann wirklich nicht sein. Ich zoome raus – und es ist wirklich nicht so. Super geil, das alles wieder hoch? Never. 🙁

Zum Glück kommt da gleich die Panzerringstrasse, da muss ich mich zwar auch hochasten, aber da kann ich wenigstens Strasse fahren und mich schön sachte im Omagang hochkurbeln. Dann klappts auch wieder mit dem Track.

Naja, ich bin froh, als das vorbei ist und der nächste Teil erstmal asphaltiert ist. In Neu Wulmsdorf gibt es einen Rewe mit Fahrradstation(!) und Luftpumpe(!) – ich kaufe mir ne Cola und einen Erdbär-Buttermilchdrink.

Für Euch getestet: 500ml Erdbär-Buttermilchdrink in einem Zug getrunken macht, dass es im Magen sofort auskäst. Jedenfalls fühlt es sich komisch an. Nach kurzer Fühl- und Bedenkzeit kippe ich noch Cola drauf – nimm das, Käseberg!

Der Rest vom Fest

Ich bin dankbar, dass es ab jetzt wurzelfrei sein wird – den Rest der Strecke kenne ich gut. Und es ist nun auch wieder möglich, zu ballern, nicht mehr 17km/h Durchschnittstempo, sondern mit ordentlich Zug auf der Kette (wie man so zu sagen pflegt, ich meine Riemen) durch Apfelplantagen, auf Deichen und anderen gut fahrbaren Wegen nach Finkenwerder und Hamburger Industriegebiet Richtung zuhause – aber erst – hallo S-Bahn.

Und noch eine in der anderen Richtung.
Und dann noch der Metronom…

Apfelplantage

Apfelbäume mit Sonnenschirm

Der Weg durchs südliche Finkenwerder ist wie immer wunderschön, dörflich. Etwas später und weniger dörflich, auf der 8? spurigen Finkenwerder Strasse am Finkenwerder Ring ist eine Sperrung/Umleitung für den wahrscheinlich wirklich 8-spurigen Autoverkehr und es sind alle Ampeln aus. Ein paar eher missmutige Verkehrshörnchen versuchen halbherzig das entstehende Chaos zu organiseren. Fürs Rad leider geil, so schnell bin ich noch nie durch diese für Radfahrer besonders hirntoten Ampelschaltungen gekommen.

Noch ein kurzer Schwenk um die Kirche von Altenwerder, über meinen Dröhnenübungsplatz mit angeschlossenem Containerterminal

etwas Deich und ab nach Hause!

Insgesamt war ich 13 Stunden unterwegs, in Bewegung war ich davon etwas mehr als 10 Stunden, als fast drei Stunden irgendwo rumgegammelt!

Es war richtig geil, zum Ende noch mal ordentlich zu treten und nicht mehr so auf den Untergrund achten zu müssen.

Ich glaube, ich bin eher so der Fein-Graveler, nicht so sehr der Fast-MTB-Graveler 🙂

Trotz meinem Gejammere – ein super toller Track. Viele neue Querverbindungen, genug Möglichkeiten zur Versorgung unterwegs, mir hat es richtig Spaß gemacht – Danke, Kathi Sigmund für die enorme Arbeit, 180km zu scouten und dann noch größere Veränderungen im Blick zu behalten.

Das war sicher nicht der letzte Orbit360 in 2022, den ich gefahren bin.

Übrigens, Graveln ist offiziell Vollkontaktsport:

dreckige Beine

180km stecken in den Beinen 🙂

Statistik:

Die Tour bei Komoot:

Die Tour bei Veloviewer:

Veloviewer
Die Tour als Video:

Rømø Strand – Autoland

In Rømø kann man auf die meisten der Nordsee zugewandten Strände mit dem Auto fahren.

Viele sagen: Muss man auch, weil das von den Dünen aus noch ein paar Kilometer weiter geht, bis endlich Wasser kommt. 🙂

Abendsonne mit Stau am Strand

Nachts, vor allem am Wochenende sind da dann irgendwelche Dudes damit beschäftigt, Donuts in den Sand zu brennen.

Kein großes Ding, selbst wenn der Sand gewinnt und keiner der Kumpels den eingegrabenen freischleppen kann – der 14jährige Bengel vom Bauern kommt dann mit dem großen Schlepper von Papa und zieht die sichere Beute gegen ein geringes Trinkgeld zurück auf festen Sand oder Asphalt.

Es war erst nur ein komisches Gefühl irgendwo hinten im Kopf, aber es hat sich bei uns beiden verdichtet: Die Insel Rømø ist leider nicht ideal für die Art, wie wir Urlaub machen.

Es gibt generell im Vergleich zu unseren bisherigen Ferienhaus-Urlauben nicht viele Fußwege, weder in der Natur, noch im besiedelten Bereich. Die Ferienhaussiedlungen (nicht nur unsere) auf Rømø sind in der Knüste und dort jeweils für sich, entsprechend sind Superbrugsen und Bageri ziemlich weit entfernt, zumindest, wenn man fürs Frühstück mal eben Brötchen holen möchte, müsste man schon ins Auto steigen.

Gleichzeitig sind die Ferienhaussiedlungen so angelegt, dass man nicht einfach durch brettern kann, sondern meist in einem Ring, von dem geschotterte Stichstrassen abgehen von denen geschotterte Stichstrassen abgehen. Das ist aus Verkehrsberuhigungssicht eine total gute Idee, aber leider gibt es selbst für Fussgänger und Radfahrer keine alternativen Wege:

(c) https://www.openstreetmap.org/copyright

D.h., von unserem Haus (grüne Markierung) zum Strand (im Westen) kann man entweder den Weg durch die Siedlung und dann durch die Heide gehen (gelbe Strecke – es ist ein sehr schöner Weg, aber etwas indirekt und dadurch 4km pro Richtung), oder man latscht die Landstrasse ohne Randstreifen entlang, auf der eben wie auf Landstrassen üblich 80++ km/h gefahren wird – einmal hab ich das im Dunklen gemacht.

