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Orbit360 Milky Way Mission

Es ist mal wieder die Zeit, in der Orbit360 die Tracks für die Orbit Gravelserie geöffnet hat – noch bis zum 14. August besteht die Möglichkeit, es sich abseits der Strasse und in ganz Deutschland und der Schweiz richtig zu geben und hinterher die Zeiten mit anderen zu vergleichen.

Zum letzten Test, ob mein Hintern den ganzen Tag Zeit hat, hab ich vor etwa zwei Wochen noch mal eine schöne Tour auf und ab der Unterelbe gemacht:

Das war soweit gut, die ständigen Viehgatter und das damit verbundene ständige Anhalten, aus dem Sattel, Menschen vor dem Tor wegdiskutieren und wieder anfahren finde ich allerdings sehr mühsam. Und meine Schuhe quietschen, ich glaub die Cleats meiner Sommerschuhe müssen mal neu.

Insgesamt war das auch überwiegend ein Roadtrip, wenn es unbefestigt war, dann war es eher feiner Gravel – nix brutales.

Ich bin letztes Jahr schon einen Orbit gefahren, allerdings ausserhalb der Wertungsperiode. Aber es ist das gleiche Prinzip in der gleichen Gegend, dort ist auch genauer erklärt, was ein Orbit ist und was das soll.

Interessanterweise und wahrscheinlich, um den Russen zu verwirren, heißt der Orbit südlich von Hamburg dieses Jahr nicht mehr Marsian Mountains sondern Milky Way Mission.

Der diesjährige Ritt durch die Heide südlich von Hamburg ist von einer anderen Planerin gescouted als der letztes Jahr und startet noch dichter an unserer Wohnung – einmal den Hügel runterkullern und schon bin ich auf dem Track.

Insgesamt waren mir viele Teile der Strecke bekannt – aber gleichzeitig hab ich viele neue, schöne Querverbindungen kennengelernt und immer wieder gedacht – hä? Das kennste doch – ohja, hier sind wir also…

Die Kartendarstellung auf dem Navi begünstigt diesen Effekt, da es meist nur bis zum nächsten Abschnitt vorraus zeigt, und das Große, Ganze verloren geht.

Los gehts!

Raus aus Harburg ging es wie erhofft auf ungeteerten, aber sehr gut fahrbaren, eher schmalen Wegen:

Unterwegs in Neuland

Unterwegs in Neuland

Das erste Highlight ist der Tunnel, der parallel zur Seeve unter dem größten Rangierbahnhof Europas Maschen RBF hindurchgeht.

Licht am Ende des Tunnels

Licht am Ende des Tunnels

Der Tunnel ist unbeleuchtet und auf der Ostseite sehr niedrig, so dass ich da schon den Kopf einziehen muss. Also Sonnenbrille runter, Licht an und los.

Im Dunklen ist der Tunnel unheimlich, weil man das Ende dann nicht sieht, die Breite der Fahrbahn schwer abschätzbar ist, die einen fiesen Absatz zur Überflutungsfläche der Seeve hat, die Seeve plätschert und stinkt und kein Ende absehbar ist.

Licht am Ende des Tunnels

Und es handelt sich nicht um einen entgegenkommenden Zug!

Tagsüber gehts. Der Track windet sich weiter auf der anderen Seite der Bahnanlagen entlang.

Heidelandschaft

Nach einiger Zeit kommt das erste richtig sandige (wie in für mich mit 40iger G-One Bite unfahrbar sandig) Stück, schieben ist angesagt.

Sand

Hier spricht die Sahara!

Dafür gibt es aber gleich etwas zu fotografieren.

Die Sandpassage ist zum Glück sehr kurz.

Insgesamt ist es sonnig und nicht zu warm. Später soll es zuziehen, aber trocken bleiben. Ideal.

feiner Gravel

feiner Gravel – zügiges Fahren

Es ist auch grüner, als ich dachte. Anscheinend ist zumindest für eine kurze Zeit genug Regen gefallen, um alles in ein sattes Grün zu tauchen.

Blumenwiese

Begegnungen

Hier an der Seeve habe ich gleich zwei lustige Begegnungen.

Ein Fliegenfischer schreit mich an, dass ich hier nicht Rad fahren dürfe. 1. ist das falsch und 2. angelt er direkt unter dem Schild, auf dem in großen Buchstaben und als einzige Aussage ‚Angeln verboten‘ steht.
Ich halte kurz an, gebe ihn einen freundlichen Hinweis und fahre weiter. Schon dreist, was für ein Arschloch.

Keinen Kilometer weiter das gleiche mit einer Reiterin. Auch mit dem Reiten verboten Schild in Sichtweite (selbst für einen Maulwurf). Ich frage sie, was sie wohl meint, was das Schild da bedeute, auf dem ein rot durchgestrichenes Pferd zu sehen sei.

Drehen die hier für die versteckte Kamera?

Waldlandschaften

Ich komme in die ersten waldigen Abschnitte. Ich kann mir vorstellen, dass es hier vor ein paar Wochen noch sehr matschig war, die Spuren der Forstmaschinen sind tief, aber steinhart. Es rubbelt wie auf einer Waschbrettstrecke.

im Wald

Die Pflanze des Tages ist der Fingerhut. Ich sehe ihn immer wieder, auch in größeren Ansammlungen. Hier ein schönes dunkles Exemplar:

Fingerhut

Die Landschaft wird nun langsam heidiger – weniger dichte Bäume, dafür viel Erika- und Ginster-Zeug am Boden, ab und zu ein paar kleine Wurzeln auf den Wegen, die Wege werden abschnittsweise etwas sandig, aber gut fahrbar.

Heidetrail

Erste Pause

Inzwischen bin ich etwa 65 Kilometer gefahren – Zeit für eine kleine Pause. Ich verdrücke ein paar gekochte Kartoffeln und zwei Bananen die in der ruckeligen Lenkertasche eine Blitzreifung hingelegt haben. Zum Glück wohnen sie in einer Plastiktüte.

ein Fahrrad

Restavel von der schönen Seite

65km – also gut ein Drittel. Wenn es so weiter geht, dann ist alles gut. In der Tourbeschreibung stand was von vielen auf der Strecke liegenden, zu übertragenden Bäumen, matschigen Strecken und vielen Wurzeln. Entweder sind die ausgetrocknet und weggeräumt oder sie kommen noch…

Der Track kreuzt hier den Naturistenweg – ein Wanderweg für Nackwanderer. Dadurch, dass dies in der Trackbeschreibung stand, bin ich weniger überrascht, als ich auf zwei nackte Wanderer treffe.

Rucksack und Stiefel und sonst nix sieht schon seltsam aus.

Heide wie im Prospekt

Hier beginnt auch das touristische Heidekernland – Wilsede (das mit dem Berg und der Goldkrone) ist der nächste Ort mit Pferdewagen, Ausflugslokalen, allem TamTam und Menschen mit schwer vorhersagbaren Bewegungsmustern.

Ich bin extra an einem Wochentag auf diese Tour gegangen, trotzdem ist einiges los.

Ein Heide-Muss ist der Totengrund, ein Talkessel, in dem am frühen Morgen der Nebel steht:

Totengrund im Sonnenaufgang

Totengrund im Sonnenaufgang (nicht von dieser Tour)

Das ist wirklich spektakulär und es lohnt sich der weite Fußweg, um solche Bilder machen zu können.