Für ein dickes Eis ist es schon ganz ok, zur Verdauung noch mal 4km zurück zu gehen, aber nach dem dritten Mal ohne mögliche Variation wird es etwas mühsam und man kennt dann auch jeden Stein am Weg.

Viele Alternativen gibt es nicht, nicht nur in diesem Beispiel.

Also Fahrrad? Unser Ferienhaus hatte keine und wir konnten durch Mietwagen ohne Dachgepäckträger-Möglichkeit auch keine mitbringen – aber es gibt auch einen Fahrradverleih, allerdings ist dieser 11km weit weg, und der Weg dorthin geht nicht schön durch die Landschaft, sondern entlang der Bundesstrasse nach Havneby. Abgesehen davon sind die meisten Wege (abseits der Bundesstrasse) unbefestigt – sandig oder grob geschottert. Beides ist zum Radfahren nicht so richtig toll.

Also dann doch oft Auto. Ich fahr gar nicht so gerne Auto, vor allem nicht, wenn es sich um Kurzstrecken handelt – also mal eben für ein Eis und einen Strandblick oder etwas fürs Abendessen nachkaufen.

Bewegungsheatmap – heller: Öfter genutzt, langsamer bewegt.

Rømø ist als Urlaubsziel vor allem für Strandsegler richtig geil – es gibt endlose, flache, befahrbare Strände, und im Gegensatz zu St. Peter Ording braucht man keine Lizenz oder Vereinsmitgliedschaft.

Und Strandsegler bringen ihr Rig eh mit dem Anhänger oder am Bulli an den Strand und fahren abends zur Base (Ferienhaus oder Campingplatz) zurück, da kann man auch eben noch beim Superbrugsen zwischenstoppen.

Bitte nicht falsch verstehen – Rømø ist ne schöne Insel, wir konnten auf Rømø auch schön spazieren gehen, und es fühlt sich sehr dänisch an, aber wir hatten durch das Hin- und Hergehen nicht so richtig das sonst allgegenwärtige Entdeckergefühl.

Rømø – Landestypisches Essen

Am zentralen Strandzugang (der Einfachheit halber kann man mit seinem Auto einfach direkt auf den Strand fahren) in Lakolk gibt es auch eine Fress- und Shop-Meile.

Hier wird das nötige und unnötige Strandzubehör feilgeboten – Schaufeln und Förmchen, Drachen, Bälle, Kite-Zubehör, Wetterjacken, Mitbringsel.

Das Kinder-Strandzubehör verstehe ich nicht, denn der Strand ist nicht so richtig familientauglich. Das Meer ist echt weit weg, und es fahren wind- und motorgetriebene Vehikel mit hohen Geschwindigkeiten herum. Eventuell ist das auf der Ostseite der Insel besser, aber nach meinem Verständnis ist dort vor allem Watt.

Es gibt hier auch einen Hupermarkt, hinter der Fressmeile ist ein großer Campingplatz, auf dem viele der Kiter ihre Base haben.

Kiteing

Ich hab das auch mal mitgemacht, allerdings zu einer windgarantierenden Jahreszeit.

Neben Strand- und Urlaubsbedarf gibts auch Fressbedarf zum unmittelbaren Verzehr.

Eine kleine Portion Eis sieht z.B. so aus:

Das sind nur zwei der möglichen vier Kugeln, ohne Guf (eine leicht erdbeerige, warme Zucker/Marshmallowmasse).

Es gibt unvorsichtige Menschen, die hier direkt auf die Langdistanz gehen und vier Kugeln mit alles und Guf und Sahne bestellen und dann vor einem ziemlichen Problem stehen. Es ist einfach wahnsinnig viel Eis und Zucker und wenn man sich zuviel Zeit läßt, dann schmilzt es durch die (selbstgebackene) Waffel hindurch.

Es gibt auch Softeis, das, was man in Deutschland normalerweise als großes Softeis bekommt, ist hier die Kinderportion. Und es ist etwas weniger soft, damit man überhaupt ne Chance hat, es zu essen, bevor es komplett schmilzt.

ein mittleres Softeis mit Salzlakritz

Das gute an Softeis sind die Toppings, in denen das Softeis vor dem Verzehr gewälzt wird. Es gibt auch abwegiges wie salziges Lakritz. Allerdings keinen Heringsdip. Die Dänen sind Wikinger, aber keine Barbaren.

Mag man es lieber salzig, gibt es Pølser (also Hotdogs), gegrillte Sandwiches, Pommes oder auch Fish&Chips. Die Mengen sind auch mehr als ausreichend.

Gabel als Maßstab

Besonders beeindruckt hat mich das Waffeleisen-Karussell, mit dem die Waffeln für da Eis gebacken werden. Leider habe ich kein gutes Foto davon, die Scheiben haben zu stark gespiegelt.

An Wochenenden steppt hier der Bär, in der Woche geht es zumindest im April ruhig zu. Wir haben das extra für Euch mehrfach getestet.

An den Spezialitäten am eigenen Tisch im Ferienhaus arbeiten wir noch, wir sind z.B. gerade dabei, unterschiedliche Sorten Curryfisch (das Bild ist allerdings von einer ähnlichen Prozedur 2017) durchzuprobieren.

Nachtrag: Leider haben wir es durch Urlaubsegalität nicht geschafft, diesen Beitrag direkt von der Heringstestfront zu schicken, sondern erst von zuhause, deswegen stimmt oben das Präsenz nicht ganz, aber ihr wisst schon.

Voll au(f|s) dem Schlauch

Ich dachte, ich probiere mal was neues, letztlich hab ich mein Rad auf schlauchlos umgestellt.

Geschlaucht

Das Rad hat(te) bei Lieferung traditionelle Schläuche in den Laufrädern. Also Butylschläuche, die schwarz-grauen gummiartigen, in Talkum gebetteten, schweren Dinger.

Es gibt seit einiger Zeit auch Schläuche aus Plastik (thermoplastische Elastomere bzw. Polyurethan), Markennamen z.B. Aerothan oder Tubolito. Diese ‚Schläuche‘ sind nach Tests genau so pannensicher wie klassische Schläuche, dafür aber viel leichter (60g gegenüber 160g – mal drei, zwei eingebaute, einen Reserve) und sie nehmen auch deutlich weniger Platz weg, das ist für mich wichtig, weil ich immer mit einem Ersatzschlauch rumfahre.

Also hab ich mir so ein Set gegönnungt (sie sind sehr teuer, nen Butylschlauch kostet etwa 7 Euro, ein Tubolito 25 Euro), und dazu noch passendes Flickzeug.

Die Montage fand ich schwierig, die sehr dünnen Schläuche neigen dazu, sich zwischen Felge und Mantel einzuklemmen, auch wenn man sie leicht aufpumpt (zu sehr aufpumpen darf man sie ohne schützenden Mantel nicht). Es mag sein, dass das meine Kombi Reifen/Felge besonders eng ist, um die zweite Flanke des Reifens komplett auf die Felge zu bekommen, brauche ich wirklich drei Reifenheber, muss den Schlauch wieder entlüften und den Reifen komplett in die Mitte der Felge drücken, um ihn gegenüber über den Rand zu bekommen, da ist ein sehr dünner Schlauch, der immer wieder ins Sichtfeld gerät (er ist knallorange, das ist mal ein Vorteil), ein Problem.

Störend finde ich auch, dass man keine Mutter über den Ventilschaft drehen kann, um das Ventilloch etwas abzudichten und das Ventil im Loch zu halten, und dass die Ventilschäfte knallorange sind – was ich aber aus Marketinggründen verstehen kann.

Sticht schon ins Auge, der Ventilschaft

Ich bekomme meine Mäntel unabhängig vom verwendeten Schlauch auch nur mit über 5bar in die Position auf die Felge, in die sie müssen – hinterher lasse ich die Luft dann wieder ab.

Leider haben sich die Plastikdinger für mich überhaupt nicht bewährt, seit dem Wechsel hatte ich in unter 600km vier Platten, davon drei an einem Tag.

Der erste (nach 210km Nutzung) war wahrscheinlich eine Folge falscher Montage/Einklemmens, erstens hab ich an der Stelle keinen Durchstich im Mantel gefunden und zweitens war das Loch schon ziemlich an der Flanke und nicht mitten in der Lauffläche.

Dann am Ostermontag gleich drei hintereinander, da hilft dann auch der Ersatzschlauch nicht so richtig weiter. Ich habe nur einmal was im Mantel gefunden, aber alle Löcher waren an (unterschiedlichen) Stellen der Lauffläche zugewandt.

Das richtig beschissene: Das passende Flickenset braucht 30 Minuten(!) zum Trocknen. Man muss also beim ersten Plattfuss nach dem Wechseln des Schlauches gegen den Ersatzschlauch den kaputten direkt flicken, sonst macht man gleich ne längere Pause. Zum Glück war hier tolles Wetter, bei Kälte oder Regen hätte ich im Strahl mit Brocken gekotzt.

Der Riss ist nur in dem Boppel, geht nicht in den eigentlichen Mantel rein, innen fühlt und sieht man gar nix.

Und durch das bei meinen Felgen notwendige Gewürge beim Reifen wieder montieren und dann das Aufpumpen auf Maximaldruck, um den Reifen an die richtige Stelle der Felge zu bekommen, ist das echt anstrengend, obwohl meine Unterwegspumpe ne Standpumpe und nicht so eine Fitzelpumpe oder CO2-Kartusche ist. Haha! Kartusche ist bestimmt schon beim zweiten Plattfuss toll!

Naja, das reicht mir dann erstmal als Erfahrung. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Mäntel schon so weit runter sind, dass mir das auch mit Butylschläuchen passieren würde, abgesehen davon war keiner der Platten ein Schleicher, sondern immer ein sehr schneller Druckverlust innerhalb vielleicht 10 bis 15 Sekunden, auch nicht schön, wenn man gerade bergab orgelt.

Schlauchlos

Die Felgen und Mäntel an meinem Rad können allerdings auch schlauchlos betrieben werden – so wie beim Auto schon ewig üblich. Die Mäntel sitzen so eng auf der Felge, dass die Verbindung luftdicht wird, wenn man das richtig anstellt.

Schlauchlos ist seit ein paar Jahren der geile Scheiss und schwappt aus der Mountainbikewelt übers Allroad/Graveln sogar bis in die konservative Rennradwelt herüber, weil man neben höherer Pannensicherheit und geringerem Gewicht auch mehr Komfort bekommen kann.

Ein paar vor 30 Jahren in Granit gemeisselte Grundannahmen über Fahrradreifen, deren Aufstandsfläche, Breite, Walkverhalten, hohen Druck für leichtes Abrollen und so weiter haben sich nebenbei als falsch herausgestellt.