Tagsüber sieht es eher so aus, auch schön, aber nicht vergleichbar:

Totengrund

Der Totengrund

Der Track windet sich einmal südlich um den Talkessel herum, und hier taucht er auf, mein Endgegner gegen ein ordentliches Durchschittstempo: Die gemeine Wurzel.

Wurzeliger Heideboden

Wurzeln ruckeln mich in Grund und Boden

Mir fehlt es an Fahrtechnik, um hier mit Tempo fahren zu können. Oder ich habe zuviel Angst, wahrscheinlich beides. Aber ich möchte etwa 70km von zuhause lieber keine Bodenprobe bei einer schnellen Bergabfahrt nehmen.

Am südlichen Ende des Totengrundes treffe ich auf eine ziemlich verzweifelte Gruppe Rentner mit E-Bikes, zwei davon mit Dreirad. Der Weg, den sie von Südosten gekommen sind, war gerade noch so fahrbar für sie, der Herman-Löhns-Weg, der hier in beiden Richtungen hoch und um den Totengrund herumführt, ist unfahrbar mit diesen schweren Dingern, selbst schieben geht im teilweise ziemlich tiefen Sand damit nicht. Wir gucken zusammen auf deren Karte, ich empfehle ihnen, lieber umzukehren und den besser befestigten Weg östlich aussen herum nach Wilsede zu nehmen und kämpfe mich dann den westlichen Teil hoch – auch mit (kurzem) Schieben durch tiefen Sand und fiese Wurzeln.

Wurzelbehandlung

Bis etwa Kilometer 86 mache ich keine Bilder, ich brauche beide Hände, um den Lenker festzuhalten – viele Wurzeln, wirklich viele Wurzeln.

Es geht entlang der gerade gequellten Seeve auf einem schmalen Wanderweg, und hier kommt zu den Wurzeln auch noch der eine oder andere umgefallene Baum dazu.

Manche kann man umfahren oder zumindest umschieben, unter manchen kann man abgesessen durchtauchen, aber über manche muss ich das Rad und mich drüber heben.

Man kann erahnen, wo es weiter geht.

In Handeloh ist ein Edeka, ich kaufe mir Proviant und Getränke nach, um an der ersten schönen Bank hinter dem Ort eine Pause zu machen.

Auch andere Radfahrer machen hier Pause und kaufen nach, allerdings sind alle ausser mir mit Motor unterwegs. Ungläubige Einatemgeräusche beim Blick auf meinen Radcomputer und die bisher gefahrene Strecke.

Riementipp

Protip – für Euch getestet: Wenn man Rhabarbersaft und Wasser mit Restsprudel in Fahrradflaschen füllt und dann damit weiter ruckelt, entsteht durch das Geruckel Überdruck und läuft als etwas Schaum mit Zucker am Rahmen runter und tropft vom Tretlager auf den Riemen, was sehr ulkige – und bis ich raushatte, was es ist – unangenehme Quietschgeräusche am Riemen erzeugt.

Im Büsenbachtal

Bei Kilometer 96 komme ich aus einem Waldstück auf einen sehr sandigen Weg mit dem Blick in ein Tal – ich denke sofort – äh, das kennste doch, sieht aus wie das Büsenbachtal. Es stellt sich heraus – das isses auch 🙂

Der Track führt hinab ins Tal zum Büsenbach. Das Tolle für mich am Büsenbachtal ist, dass man dort Dröhnen darf – der Totengrund und auch die meisten anderen Heideflächen sind alle Naturschutzgebiet.

Die zuständigen haben hier seit meinem letzen Besuch zwei Brücken neu gemacht und den Morast satt mit Hackschnitzeln und Rindenmulch abgestreut – sehr schön.

Am Büsenbach

Hackschnitzel am Büsenbach

Seerosen

Seerosen und Zeug

Der Track folgt nun für eine längere Strecke der Este. Der Wanderweg ist schmal, verwurzelt und mit umgefallenen Bäumen versehen. Das mindert die Anzahl der Fotos leider ziemlich.

Ab und zu gibt es offenere Abschnitte.

Am Maisfeld entlang

Hier noch mal eine exemplarische Verbaumung.  Bäume sind ja auch ganz schön doof, nur so flache Wurzeln auszubilden. Das haben sie jetzt davon.

Umgestürzte Bäume

Die allermeisten umgestürzten Bäume sehen übrigens nicht so aus, als wären sie in diesem Frühjahr umgekippt. Entweder hat der zuständige Forst sehr wenig Resourcen, oder die finden es nicht so schlimm, dass die Strecke wirklich nur für Wanderer geeignet it. Ab und zu – wie in dem Bild oben – muss ich ganz schöne Umwege schieben, die allerdings auch schon gut ausgetrampelt sind, so als wäre das nicht erst eine Vegetationsperiode so.

Swans crossing!

Schwäne auf dem Weg

Eine auf dem (einzigen) Weg campende Schwanenfamilie

Mit der Schwanenfamilie an der Appelbeke bin ich in zähe und lange Verhandlungen gegangen, weil es keine wirkliche Alternative gab. Abgestiegen, dichter ran – immer schön das Rad zwischen mir und Frau Schwan – gewartet, bis sie ihre leicht ausgestellten Flügel wieder eingeklappt hat, noch etwas dichter ran, gewartet, die jungen Schwäne sind dann laaangsam ins Wasser, noch dichter ran – Gezische und Gefauche – Flügel raus – gewartet – naja und so weiter, bis endlich alle genug Platz gemacht haben, damit ich da durch konnte – zum Ende kam Herr Schwan auch noch dazu und hat rumgemackert.

Ganz schön aufregend, diese Natur.

Und dann hab ich den nächsten Abzweig nicht gefunden. Stellt sich raus, das hier ist der Abzweig direkt an einer kleinen Brücke:

Matschpfad

Zum Glück haben gute Menschen ein paar Gehwegplatten und Holz in den Morast gelegt – trotzdem hatte ich ordentlich Schmodder an den Schuhen und den Rädern. Mal wieder: Schutzbleche sind schon irgendwie geil.

Fischbeker Heide

Ab Kilometer 138 taucht der Track in den Wald der südlichen Fischbeker Heide ein, das ganze Gelände war bis 2005 ein Truppenübungsplatz für Panzergrenadiere. Ausserdem kann man sich hier noch ein paar Höhenmeter einfangen und die Ecke ist sehr beliebt bei Mountainbikern, entsprechend gibt es einige Trails.

Ich bin schon ganz schön durchgeruckelt und dadurch müde und unkonzentriert und leicht gepestet von den immer wieder sehr wurzeligen Trails, die ich als MTB- und nicht als Gravel-Trails einstufe. Irgendwann biege ich falsch ab, weil irgendwas blau markiert ist.

Ok, so steil, da fahr ich nicht runter. Kann eigentlich nicht sein, aber blaue Markierung. Also schleife ich das Rad mit zwei angezogenen Bremsen vorsichtig den Berg runter. Das kann wirklich nicht sein. Ich zoome raus – und es ist wirklich nicht so. Super geil, das alles wieder hoch? Never. 🙁

Zum Glück kommt da gleich die Panzerringstrasse, da muss ich mich zwar auch hochasten, aber da kann ich wenigstens Strasse fahren und mich schön sachte im Omagang hochkurbeln. Dann klappts auch wieder mit dem Track.

Naja, ich bin froh, als das vorbei ist und der nächste Teil erstmal asphaltiert ist. In Neu Wulmsdorf gibt es einen Rewe mit Fahrradstation(!) und Luftpumpe(!) – ich kaufe mir ne Cola und einen Erdbär-Buttermilchdrink.