Inzwischen sagen das nicht nur ein paar Spinner, die nebenbei eher teure Reifen verkaufen, sondern ist allgemein gültig: Ein niedriger Luftdruck macht Dich nicht langsamer, ein höherer vor allem nicht schneller, aber schneller müde. Das gleiche gilt auch für breitere Reifen – diese sind nicht generell langsamer als schmale. Durch das ständige harte, quasi ungefederte Ruckeln über jede Unebenheit sorgen schmale, hart aufgepumpte Reifen für starke Komforteinbußen und damit auch für schnellere Ermüdung.

Ein tolles Buch dazu: Ein Rad für Alles, Rene Herse.

Besonders abseits von super glatten Asphaltstrassen macht sich das bemerkbar, man fährt inzwischen eher niedrigere Drücke und breitere Reifen als noch vor 10 Jahren, ich z.B. bisher so 2,75bar bei 40mm Reifenbreite, nicht 12bar auf 23mm.

Mit einem Schlauchlos-System kann man noch mal geringere Drücke fahren, weil die Gefahr, bei Durchschlägen den Schlauch zwischen Mantel und Felge zu beschädigen (snakebites), wegfällt. Das ist besonders im schweren Gelände wichtig, weil es mehr Traktion gibt, aber nicht so sehr bei meiner Fahrweise. Ich fahre zwar gerne auf ungeteertem Untergrund, aber eben trotzdem meist auf Wegen.

Schlauchlos fahren hat allerdings auch Nachteile:

  • Die Dichtigkeit wird durch Dichtmilch (etwa zwei Schnapsgläser pro Laufrad) unterstützt, muss man eine Reifen/Felge-Kombi öffnen, geht das nicht ohne Sauerei ab
  • Die Erstmontage benötigt oft mehr Luftdruck, als eine normale Standpumpe liefern kann. Das, was bei mir der Schlauch unter sehr hohem Druck schafft, und zwar den Mantel in die richtige Position auf der Felge zu drücken, muss durch einen kurzen, aber kräftigen Luftstoss bewältigt werden, ohne das ein Schlauch die ausgestossene Luft auffängt. Im Feld bekommt man das nicht hin, da hilft, wenn man den Reifen erstmal von der Felge gezogen hat, nur noch einen Ersatzschlauch einzuziehen und den Reifen damit wieder in Position zu bekommen.
  • Die Dichtmilch muss regelmäßig ergänzt/erneuert werden, weil sie langsam aushärtet

Diese Argumente haben mich bisher davon abgehalten, das auszuprobieren.  Aber nu hab ich die Faxen dicke, und will sehen und mich da noch mal reingelesen (z.B. beim Radelmädchen oder beim Velonerd) und dann hab mir noch am Ostermontagabend eine Pumpe mit einem Booster (Druckluftbehälter zur Schnellentleerung), entsprechende Ventile, Dichtmilch und ein Reparaturset bestellt.

Die Dichtmilch hat nicht nur die Funktion, das bestehende ‚Gefäss‘ aus Reifen und Felge abzudichten, sondern vor allem neue Löcher direkt im Entstehen zu verschliessen. Das funktioniert angeblich so gut, dass man kleinere Löcher gar nicht direkt bemerkt – höchstens, weil ein weisser Fleck an der Lauffläche auftaucht.

Größere, sich nicht selbstabdichtende (ab so 3 mm) Löcher werden von aussen geflickt, ähnlich wie bei Autoreifen. Dazu wird eine klebrige Gummiwurst in das Loch gestopft, eventuell etwas Dichtmilch aufgefüllt und wieder aufgepumpt.

Wenn das nicht reicht, dann hilft es nur noch das Loch von innen abzudecken und einen Schlauch einzuziehen. Dafür dann wieder einen Tubolito im Gepäck zu haben, ist wegen des geringen verbrauchten Platzes sehr verlockend, die nervige Montage bleibt – also eher nicht, Tim.

Umbau

Heute (Freitag) sind alle bestellten Teile angekommen.

Also – Rad auf den Kopf (ich hab nen Montageständer, aber zum Rausnehmen der Laufräder finde ich es praktischer das Rad auf den Kopf zu stellen), Läufräder raus, Luft raus, Mantel vom Felgensitz in die Mitte drücken, eine Seite über das Felgenhorn würgen, Schlauch raus.

Begutachtung des vorhandenen Felgenbands. Sieht eigentlich gut aus, das sollte luftdicht sein. Also mal so ein Schlauchlosventil in die Felge gepopelt, Mantel wieder zu.

Dann die neue Boosterpumpe aufpumpen – das ist eine Standpumpe mit einem eigenen Tank. Man kann diesen Tank wie einen Reifen aufpumpen und dann den Druck auf einen Schlag ablassen.

Die eigentliche Pumpe ist unter dem Griff, das Manometer sitzt auf dem Zusatztank

Teuer, aber auch geil. Es gibt sowas aber auch als Selbstbauprojekt oder einfach als separaten Tank, da berichten aber viele, dass dann der Tank und die daran angeschlossene Pumpe durch Kopflastigkeit ständig umkippen und durch die Gegend kollern. Ausserdem haben wir ab jetzt zwei Standpumpen und müssen die bisherige Standpumpe nicht mehr ständig vom Keller (wo die anderen Räder stehen) und der Wohnung (Werkstatt) hin und her schleppen.

Schlauch an das Ventil anschliessen, und mal 8bar schlagartig in den Reifen lassen. Das ist ein tolles Geräusch – der Reifen springt geradezu in seinen Sitz, es knackt ein paar Mal – fertig. 8bar sind auch gar nicht nötig, wie sich bei weiteren Versuchen zeigt, 5bar sind auch ok.

Und irgendwo entweicht Luft. Das kommt doch aus den Speichenlöchern…
Nicht aus allen, aber aus ein paar.

Ok, Mantel noch mal runter, und doch das vorhandene Felgenband überkleben (jetzt weiß ich auch die richtige Breite für die nächste Bestellung Felgenband, dann kann ich auch das da drunter vorher rausreissen).

Um das richtige Felgenband toben in den Bewertungsspalten der Versender Glaubenskriege, die an Editorwars erinnern. Und Bohle (Handelsname Schwalbe) ist eh der TEUFEL!!!!1

Also alles so wie immer, ich hab ja auch meine Lieblingshersteller 🙂

Mantel wieder drauf friemeln, und noch mal. Flump – peng – knack. Und kein Zisch mehr.

Yay. Das war ja einfach. Ich dachte, ich muss das ewig probieren und rausfinden, wie es wirklich geht.

Ok, Luft wieder raus, Ventileinsatz mit einem Spezialschlüssel rausdrehen, Dichtmilch durchschütteln und dann 60ml davon in den Reifen kippen.

Der Spezialschlüssel ist so speziell, dass ich davon jetzt 6 Stück habe. Bei der Dichtmilch, bei den Ventilen und bei der Boosterpumpe waren welche dabei, einen hab ich so bestellt (Idiot, ich), zwei weitere unterschiedliche hatte ich in der Luft/Schlauch/Ventil-haben-ist-besser-als-brauchen-Fummeltüte rumliegen ohne genau zu wissen, wie spezial der eigentlich ist.

Ventileinsatz wieder rein drehen, normal aufpumpen, Laufrad etwas drehen, über dem Kopf hin- und her schwenken (man findet Foreneinträge, in denen frisch bemilchte Läufräder noch rituell 30 Minuten auf die Seite gelegt werden), dingsda – Laufrad wieder einbauen.

Dann das gleiche noch mal mit dem zweiten Laufrad. Insgesamt hab ich ne gute  Stunde gebraucht – dann aufräumen:

Und dann noch die Dichtmilch durch eine rituelle Kurz-Fahrt durch die nähere Umgebung schön in den Laufrädern verteilen.

Ich muss jetzt noch mein Pannenset umstellen.

Neben dem oben beschriebenen Wurst-Ins-Loch-Friemelset hab ich dann wieder nen Butyl-Schlauch für richtig schlimme Fälle, Flicken dafür, einen Flicken für den Mantel von innen (wenn man den Schlauch einziehen muss, weil die Würste es nicht bringen, guckt ja auch schnell der Schlauch aus dem Mantel, oder?) und eventuell auch etwas Dichtmilch in der Satteltasche.

Wie ist das eigentlich, wenn man wirklich nen Schlauch braucht? Muss man dann erst stundenlang alte, längst verheilte Durchstiche in der Decke auf Splitterreste untersuchen und die dann rauspolken? Sonst ist der Schlauch ja auch gleich wieder hin?

Und ich muss mal rumhören, ob es nötig ist, Dichtmilch durch die Gegend zu fahren – wenn Ihr das wißt, oder auch nur ne unfundierte Meinung dazu habt: Schreibt es gerne in die Kommentare – und überhaupt – lasst Euer reichhaltiges Wissen gerne hier!

Aja, zumindest die Dichtmilch von Schwalbe (Doc Blue), die von Stans hergestellt wird, stinkt nicht schlimm nach Amoniak.

Update vom 11.05.2022

Die Spaßvögel von Enjoyyourbike haben sich mit de Thema Schlauchlos beschäftigt. Sie zeigen alle wesentlichen der Montagepunkte und sie testen auf selbst gegossenen Nagelbrettern. Etwas lang, trotzdem sehenswert.  Großer Test: WTB TCS 2.0 Tubeless Tire Sealant Reifen-Dichtmittel / Pannensicherheit & Installation.

 

März 2022

Es ist seit 5 Wochen Krieg in der Ukraine.

Rad mäßig bin ich wieder deutlich mehr gefahren als im Februar (nur lächerliche 200km).

Schaltzugdings

Nachdem mir auch der zweite Schaltzug nach 2600km (der erste nach 2000) 5mm hinter der Bommel im Griff gerissen ist, hab ich Kontakt mit dem Hersteller der Rohbox Schaltbox aufgenommen, um rauszufinden, ob da irgendwas systematisch falsch ist, was zu hohe Schaltkräfte verursacht oder sonstwie die Züge unüblich belastet.

Orginalbild von http://www.gebla.de/Rohbox/Rohbox-All-Inclusive.html#4.

Im Gegensatz zu einem Kettenschaltungschaltzug stehen die Züge bei einer Rohloff nicht unter Spannung, nur wenn geschaltet wird, wird Zug ausgeübt. Das ist schon mal gut, weil man damit auch einen beliebigen Gang von Hand einlegen kann, der auch drin bleibt und dann eben single speeded nach Hause oder zur nächsten Werkstatt fahren kann (nen Ersatzzug hab ich im Werkzeug, allerdings braucht man einen guten Seitenschneider, um den Zug nach der Montage zu kürzen).

Tatsächlich war die Montage griffseitig nicht ganz wie vom Hersteller vorgesehen, Herr Blaschke hat mir die vorgesehenen Teile ohne Rechnung geschickt – total nett. Nach der Neumontage (bei der ich auch gleich schlimm teure Superduper-Weltraum-Sexlube-Schaltzüge verwendet habe) und Feineinstellung entsprechend Webseite nun mit deutlich spürbar weniger Schaltdruck als von Rennstahl ursprünglich eingestellt, hoffe ich, das diese nun deutlich länger halten.  Ich frage mich, warum Rennstahl die Box nicht entsprechend der Herstellerangaben montiert hat.

RideFAR #1 – 90km

Im März fand RideFAR for a reason Challenge der Orbit360 Crew statt. Ich hatte mir schon länger vorgenommen, mindestens die sogenannte Sprintstrecke (90km) zu fahren.