Für Euch getestet: 500ml Erdbär-Buttermilchdrink in einem Zug getrunken macht, dass es im Magen sofort auskäst. Jedenfalls fühlt es sich komisch an. Nach kurzer Fühl- und Bedenkzeit kippe ich noch Cola drauf – nimm das, Käseberg!

Der Rest vom Fest

Ich bin dankbar, dass es ab jetzt wurzelfrei sein wird – den Rest der Strecke kenne ich gut. Und es ist nun auch wieder möglich, zu ballern, nicht mehr 17km/h Durchschnittstempo, sondern mit ordentlich Zug auf der Kette (wie man so zu sagen pflegt, ich meine Riemen) durch Apfelplantagen, auf Deichen und anderen gut fahrbaren Wegen nach Finkenwerder und Hamburger Industriegebiet Richtung zuhause – aber erst – hallo S-Bahn.

Und noch eine in der anderen Richtung.
Und dann noch der Metronom…

Apfelplantage

Apfelbäume mit Sonnenschirm

Der Weg durchs südliche Finkenwerder ist wie immer wunderschön, dörflich. Etwas später und weniger dörflich, auf der 8? spurigen Finkenwerder Strasse am Finkenwerder Ring ist eine Sperrung/Umleitung für den wahrscheinlich wirklich 8-spurigen Autoverkehr und es sind alle Ampeln aus. Ein paar eher missmutige Verkehrshörnchen versuchen halbherzig das entstehende Chaos zu organiseren. Fürs Rad leider geil, so schnell bin ich noch nie durch diese für Radfahrer besonders hirntoten Ampelschaltungen gekommen.

Noch ein kurzer Schwenk um die Kirche von Altenwerder, über meinen Dröhnenübungsplatz mit angeschlossenem Containerterminal

etwas Deich und ab nach Hause!

Insgesamt war ich 13 Stunden unterwegs, in Bewegung war ich davon etwas mehr als 10 Stunden, als fast drei Stunden irgendwo rumgegammelt!

Es war richtig geil, zum Ende noch mal ordentlich zu treten und nicht mehr so auf den Untergrund achten zu müssen.

Ich glaube, ich bin eher so der Fein-Graveler, nicht so sehr der Fast-MTB-Graveler 🙂

Trotz meinem Gejammere – ein super toller Track. Viele neue Querverbindungen, genug Möglichkeiten zur Versorgung unterwegs, mir hat es richtig Spaß gemacht – Danke, Kathi Sigmund für die enorme Arbeit, 180km zu scouten und dann noch größere Veränderungen im Blick zu behalten.

Das war sicher nicht der letzte Orbit360 in 2022, den ich gefahren bin.

Übrigens, Graveln ist offiziell Vollkontaktsport:

dreckige Beine

180km stecken in den Beinen 🙂

Statistik:

Die Tour bei Komoot:

Die Tour bei Veloviewer:

Veloviewer
Die Tour als Video:

März 2022

Es ist seit 5 Wochen Krieg in der Ukraine.

Rad mäßig bin ich wieder deutlich mehr gefahren als im Februar (nur lächerliche 200km).

Schaltzugdings

Nachdem mir auch der zweite Schaltzug nach 2600km (der erste nach 2000) 5mm hinter der Bommel im Griff gerissen ist, hab ich Kontakt mit dem Hersteller der Rohbox Schaltbox aufgenommen, um rauszufinden, ob da irgendwas systematisch falsch ist, was zu hohe Schaltkräfte verursacht oder sonstwie die Züge unüblich belastet.

Orginalbild von http://www.gebla.de/Rohbox/Rohbox-All-Inclusive.html#4.

Im Gegensatz zu einem Kettenschaltungschaltzug stehen die Züge bei einer Rohloff nicht unter Spannung, nur wenn geschaltet wird, wird Zug ausgeübt. Das ist schon mal gut, weil man damit auch einen beliebigen Gang von Hand einlegen kann, der auch drin bleibt und dann eben single speeded nach Hause oder zur nächsten Werkstatt fahren kann (nen Ersatzzug hab ich im Werkzeug, allerdings braucht man einen guten Seitenschneider, um den Zug nach der Montage zu kürzen).

Tatsächlich war die Montage griffseitig nicht ganz wie vom Hersteller vorgesehen, Herr Blaschke hat mir die vorgesehenen Teile ohne Rechnung geschickt – total nett. Nach der Neumontage (bei der ich auch gleich schlimm teure Superduper-Weltraum-Sexlube-Schaltzüge verwendet habe) und Feineinstellung entsprechend Webseite nun mit deutlich spürbar weniger Schaltdruck als von Rennstahl ursprünglich eingestellt, hoffe ich, das diese nun deutlich länger halten.  Ich frage mich, warum Rennstahl die Box nicht entsprechend der Herstellerangaben montiert hat.

RideFAR #1 – 90km

Im März fand RideFAR for a reason Challenge der Orbit360 Crew statt. Ich hatte mir schon länger vorgenommen, mindestens die sogenannte Sprintstrecke (90km) zu fahren.

Das hab ich dann auch gemacht und eine schöne Runde durch die Seeveniederung zum Sperrwerk Geesthacht und über die Vier- und Marschlande zurück gedreht.

rideFAR 90km – mein Lieblingsbelag

Das Wetter war toll, und die ersten Blüten kamen auch raus:

Ausserdem gabs ein Eis von einem fahrenden Eismann.

Besonders in den Vier- und Marschlanden war ein Haufen Rennradfahrer unterwegs.

Die Tour bei Komoot:

Oder als Video:

 

 

RideFAR #2 – 180km

Tatsächlich macht es mir inzwischen keine große Mühe mehr, 90km mal eben zu fahren, da muss ich keine großen Essens-Pausen machen, sondern rolle mal abgesehen von Lust-Eis und ein paar Fotohalten durch.
Also keine so richtige Herausforderung 🙂

Deswegen hab ich mich entschlossen, auch die mittlere Distanz (180km) anzugehen.

Wieder in die gleiche Richtung, aber weiter – und ich wollte diesmal zuerst auf der Nordseite der Elbe durch Schleswig-Holstein und Meckpom und dann auf den Rückweg durch Niedersachsen fahren.

Das war dann schon anstrengend, mit Pausen und allem war ich 12h unterwegs.

Um im Tageslicht wieder zurück zu sein, bin ich früh los – ganz schön neblig. Und schön war es auch mit dem Nebel.

Die Planung der Strecke hatte ein paar Schwächen, zum Beispiel bin ich noch in Hamburg durch ein relativ unzugängliches und fast unfahrbares Gebiet ge-schoben/krochen/fahren. Da muss ich auf OSM die Wegbeschreibung korrigieren…

In den Vier- und Marschlanden…

Ein Teil der Strecke zwischen Krümel und Lauenburg war ein 50cm breiter Pfad entlang an einem ziemlich steilen Abhang. Beim Wiederaufsteigen nach dem Stoppen/Ausweichen für eine Gruppe Wanderer bin ich mit dem Rad den Abhang runtergekippt. Nicht schlimm und auch nicht weit, aber dabei ist mir die Kamera aus meiner nach oben offenen Kameratasche gefallen und den Berg runter gepurzelt. Zum Glück haben die Wanderer das beobachtet und konnten mich von oben einigermaßen dirigieren, so dass ich die Kamera schnell wieder gefunden habe – puh!

Und sandig war es teilweise auch 🙂

Schönes Fachwerk und gut fahrbares Kopfsteinpflaster in Boizenburg.