Das hab ich dann auch gemacht und eine schöne Runde durch die Seeveniederung zum Sperrwerk Geesthacht und über die Vier- und Marschlande zurück gedreht.

rideFAR 90km – mein Lieblingsbelag

Das Wetter war toll, und die ersten Blüten kamen auch raus:

Ausserdem gabs ein Eis von einem fahrenden Eismann.

Besonders in den Vier- und Marschlanden war ein Haufen Rennradfahrer unterwegs.

Die Tour bei Komoot:

Oder als Video:

 

 

RideFAR #2 – 180km

Tatsächlich macht es mir inzwischen keine große Mühe mehr, 90km mal eben zu fahren, da muss ich keine großen Essens-Pausen machen, sondern rolle mal abgesehen von Lust-Eis und ein paar Fotohalten durch.
Also keine so richtige Herausforderung 🙂

Deswegen hab ich mich entschlossen, auch die mittlere Distanz (180km) anzugehen.

Wieder in die gleiche Richtung, aber weiter – und ich wollte diesmal zuerst auf der Nordseite der Elbe durch Schleswig-Holstein und Meckpom und dann auf den Rückweg durch Niedersachsen fahren.

Das war dann schon anstrengend, mit Pausen und allem war ich 12h unterwegs.

Um im Tageslicht wieder zurück zu sein, bin ich früh los – ganz schön neblig. Und schön war es auch mit dem Nebel.

Die Planung der Strecke hatte ein paar Schwächen, zum Beispiel bin ich noch in Hamburg durch ein relativ unzugängliches und fast unfahrbares Gebiet ge-schoben/krochen/fahren. Da muss ich auf OSM die Wegbeschreibung korrigieren…

In den Vier- und Marschlanden…

Ein Teil der Strecke zwischen Krümel und Lauenburg war ein 50cm breiter Pfad entlang an einem ziemlich steilen Abhang. Beim Wiederaufsteigen nach dem Stoppen/Ausweichen für eine Gruppe Wanderer bin ich mit dem Rad den Abhang runtergekippt. Nicht schlimm und auch nicht weit, aber dabei ist mir die Kamera aus meiner nach oben offenen Kameratasche gefallen und den Berg runter gepurzelt. Zum Glück haben die Wanderer das beobachtet und konnten mich von oben einigermaßen dirigieren, so dass ich die Kamera schnell wieder gefunden habe – puh!

Und sandig war es teilweise auch 🙂

Schönes Fachwerk und gut fahrbares Kopfsteinpflaster in Boizenburg.

Die gefürchtete Lochplatte auf einem ehemaligen Grenzkolonnenweg. Diese Platten sind sehr doof zu befahren – ausser man hat Reifen, die breiter als die Löcher sind – also fette 2,6 Zoll breite Mountainbike-Reifen, und nicht so kümmerliche 40mm wie ich sie fahre 🙂 .

Es gibt ganze Elegien zu der Art, wie man am besten auf diesen Platten fährt. Besonders die GST – die Grenzsteintrophy – eine Tour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze von Tschechien bis zur Ostsee – ist voller Geschichten zur Lochplatte und wie sie Flaschenhalterungen, Gepäckhalterungen und Träume vom Rad und Reiter abvribiert.

Ein Teil der ehemaligen Grenzanlagen.

Die Fähre von Darchau nach Neu-Darchau brachte mich von Meckpom nach Niedersachsen, der Rückweg begann.

Das machte sich erstmal durch doch deutlich spürbaren Gegenwind bemerkbar – war ich auf dem Hinweg nur so dahin geflogen, musste ich nun ganz schön reintreten.

Dafür kam die Sonne wieder raus.

Ein ganz kurzer Fotostopp am Schiffshebewerk Scharnebek. Ein Traum in Beton.

Den größten Teil der Tour war ich auf unbefestigten Wegen unterwegs – oder auf Wegen mit uraltem Asphalt, Platten oder gemischten Oberflächen –  die für den Autoverkehr gesperrt waren. Oder auf feinstem Asphalt, aber für Autos gesperrt (auf den Deichen z.B.).

Unbefestigt ist oft rumpelig, sandig und mit mehr Kraftaufwand (nicht nur in den Beinen) zu befahren, aber es ist so viel schöner, dass es sich wirklich lohnt.

Das letzte Stück ist immer das schlimmste – ich war nun doch schon ziemlich auf und wollte fertig werden, gleichzeitig nahm der normale Alltagsverkehr wieder zu, weil ich wieder in Hamburg angekommen auf normalen Strassen und/oder durch Parks mit vielen Menschen mit schwer vorhersagbaren Bewegungsvektoren gefahren bin.

Die Tour bei Komoot:

Oder als Video:

 

Auf die 180km in unter 10h Fahrzeit bin ich ziemlich stolz, und wider Erwarten hat mir auch am nächsten Tag nix weh getan.

Natürlich sind ungefähr 1.000.000 Leute in beiden Wertungen schneller als ich gefahren. Aaaber die sind bestimmt alle road gefahren (90km in 2:19 – keine Fragen, Euer Ehren. Er hat sein Ziel, nen 40iger Schnitt zu fahren, verfehlt!) und dazu im Schnitt 20 Jahre jünger 🙂

Für die lange (360km) Distanz ist mein Ego nicht groß genug.

Jetzt müßte ich mal anfangen, ähnliches mit etwas Übernachtungsgepäck ein paar Tage lang hintereinander zu machen, um zu sehen, ob der Hintern das auf Dauer ab kann und ob ich genug Kalorien nachgeschoben bekomme, um das länger durchzuhalten.

März insgesamt

Insgesamt bin ich mit dem muskelbetriebenen Rad 560km gefahren, die Heatmap für den März 2022 hat einen deutlichen Ausschlag nach Südosten.

 

Max Squares mitten auf der Elbe?

In GPS-Spielchen reloaded hab ich behauptet, dass ein paar Kacheln nicht mit dem Rad erreichbar sind, und zwar z.B. diese beiden hier.

Mit dem Rad nicht erreichbar

Das hab ich mal genauer geprüft, diese befinden sich auf der Elbe bzw. auf dem Gelände von Airbus (Airfield, Hochsicherheitsblablabla).

Die linke Kachel bekommt man aber mit der Fähre von Cranz nach Blankenese, zumindest wenn man die richtige Tide hat (sonst fährt die Fähre einfach nach Finkenwerder… (ok, das wäre ja auch ne Option, mal für später aufheben, den Gedanken)).

Die Fähre fährt ab 13:00 wochentags alle Stunde, wenn genug Wasser da ist:

Fähr-Fahrplan Cranz – Blankenese

Am 30.12. wäre grob gegen 13:00 Uhr Hochwasser (der Pegel St. Pauli ist weiter elbauf, das ist aber egal, ab halber Tide ist genug Wasser da).

Tidenkalender für Dezember 2021

Damit wäre die linke Kachel möglich.

Bei genauerem Betrachten der anderen Kachel fällt auf, dass sie fast an die Mole des Jollenhafen Mühlenbergs heranreicht.

Verwendet man Satellitenbilder statt der Karte, sieht es so aus, als könnte man da trockenen Fusses ran kommen:

Tja – und das probiere ich einfach aus.

Wenn das nicht geht, könnte ich auch mit der Fähre von Blankenese nach Finkenwerder fahren, die fährt auch durch diese Kachel.


Aus unterschiedlichen Gründen ist es dann nicht zu dem ersten Termin gekommen, aber am 8.1.2022 stand die Tide günstig, da hab ich dann nen Versuch gemacht.

Vorher musste ich allerdings noch ein paar andere Kacheln abgreifen auf dem Weg dort hin.

Hike your bike

Dort gab es keine ausgewiesenen Wege, dafür war es schwer lehmig – matschig, das hat mich sehr viel Zeit gekostet, weil ich das Rad schieben und teilweise tragen musste, weil sich die Räder durch den schweren Lehm nicht mehr gedreht haben.

Das erste Mal, wo es ohne Schutzbleche eventuell… nee. Da hätten sich vielleicht die Räder gedreht, aber ich hätte den Dreck überall gehabt.

Schlammschlacht

Um die Fähre noch zu bekommen, musste ich ordentlich Stoff geben.

Am Anleger angekommen, hab ich dann noch mal den Twitteraccount des Betreibers gecheckt – wer sich den Timestamp ansieht – das hätte ich auch von zuhause machen können:

Doof – hätte ich auch vor dem Losfahren lesen können.

Keine Fähre, jedenfalls nicht von Neuenfelde. Aber wenn, hätte ich sie gerade so bekommen. 🙂

Also nach Finkenwerder, und dann von dort mit der Fähre rüber – was die zweite Kachel mit eventuellem Herumturnen auf der Böschung des Yachthafens obsolet macht, weil die Fähre einfach mitten durch diese Kachel fährt.

Der Elbvertiefer Amazone

Auf dem Rückweg ist mir dann noch ein Schaltzug gerissen – ungewöhnlich nach 2000km. Dafür kann man aber bei einer Rohloff einen (mittleren) Gang mit der Hand einstellen und dann damit als Singlespeed nach Hause fahren, das ging auch gut.

Oder als Video:

 

Und so sah das dann am Abend in veloviewer aus – ein Loch vor Cranz bleibt…

Loch im Teppich


Heute (Samstag, 15.01.) hab ich dann noch mal einen Versuch gemacht, diesmal fuhr die Fähre – war auch wirklich Hochwasser.

Und vorher hab ich noch ein paar andere unerledigte Kacheln erledigt, allerdings alle mit gut fahrbaren Wegen, sodass ich gut in der Zeit war.

Es schien sogar die Sonne.

Am Deich

Hochwasser – ich glaub, das ist der einzige Fähranleger, der nicht schwimmt.

Die Fähre fuhr dann den gewünschten Weg (es gibt auch keinen anderen, also kaum Spannung dabei) durch die Kachel.

Wegen Rufbereitschaft mit Laptop in großer Tasche

Sagte ich schon, dass tolles Wetter war?

Blankenese vom Wasser aus

Auf der Nordseite bin ich dann noch (Kacheln, Kacheln, Kacheln) in westlicher Richtung bis zum ehemaligen Kraftwerk Wedel gefahren und etwas nördlicher als das letzte Mal zurück und auch gleich noch weiter bis nach Hamm (Kacheln, Kacheln, Kacheln).

Elbe, auswärts

Als nächstes folgt dann wohl der Bereich südwestlich 🙂

Insgesamt hat das alles geklappt, auch wenn ich zwei Anläufe brauchte. Die letzte Kachel auf der Elbe südlich von Wedel geht nicht mit einer Fähre, vielleicht muss ich da mein Rad mal auf mein Boot stellen…

Oder als Video:

 

Die beiden Tracks im Vergleich:

GPS Spielchen reloaded – Explorer Max Square

Ich hab immer gerne GPS-Spielchen gemacht, durchs Seesegeln auf fremden, unterschiedlichen Yachten hatte ich sehr früh ein mobiles GPS-Gerät. Damit konnte man nicht herumlaufen, weil der Batteriesatz ziemlich genau 20 Minuten gehalten hat – und davon 15  für den ersten Fix (Positionsbestimmung). An einer entsprechend großen externen Batterie auf einer Yacht war das aber ziemlich brauchbar.