Die gefürchtete Lochplatte auf einem ehemaligen Grenzkolonnenweg. Diese Platten sind sehr doof zu befahren – ausser man hat Reifen, die breiter als die Löcher sind – also fette 2,6 Zoll breite Mountainbike-Reifen, und nicht so kümmerliche 40mm wie ich sie fahre 🙂 .

Es gibt ganze Elegien zu der Art, wie man am besten auf diesen Platten fährt. Besonders die GST – die Grenzsteintrophy – eine Tour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze von Tschechien bis zur Ostsee – ist voller Geschichten zur Lochplatte und wie sie Flaschenhalterungen, Gepäckhalterungen und Träume vom Rad und Reiter abvribiert.

Ein Teil der ehemaligen Grenzanlagen.

Die Fähre von Darchau nach Neu-Darchau brachte mich von Meckpom nach Niedersachsen, der Rückweg begann.

Das machte sich erstmal durch doch deutlich spürbaren Gegenwind bemerkbar – war ich auf dem Hinweg nur so dahin geflogen, musste ich nun ganz schön reintreten.

Dafür kam die Sonne wieder raus.

Ein ganz kurzer Fotostopp am Schiffshebewerk Scharnebek. Ein Traum in Beton.

Den größten Teil der Tour war ich auf unbefestigten Wegen unterwegs – oder auf Wegen mit uraltem Asphalt, Platten oder gemischten Oberflächen –  die für den Autoverkehr gesperrt waren. Oder auf feinstem Asphalt, aber für Autos gesperrt (auf den Deichen z.B.).

Unbefestigt ist oft rumpelig, sandig und mit mehr Kraftaufwand (nicht nur in den Beinen) zu befahren, aber es ist so viel schöner, dass es sich wirklich lohnt.

Das letzte Stück ist immer das schlimmste – ich war nun doch schon ziemlich auf und wollte fertig werden, gleichzeitig nahm der normale Alltagsverkehr wieder zu, weil ich wieder in Hamburg angekommen auf normalen Strassen und/oder durch Parks mit vielen Menschen mit schwer vorhersagbaren Bewegungsvektoren gefahren bin.

Die Tour bei Komoot:

Oder als Video:

 

Auf die 180km in unter 10h Fahrzeit bin ich ziemlich stolz, und wider Erwarten hat mir auch am nächsten Tag nix weh getan.

Natürlich sind ungefähr 1.000.000 Leute in beiden Wertungen schneller als ich gefahren. Aaaber die sind bestimmt alle road gefahren (90km in 2:19 – keine Fragen, Euer Ehren. Er hat sein Ziel, nen 40iger Schnitt zu fahren, verfehlt!) und dazu im Schnitt 20 Jahre jünger 🙂

Für die lange (360km) Distanz ist mein Ego nicht groß genug.

Jetzt müßte ich mal anfangen, ähnliches mit etwas Übernachtungsgepäck ein paar Tage lang hintereinander zu machen, um zu sehen, ob der Hintern das auf Dauer ab kann und ob ich genug Kalorien nachgeschoben bekomme, um das länger durchzuhalten.

März insgesamt

Insgesamt bin ich mit dem muskelbetriebenen Rad 560km gefahren, die Heatmap für den März 2022 hat einen deutlichen Ausschlag nach Südosten.

 

Elbe – Alster – Trave – Ostsee

Ein erkennbar sonniger Samstag im Oktober stand vor der Tür – noch einmal eine Chance auf eine schöne Herbsttour!

Statt selbst Touren in allen Details zu planen, greife ich gerne auf gescoutete Routen zurück, wie z.B. auf die von Orbit360.cc wie bei Marsian Mountains – na fast oder diesmal auf eine Strecke vom HanseGravel (Graveltour in mehreren Etappen von Hamburg nach Stettin) von Hamburg nach Lübeck.

Die Strecke führt anfangs mitten durch Hamburg, und trotzdem fast die ganze Zeit durchs Grüne, immer an der Alster entlang. Dafür muss man ein paar Mal das Rad Treppen hoch tragen, hat aber kaum Kontakt zum Autoverkehr.

Dabei folgt man der Alster bis Kayhude (das ist am grünen Boppel im folgenden Screenshot), ab Bad Oldesloe dann der Trave beziehungsweise später der Untertrave bis zur Lübecker Bucht der Ostsee.

Ab Lübeck hab ich selbst geplant, weil ich gerne auf der östlichen Seite der Untertrave bis zum Priwall fahren wollte.

Tourverlauf

Das sind lockere 140km, also musste ich wieder früh aufstehen, um das Tageslicht bestmöglich zu nutzen. Ich bin trotzdem erst nach 8 losgekommen, weil ich mich wegen der Aussentemperaturen (ganz schön frische 5° und Raureif auf dem Balkongitter) schwer einmummeln musste – aber gleichzeitig so, dass ich auch bei 15° überlebe. Schwierig, wenn man mit nur wenig Gepäck/Platz für abgelegte Klamotten fahren, aber auch in Pausen nicht frieren möchte.

Irgendwann ging es dann doch los mit der Viele-Flüsse-Queren-Reise.

Harburg und Elbinsel

Erstmal über die Süderelbe mit leichten Restnebelfliesen über der Oberfläche…

Auf der Süderelbbrücke

Restnebel über der Süderelbe

Dann, nach dem Durchqueren des nebligen Wilhelmsburgs und der Veddel, die Norderelbe.

Auf der Norderelbbrücke

Norderrelbe in der Sonne

Der Reif auf den Brücken verschwindet langsam.

Feuchtigkeit auf dem Radweg auf den Norderelbbrücken

Tau taut langsam weg

Hamburg

In der Stadt angekommen, ist es noch leer. Selbst am Jungfernstieg und an der Binnenalster ist nix los.

An der Binnenalster

Noch Ruhe an der Binnenalster

Entlang der Hamburger Who-is-who-Joggingstrecke an der Aussenalster bin ich lieber die (relativ) neue Fahrradstrasse entlang gefahren anstatt direkt am Wasser, hier war trotz der frühen Zeit schon einiges unterwegs.

Das wurde aber schnell wieder besser, vielleicht auch, weil der Track der Ostseite der Alster folgte und dort noch nicht so viel Sonne hin schien.

An der Alster entlang

Im Schatten ist es noch sehr feucht

Insgesamt: Es war wenig los, und die Leute, die hier joggen, Fahrrad fahren oder ihre Hunde zum Kacken führen, haben ihre Bewegungsmuster und Hunde ganz gut im Griff, tagsüber ändert sich das, und im Sommer würde ich das eher lassen – die Schilder, die um gegenseitige Rücksichtnahme werben, stehen sicher nicht aus Zufall hier.

Überall, wo die Sonne hinleuchtet, leuchten die Herbstfarben und es wärmt endlich leicht. Noch ist die Umgebung parkartig mit fein geschotterten Wegen, geprägt vom Wohlstand Hamburgs.

ein feingeschotterter Weg

Langsam, so hinterm Ohlsdorfer Friedhof, wird es ländlicher, waldiger. Trotzdem ist etwas hinter dem Uferstreifen noch Grossstadt, aber davon bekommt man nichts mehr mit.

Es wird ländlicher

Der Uferweg wechselt immer öfter die Seiten, der Weg wird auch immer mehr zum typischen Waldweg, die Alster ist nicht mehr schiffbar.

Inzwischen sind zumindest in der Sonne 10°, ich ziehe die WindRegenSchwitzjacke aus und knautsche sie zusammen mit den Fingerhandschuhen in meine Tasche, die erste Zeit, in der Trikot und Armlinge abtrocken, ist es wieder sehr verdunstungskühl, vor allen an den Armen.

Waldweg

Eine Spiegelung in einem Weiher

Eine Spiegelung in einem Weiher

Kurze Pause an einem Unterstand im Wald

Kurze Pause

Diese Kiste schützt das Getriebe des Wehres mehr so mittel gut gegen Fehlbedienung

Diese Kiste schützt das Getriebe des Wehres mehr so mittel gut gegen Fehlbedienung

In Duvenstedt verlasse ich die Alster kurz, um einen Bäcker zu finden, was auch gelingt. Leider wollen hier alle Bargeld – soviel Bargeld hab ich gar nicht bei.

Nun beginnt das wilde Schleswig-Holstein!

ein geschotterter Weg mit Laub entlang der Alster

Ein Nachteil des Weges direkt an der Alster: Es wird nicht richtig warm, weil die Alster hier in einem Flusstal entlang läuft, in das die tiefstehende Sonne nicht gut reinscheinen kann.

Und dann auch noch dass:

Gesperrte Brücke

Gesperrte Brücke

Da die Sperrung bereits unautorisiert aufgehoben wurde, gut sichtbar nur das Brückengeländer betrifft und ein Umweg echt weit wäre, wage ich es.

Mehr Punk geht nicht!

eine schmale Fahrspur entlang einer Viehweide

Die Strecke ist wirklich hervorragend gescouted. Es gibt Stellen, an denen man absteigen muss, das ist aber der ansonsten so tollen Streckenführung geschuldet.

Leider gibt es von diesen Stellen keine Bilder, weil ich da entweder mit weissen Knöcheln an den Bremsgriffen ziehe, weil es unvorhersehbar steil abwärts geht und ich die Fuhre irgendwie zum Stehen bekommen muss oder weil ich beide Arme bereits zum Rad tragen brauche.

Bad Oldesloe

Zur Versorgung der Hansegraveler geht der Track auch einmal quer durch die Fussgängerzone von Bad Oldesloe, ich kann da entspannt im Fussgängertempo hinter einer Familie her rollern, aber ich kann mir auch vorstellen, wie das aufgenommen wird, wenn im Laufe eines Spätvormittages 150 verdreckte Radfahrer am liebsten im Renntempo und im Rudel da durch wollen; aber dafür werden die meisten auch irgendwas an Proviant gekauft haben.

ein geschotterter Weg

Der Fluss, neben dem ich immer wieder herfahre, ist nun schon etwas länger verschwunden, beim nächsten Auftauchen fliesst er auch in die andere Richtung.

Mich deucht: Das ist nicht mehr die Alster, sondern die Trave. Hab mir das vorher auf der Karte nicht so genau angesehen.

Die Trave von einer Brücke aus fotografiert

Leider bin ich zu blöd, Pausenplätze finden bzw. sie auch zu nutzen – es gab eine schöne, bereits abgetrocknete, sonnige Stelle mit einer Bank (wechselwarme Radler und deren feuchte Regenjacken wollen das) in Bad Oldesloe im Stadtpark(?) – ich verschmähte diese, weil Stadtpark, und weil bestimmt gleich eine noch bessere kommt…

Pausenstress

Ich Idiot – die nächsten 15km kommt eben genau nix vergleichbares. Wasser ist auch fast alle.

Kurbel, kurbel, kurbel.

Es ist wirklich schön hier, hügelig, irgendwas mit Endmoränen, bestimmt. Die Trave fliesst in einem eigenen Tal, die Strecke weicht oft davon ab, läuft etwas oberhalb auf dem Kamm. Dann brettert oder schliddert man einen Fußpfad runter, der sich direkt an der Trave kurz vor der Brücke (gerne 70iger Jahre Spannbeton) auf Brückenweite aufweitet, über die Brücke, Verschmählerung auf Fußpfad, und auf der anderen Seite wieder hoch.

Keinen Schwung. 6 Gang, 3. Gang, keine Traktion, echt steil, Sand, fiese Wurzeln. Runter vom Rad, hochschieben, gucken. Geil. Aufsteigen, repeat.

Fußpfad mit Brücke

Fußpfad mit Brücke

Das Kurbeln braucht Wasser, in Klein Wesenberg ist eine Kirche mit Friedhof – super zum Nachtanken von Wasser. Ich hab nicht nur die Flaschen gefüllt – mit Wasserbauch gehts weiter, immer noch auf der Suche nach einem Pausenplatz.

Lübeck

In den Aussenbezirken von Lübeck angekommen fahre ich nicht mehr auf dem HanseGravel-Track weiter, sondern auf einer von mir geplanten Strecke um die Innenstadt von Lübeck südlich zu umgehen und auf die östliche Seite der Untertrave zu gelangen.

In Moisling (einem südlichen Vorort von Lübeck) bekomme ich beim Bäcker ein Käsebrötchen mit Pute – wieder wollen sie Bargeld und die Suche nach einem Pausenplatz wird dringender, ich hab Hunger.

ein Weg mit zwei Fahrspuren und Grass in der Mitte

Nach dem Überqueren der Wakenitz ist die Stadt wieder vorbei, es geht rein in den mecklenburgischen Wald. Wunderschön, lichter Kiefernwald.

MeckPom

Aber keine Bänke und die Wege sind auch sehr ruppelig. Irgendwann reicht es mir – dann eben keine Pause im Sitzen.

Restavel an ein Bäumchen gelehnt

Rad an ein Bäumchen gelehnt, Brötchen gegessen, mit Wasser nachgespült – nur in Ruhe sitzen oder kurz mal auf dem Rücken liegen ging hier nicht, zu sandig. Das gute daran: Es verkürzt die Pausenzeiten 🙂

Dann weiter durch die Palinger Heide über ruppelige und sandige Wege. Ich bin der Meinung, dass die neu aufgezogenen G-One Bite Mäntel besser mit Sandlöchern klar kommen als die vorher montierten G-One Allround in der Lüneburger Heide.

im Wald

Die Wege werden allerdings schnell wieder besser, ab und zu lugt die Untertrave – hier von großen Seeschiffen befahrbar – über die verblühten Mais- und Sonnenblumenfelder – sehr schön.

ein Maisfeld Im Hintergrund die schiffbare Trave, im Vordergrund ein Maisfeld

Unverhofft taucht eine Trucktankstelle auf – ich kaufe mir einen Liter Cola und ein Trucker-Spezial, endlich mit Plastik bezahlen und Zucker satt!

Wer sich auf den Bildern vom Rad über die Colaflasche wundert – es gibt für mein Flaschenhaltersystem  auch einen leeren Halter, an dem man beliebige Gegenstände mittels Boa-Drahtwickelsystem (wie an manchen Radschuhen auch) festklemmen kann. Die leere Flasche gebe ich beim nächsten Kauf ab und bekomme eine neue, kalte.

auf einem Feldweg

Das Trucker-Spezial erweist sich später als labriges ‚Baguette‘ mit Barbeque-Sosse und Fleisch unklarer Herkunft (irgendwas zwischen Bulette und falschem Hasen) und Krautsalat. Wir haben ja auch hier im Blog immer das Mantra des landestypischen Essens hoch gehalten, aber das war mal nen Griff ins Klo.

Maisfeld, Trave, Feldweg

Der Radweg geht ein Stück parallel zu einer Landstrasse, auf der ein alter, langsamer Trecker mit zwei Anhängern voller Kiefern fährt – mit einer riesen Autoschlange dahinter.