Mit dem nächsten Gerät wurde es dann möglich, dieses wirklich mobil zu benutzen. Ich hab versucht, ob ich das Finden und Fotografieren von Punkten, an denen volle Längengrade auf volle Breitengrade stossen, ein interessantes Projekt sein könnte. Diese Punkte sind erstaunlich oft schwer zugänglich, nach ein paar Versuchen war dann auch wieder Schluss.

Das alte GPS 75 wurde fest auf der Roald Amundsen verbaut und die Position des Schiffes alle 20 Minuten aufgezeichnet und zusammen mit den Tagesmeldungen verschickt – daraus habe ich mit Hilfe der Generic Mapping Tools Karten mit dem Track des Schiffes erzeugt – inzwischen scheint das abgeschaltet zu sein – so sahen diese sehr primitiven Karten damals aus.

Dann kam Geocaching auf, das war auch ne schöne Geschichte – erst in Berlin, dann in Hamburg. Allerdings gab es da neben uns eher erlebnisorientierten Genusscachern auch (viele) sehr konkurrenzgetriebene, das wurde mir schnell zu anstrengend.

Dann kam irgendwann Ingress und die Planungstools dazu – das war auch geil, aber wieder was völlig anderes.

Heatmaps

Meine Bewegungsdaten zeichne ich seit ewigen Zeiten auf, die letzte Auseinandersetzung mit GPS-Daten und Navigation waren ja auch hier im Blog Thema.

So, und jetzt gibts da was für mich neues, mal abgesehen davon dass ich die Heatmaps meiner Radwege wunderschön finde:

MaxSquares

Für das neue Spiel musste ich mich bei Strava anmelden, weil das eigentlich für mich interessante Tool Veloviewer seine Daten von Strava verdaut.

Strava ist sowas ähnliches wie Facebook für Sportler: Man kann sich gegenseitig zeigen, was man für ein krasser Sport-Hengst ist, sich Kudos geben, auf irre vielen Strecken virtuell gegeneinander antreten und gemeinsam Ausfahrten planen.

Veloviewer saugt diese Daten an und generiert allerhand Mehrwert für Rennradfahrer, mich interessiert aktuell dabei aber nur, dass es eine Aggregation der Orte gibt, an denen ich schon mal mit dem Rad langgefahren bin.

Dazu nutzt Veloviewer die Kartendaten von OpenStreetmap, die in Kacheln eingeteilt sind. Diese Kacheln sind hier in der Hamburger Gegend in der größten Kartenauflösung ungefähr 1450 x 1450 m groß (hier gibts Details).

Die Grundidee des Spiels ist, möglichst viele zusammenhängende Kacheln zu befahren. Zusammenhängende, überfahrene Kacheln ergeben eine gemeinsame quadratische Fläche, deren Kantenlänge gezählt wird – dies wird als Max Square bezeichnet. Quadratisch ist wichtig – es geht nicht einfach nur um Kacheln, sondern um zusammenhängende in quadratischer Ausdehnung. Das geht aber eben nur, wenn innerhalb dieses Quadrats wirklich alle Kacheln befahren wurden.

Befahrene Kacheln färbt Veloviewer rosa, zusammenhängende quadratische Flächen aus befahrenen Kacheln blau. Der Unterschied zwischen unbefahrenen und befahrenen Kacheln ist etwas schwer erkennbar – Wihelmsburg hab ich komplett, es hat einen blauen Rahmen:

Veloviewer – Explorer Max Square

Um das dadurch entstehende Max Square möglichst groß zu bekommen, muss ich also erstmal ein paar Kacheln im Hafen befahren. Zum Teil sind diese gar nicht so einfach zu erreichen. 🙂

In meinem favorisierten Routenplaner bikerouter.de kann man die gleiche Ansicht erzeugen (in dem man die entsprechende Ansicht aus Veloviewer exportiert) und dann entsprechend eine Route durch die fehlenden Kacheln planen – allerdings sind hier die Kacheln, die man noch offen hat, blau markiert und nicht die, die man schon im Sack hat.

bikerouter mit eingeschalteten Max Square Tiles

Ich hab mal für die ersten Blocker im Hafen eine Route geplant und versuche, da überall ranzukommen. Bei der Kachel, die den Containerterminal Buchardkai abdeckt, bin ich mir nicht sicher, ob ich bis dahin komme.

Insgesamt wird es um Hamburg ein paar Kacheln geben, die einfach gar nicht mit dem Rad erreichbar sind (im nächsten Bild ist ein Beispiel rot markiert) – bei Airbus kommt man nicht aufs Gelände, und das Mühlenberger Loch fällt zwar trocken, aber fürs Radfahren reicht das bei weitem nicht. Eventuell geht das aber mit der Fähre, die nach Cranz fährt.

Mit dem Rad nicht erreichbar

Mal sehen, was das wird.

Es gibt einen Blogartikel, wie die Großmeister dieser Kunst eben auch unfahrbare Kacheln erreichen – oder es versuchen.


Einen Tag später…

Ich bin eine kleine industrialstyle Radtour durch den Hafen gefahren und hab mir alle Tiles für mein 7×7 geholt. Kalt war es, und … industriell.

Uber dem A7 Elbtunnel – mehr Bilder hinter dem Link

Das nach der Tour neue Spielfeld sieht nun so aus:

Mein erstes Maxsquare 7×7

Obwohl die nächste Erweiterung (Richtung Westen und Süden) relativ einfach sein sollte, schwant mir, dass man dafür immer weiter in unterschiedliche Richtungen fahren muss – vielleicht ist das aber auch Sinn der Sache. 🙂

Der Track sieht entsprechend albern aus, aber an mindestens zwei Stellen kommt man eben nur über die gleiche Route wieder weg.

Oder als Video (Relive):