Bergan ist er schneller als ich, in der Ebene und bergab bin ich schneller. Jedesmal, wenn einer von uns den anderen wieder einholt, grüßen wir erfreut.

Die Autoschlange dahinter ist zunehmend genervter, es gibt wilde Überholmanöver von weit hinten in der Schlange.

Fischerboote in Dassow

In Dassow liegen ein paar Fischerboote. Vor 30 Jahren konnten die Fischer von hier aus nur den Dassower See befischen, die Trave und wahrscheinlich schon die Potenitzer Wiek war für DDR-Fischer unerreichbar.

Der Weg biegt ab auf den Deich, nun geht es schnurstracks in Richtung Ziel – ab und zu lugt schon das Hochhaus des Hotel Maritim in Travemünde über die Baumkronen.

ein Weg mit gepflasterten Fahrspuren und Grasnarbe in der Mitte

Auf diesem Weg ist überhaupt kein Verkehr, er ist warm, sauber und trocken – ich beschliesse, mich kurz in einer Ausbuchtung auf dem Weg hinzulegen – das Rad ordentlich an einen Baum gelehnt – und ich hab ja noch das Trucker-Spezial vor mir…

Kaum liege ich, hält rasant ein Rad neben mir, ob alles ok sei. Muss lachen, bedanke mich, erkläre, dass ich keine Bank gefunden habe, und dass es sehr schön ist, hier zu liegen. Er lacht auch, fährt weiter.

Sehr kurze Zeit später noch mal das gleiche. Alter – ich treffe den ganzen Tag kaum Leute mit Rennradklamotten, aber hier sammeln sie sich…

Bedanke mich wieder für die Aufmerksamkeit. Während ich mich aufraffe, die dritte. Und da, 600 Meter weiter, sei eine Bank. Super!

Dort nehme ich einen Bissen Trucker-Spezial – gar nicht mal so lecker.

Priwall

Zwischen Pötenitz und Priwall muss ich parallel zur Blechlawine, die auch zur Fähre Richtung Travemünde rollt, an der Landstrasse entlang fahren. Nicht schön, anscheinend sind alle in den Blechkisten hart genervt.  Also direkt hinter der ehemaligen Grenze scharf rechts wegbrechen, möglichst weit ans Wasser ran – auf den passenderweise so genannten Dünenweg.

Und da isse, die Ostsee!

(Denkt Euch ein Foto, ich hab vergessen, eins zu machen). Ich bin aber auch nicht weiter Richtung Wasser gegangen, alles tiefer Sand – ich hab noch genug Sand aus der Lüneburger Heide in den Schuhen und ich hätte das Rad auch stehen lassen müssen.

An der Priwall-Fähre angekommen, musste ich wieder mit Bargeld (am Automaten, der auch Karte konnte, aber wohl nicht bei so geringen Beträgen wollte) die Überfahrt nach Travemünde lösen. Mit den letzten Cent ist mir das gerade so und trotz der sehr individuell gelösten Menüführung gelungen, ohne jemanden anzuschreien.

Am Fähranleger Priwall Auf der Priwallfähre

Travemünde

Auf der Travemünder Seite war erstaunlich viel Tourismusbetrieb. Ich hab mich bis zum Hotelturm geschlängelt, eigentlich wollte ich noch ein Eis oder so essen, das war aber nur im Schatten möglich und erschien mir zu kalt.

in der Travemünder Shoppingmeile

Ich hab mir dann noch etwas die heimische Tierwelt an der Strandpromenade angesehen und bin dann auch schon zum Bahnhof.

Eine Silbermöve stolziert auf einer Sitzbank

Admiral Weber bei der Abnahme der Parade

Vom Travemünder Strandbahnhof aus bin ich mit dem Regionalexpress wieder nach Hamburg gefahren, und von dort aus mit dem Rad nach hause.

Stadtbahnhof Travemünde

Regionalexpress

Das Heimfahren im Regionalexpress hat wieder genervt – es war nicht voll, aber das Mehrzweckabteil zieht anscheinend Schwachköpfe an, die auch irgendwo anders im Zug fahren könnten. Für Rad- und Rolli- und Kinderwagenfahrer ist das nicht so, also sucht Euch gefälligst nen Platz im Rest des Zuges und geht nicht Leuten auf den Kecks, die dort fahren müssen und schon allein deshalb ne kurze Zündschnur haben!

Abendrot durch ein Regionalexpressfenster

Der Tag ist offiziell vorbei

So ein geiler Tag!

  • Morgens war es etwas frisch (ok, abends vom Hauptbahnhof nach Hause auch), aber beim Fahren wird einem ja schnell warm, man darf nur nicht anhalten 🙂 Ich hatte gerade so genug Klamotten dabei, um beim Warten auf den Zug nur ganz wenig zu frieren. Nächstes Mal muss vielleicht doch eine wärmende statt einer windabweisenden Jacke mit.
  • Ordentlich gescoutete Strecken sind super, zumindest die, die ich bisher ausprobiert habe. Ich glaube, ich wäre nicht auf die Idee gekommen, dass man aus Hamburg raus so schön unbehelligt fahren kann.
  • Herbst ist toll! Die Farben, die Kälte am Morgen, die dann endlich spürbare Wärme der Sonne…
  • Die neuen Reifen machen einen Unterschied in der Radkontrolle auf Sand
  • Ich habe mangels guter Gelegenheiten weniger lange Pausen gemacht und bin dafür noch sehr deutlich im Hellen angekommen, ohne kaputt zu sein.
  • Regionalbahn fahren nervt, ist aber auch schön warm

Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

Zweimal Fähre fahren

Gestern stand eine kürzere Tour auf dem Programm – ich hab mich für eine Kontrolle der Apfelsituation im Alten Land und zweimal Fähre fahren entschieden.

Der Plan

Auf dem Weg dorthin bin ich wieder über so einen Schildbürgerstreich gefahren. Ein Bahnübergang mit Drängelgitter, das für Lastenräder, Liegeräder, Tandems oder Räder mit Kinderanhänger unpassierbar ist – schon mit einem normalen Rad muss man rangieren. Aaber es kommt noch besser – das ist Teil einer offiziellen Veloroute:

Im Hintergrund seht ihr den ausgebauten Teil der Veloroute, der Richtung Bahnübergang in einen schmalen Kiesweg übergeht und im Drängelgitter endet.

Ich nehme mal an, dass am Ende des geteerten Weges die Verantwortung der Stadt Hamburg endet und die Verantwortung der DB Trasse (oder wie auch immer das entsprechende Unterunternehmen der Bahn, dass dafür zuständig ist, heißt) beginnt.

Tolle Idee, in so einen gemischt betriebenen Weg Geld zu versenken, wenn nicht alle beteiligten bauen 🙁

Auf schön geschotterten Wegen ging es Richtung Altes Land – trotz des grummeligen Himmels gab es immer wieder genug Sonne für Schattenspiele:

Schattenspiele

Nachdem ich über den Neubau der A26 von Stade zur A7 (wirklich gigantisch, wie breit so eine Autobahn ist) rüber war, begannen die Apfelplantagen.

Es sind hier nicht wirklich Apfelbäume, sondern eher Apfelsträucher, so dass man, wenn man auf dem Anhänger hinter dem Schlepper steht, leicht überall rankommt. Der Trecker fährt im kleinsten Kriechgang und ohne Fahrer alleine die Reihe ab, hinten werden die reifen Äpfel abgepflückt.

Endlose Apfelreihen

Ich hab keinen Vergleich, aber für mich sieht das nach einer sehr guten Ernte aus.

Ich hatte geplant, um 13:45 Uhr am Fähranleger Lühe zu sein, denn die Fähre fährt am Wochenende nur alle zwei grade Stunden Richtung Wedel.

Elbe – Blick Richtung Wedel

Ich war allerdings schon gegen 13:00 Uhr dort. Hier treffen sich Wohnmobilisten, Biker (also die mit Motorrädern) und sonstige Ausflügler, es gibt einen großen Parkplatz, einen Womo-Stellplatz und einen Haufen Imbissbuden.

Der Imbissbudenzirkus

Um mir die Zeit zu vertreiben und aus Schmachtgründen hab ich an einer der vielen Buden ein Currywurst mit Pommes gegönnt – die Pommes waren ok, die Currywurst wirklich unterirdisch. Die Preise waren überall gleich, aber ich glaube, das war die schlechtmöglichste C-Wurst vor Ort.

Naja, dann weiter warten. Die Fähre war schon da, aber die hatten gerade Mittagspause.

Dat Ole Land II

Also noch warten.

Schwalbenschwanz

Möve im Freizeitstress auf der Elbe

Endlich ging es los Richtung Wedel – eine Person mit Rad kosten 7,50.

Ablegen!

Die Fähre war quasi leer, nur zwei Fahrräder und auch nicht viele andere Passagiere. Es ist doch schon deutlich Nebensaison, es gibt Berichte, in denen sich bürgerkriegsähnliche Zustände um die nicht immer ausreichenden 70 verfügbaren Fahrradstellplätze auf der Fähre abgespielt haben sollen – heute nicht.

Komoot zeigt irgendwas mit Wasser, Garmin komplett verwirrt

Beide GPS-Geräte waren verwirrt auf der Fähre, obwohl der Track richtig gelegt war und sich die Fähre auch einigermaßen an die geplante Strecke gehalten hat.

Selfie

Wedel – Blick nach Hamburg

In Wedel am Willkomm-Höft angekommen, ging es wieder auf Rad. Das Willkomm-Höft ist eine inzwischen folklorististische Nummer – es gibt hier eine Schiffsbegrüßungsanlage – für jedes ein- oder auslaufende Seeschiff wird hier die Nationalhymne des Registerhafens über große Lautsprecher abgespielt. Gleichzeitig gibt es hier ein großes Ausflugslokal und entsprechend Trubel mit Menschen mit schwer einschätzbaren Bewegungsvektoren.

Ich muss lernen, auch von sowas Fotos zu machen, ich wollte da aber nur weg.

Bahnübergang der S-Bahn nach Wedel

Der Track führte mich nach Wedel rein und auf die Nordseite der S-Bahnstrecke nach Blankenese – hier war ich noch nicht mit dem Rad und man kann an der Bahntrasse endlang wunderbar und zügig fahren.

Zu kurze Belichtungszeit, jaja.

Später ging es den Ortskern von Blankenese mit vielen hochherrschaftlichen Palästen, durch den ebenfalls großzügig angelegten Hirschpark, vorbei an der Dorfkirche Nienstedten und dem internationalen Seegerichtshof wieder runter an die Elbe nach Teufelsbrück.

Im Hirschpark

Von Teufelsbrück aus bin ich mit einer Hadag-Fähre zum HVV-Tarif nach Finkenwerder/Rüschpark gefahren, dort immer am Deich entlang bis zum Ende des Köhlfleets und dann Richtung Altenwerder entlang der Hauptstrasse – hier hat die Industriebebauung leider alle Nebenwege gefressen – das Stück bis unter die A7 ist zwar sicher, aber nicht gerade schön zu befahren.

Das Dorf Altenwerder wurde 1960 zur Hafenerweiterungsfläche erklärt, die Stadt begann, Grundstücke aufzukaufen und die Bewohner umzusiedeln. Ab 1973 wurde die Enteignung der verbliebenen Eigentümer angekündigt, 1998 verliessen die allerletzten Anwohner Altenwerder, 2003 wurde das neue Containerterminal CTA in Betrieb genommen. Wie groß das ist, sieht man am Anfang eines eines Videos, dass ich letztes Jahr gedröhnt habe.


Übrig geblieben ist nur die Kirche und der Friedhof von Altenwerder, die sich nun auf einer kleinen Brache zwischen der A7 und einem Hafenbahnhof, zwei riesigen (je 6 Megawatt) Windmühlen und Logistikflächen für die Hafenwirtschaft befinden.

Kirche Altenwerder

Ein ruhiger, aber auch ein unruhiger Ort – die Autobahn ist nah und laut.

Altenwerder Pfad

Moorburg und fast zuhause – man kann schon das gelbe Gegengewicht der neuen Kattwykhubbrücke über die Bäume luschern sehen:

Eine schöne Runde – in Wedel und Blankenese war ich noch nicht mit dem Rad, das lohnt sich bestimmt, sich das alles noch mal genauer anzusehen.

Ich hab die Mäntel am Rad gewechselt, von Schwalbe G-One Allround zu G-One Bite. Die Bites haben mehr Profil, vorallem zur Flanke hin. Zum Glück surren sie nicht auf glatten Untergründen, sondern laufen auch dann schön leise. Richtig tiefen Sand hatte ich auf der Runde nicht.


Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

Marsian Mountains – na, fast

Es gibt seit Corona eine Gravel-Rennserie, die es auch unter Coronabedingungen möglich macht, sich mit anderen zu messen.

Hä?

Gruppen-Spocht oder gemeinsame Ausfahrten machen fand in 2020 und in Teilen von 2021 nicht statt, weil gefährlich und verboten.

Aus diesem Grund hatten ein paar Leute die Idee, alle Interessierten auf den gleichen Strecken zu individuellen Zeitpunkten gegen sich selbst fahren zu lassen und hinterher die Zeiten zu vergleichen, weil es ja irgendwie kompetetiv sein muss (bei den meisten).

Es wurden in ganz Deutschland Strecken mit den folgenden Eigenschaften ausgekundschaftet:

  • es geht viel über Stock und Stein – mit einem Gravelrad (quasi ein Rennrad mit Treckerreifen und meist etwas besseren Haltungsnoten für den Betreiber) oder einem leichten Moutainbike.
  • Strassen (so wie in Rennrad oder Auto) gibt es eigentlich nur zum Überqueren oder zum in den nächsten Feldweg abbiegen.
  • Die Strecken gehen durchs Grüne, meist durch landschaftlich besonders schöne Abschnitte.
  • die Strecken sind Rundkurse
  • man kann überall auf dem Rundkurs einsteigen und fährt dann eben wieder bis zu diesem Punkt. Neu in 2021: man darf auch gegen den Uhrzeigersinn fahren 🙂
  • die Strecken sind so angelegt, dass entsprechend ambitonierte Radler diese an einem Stück fahren können – von 150 bis 220km.

Diese Art von Rennen sind selfsupported, d.h., es gibt kein Team, kein Begleitfahrzeug, man darf keine Wartungs- oder Fressposten an der Strecke platzieren, man fahrt das eben allein (oder seit 2021 auch zu zweit) und regelt alles, was damit unmittelbar zusammen hängt, selbst.

Das ganze nennt sich als Serie Orbit360 und hat natürlich ne Webseite, eben https://orbit360.cc/ und ist in der Ruckelrad-Szene eingeschlagen wie eine Bombe.

So sehr, dass es zum Ende der Serie richtig in Arbeit ausgeartet ist, die Ergebnisse zu erfassen und auszuwerten – es gibt einen schönen Podcast dazu in der Wundersamen Fahrradwelt.

Anscheinend sind Gravelfahrer etwas individualistischer (lies: Eher nicht in Radsportvereinen organisiert) unterwegs, zugleich bringt genau so eine Organisation alle, die sich irgendwie zur Szene zugehörig fühlen, zueinander. Das ist toll.

Die Strecken (es gibt in jedem Bundesland eine) sind auf komoot zu finden, und da komme ich dann als bekennender Nichtkompetetiver ins Spiel – man kann diese sehr gut gescouteten Strecken natürlich auch ausserhalb des Fensters, in denen es Wertungen gibt, abfahren – zum Vergnügen.

Möchte man an der Wertung teilnehmen, zahlt man (für alle Orbits zusammen, egal, wieviele man fährt) ein geringes Startgeld und muss latürnich exakt auf dem gescouteten Track bleiben, oder wenn man von ihm abweicht, um Einzukaufen, wieder an der gleichen Stelle auf den Track zurückkehren. Im Anschluss lädt man einen eigenen Track hoch, der dann gegen den Master gedifft wird, um in die Wertung zu kommen. Mehr zu den Wertungsdetails und alles andere wichtige gibts auf der Orbit360 Webseite.

Ich will nicht ausschliessen, dass ich da nächstes Jahr auch im Rennzeitraum mitmache, aber dieses Jahr hatte ich kein dafür geeignetes Rad, das hat sich ja nun geändert.

Deswegen bin ich am Freitag mal zur Probe einen Orbit gefahren – Hamburg hat das Glück, gleich drei Orbits zu haben, den Hamburger (logo) und aber auch den schleswig-holsteinischen und den niedersächsischen, und den bin ich gefahren – er geht 5km von unserer Wohnung los.

Mich hat interessiert, wieviel mehr Kraft es kostet, wenn der größte Teil der Strecke keine geschlossene Decke hat (Spoiler: Boah, erheblich), wie das mit den Höhenmetern ist und ob ich das überhaupt bringe.


Also – the Marsian Mountains ~160km, ~1200 Höhenmeter, Ende September mit Tageslicht von grob 07:00 bis 19:00 Uhr, also 12 Stunden Zeit, um das zu schaffen.

Das Wetter war eher so naja – zumindest sollte es nicht regnen. Ich bin kurz vor halb acht losgefahren, erstmal zum Track.

Mein Einstiegspunkt in den Track waren die Harburger Berge, auf breiten, verdichteten und damit gut fahrbaren Waldwegen, aber dafür gings auch schon mal ganz schön hoch und runter, ich hatte gleich hier den höchsten Puls des Tages 🙂

Harburger Waldwege

Bare with me, das Haupteinstellrad der Kamera verschiebt sich leider sehr leicht, wenn ich sie aus der Tasche ziehe. Wenn ich auf dem fahrenden Rad sitze und es ruckelt, bemerke ich das nicht immer und dann kommen technisch nicht ganz einwandfreie Bilder wie das oben raus.

Das Wetter war weiterhin so lala, einmal kam die Sonne raus, da musste ich natürlich anhalten und ein Foto machen.

Sonne!

schön hier, vor allem mit Sonne

Ein Teil der Wege sind seit dem Scouten für den Track ganz schon zugewachsen, so zum Beispiel hier – da ging dann nur schieben, aber immerhin hab ich kein Wasser in die Schuhe bekommen.

Matschepampe und Nature is healing

Ab und zu ein paar asphaltierte Abschnitte

Ich lernte die paar asphaltierten Abschnitte echt schätzen – mal Lenker locker halten oder ganz los lassen und den Körper durchstrecken und einfach locker weiter pedalieren.

Schutzbleche, so geil.

Ich mag ja Schutzbleche. Sonst hätte ich deutlich mehr Sand zwischen den Zähnen gehabt und Schmodder überall.

Waldpfade

Sandweg mit Seitenstreifen

Hier spricht die Sahara – zum Glück mit einem gut fahrbaren Seitenpfädchen. Eigentlich hab ich nix gegen Pferde, aber einige Reiter scheinen echt doof zu sein und mit Vorliebe Wege zu zerreiten, an denen große Schilder mit durchgestrichenen Pferden angebracht sind.

Jochens Schutzhütte mit Hüttenbuch

Mein erstes Päuschen – an dieser Hütte konnte ich nach dem ersten Junkeinkauf an einer Tanke nicht vorbei fahren.

Ich musste erst etwas unangemessene Wahlwerbung entfernen, aber dann war es dort ganz schön zum Pausieren (nach etwa 47km).

Der Snackvergleich

Ich habe dort einen Vergleichstest durchgeführt zwischen dem Allstar in der Kategorie Salami im Schlafrock Bifi Roll XXL und seinem neuen Herausforderer Vegetarischer Mühlensnack im Teigmantel. Das schreib ich aber noch mal gesondert auf – vorweg nur schon mal, das Rügenwalder dringend an einem schmissigeren Namen arbeiten muss.

Eichenlaub – eine invasive Laubart

Als dann Laub anfing, um meine Laufräder zu wuchern, bin ich weiter.

Bald gab es dann den ersten Heideartigen Blick und auch heideartige Wege.

Diese schmalen, sandigen Wege brauchen viel Aufmerksamkeit, sie sind fast immer gut fahrbar, aber es gibt viele Wurzeln und Löcher und manchmal ziemlich schlecht lesbare Sandflecken.

Je heller der Sand wird, desto größer die Chance, eine spontane Bodenprobe zu nehmen.

Wenn ich mir Zeiten von den ‚richtigen‘ Orbitern ansehe, die hier lang sind, frage ich mich, ob die neben mehr Kraft (sicherlich) auch entweder sehr viel besseres Fahrkönnen, mehr Mut oder einfach nur mehr Stollen am Reifen haben.

Vielleicht bräuchte ich für sowas wirklich ein etwas gröberes Profil auf den Reifen. Lenker entlasten bringt aber schon mal ne Menge.

Ich war absichtlich an einem Freitag unterwegs, ahnend, das auch in der Offseason am Wochenende viele Menschen mit schwer vorhersagbaren Bewegungsmustern unterwegs sein würden.

Season: Die Heide blüht Ende August/Anfang September, dann ist die Heide voller Menschen. Es ist wirklich wunder wunderschön, gerade am sehr frühen Morgen (und bei Sonnenaufgang auch nicht voll).

Wenn die Heide blüht (Archivbild – klick aufs Bild öffnet mein Heide-Album)

Es war auch schon an einem Freitag ganz schön was los, ein Wochenende will ich mir dann lieber nicht vorstellen.

Besonders um Attraktionen herum, z.B. eine Herde Heidschnucken und deren sehr traditionell gekleideten Schäfer waren immer Menschen, die dann auch alles andere in der Nähe leicht vergessen.

Heidschnucken und Ziegen bei der Arbeit

Die Beweidung mit Schafen (und Ziegen) ist wichtig zur Landschaftspflege in Heidelandschaft, weil die Tiere viele Triebe verbeissen und damit das Nachwachsen von größeren Pflanzen verhindern. Ohne die Herden würde die Heide schnell verbuschen und dann verwalden.

Der Track führt auch am Rande des Möhrer Moores entlang, hier über einen dafür angelegten Steg. Bestimmt geil, wenn es nass ist.

Kurz vor Schneverdingen bin ich vom originalen Track abgewichen und nach Schneverdingen reingefahren, um nach 86km mal wieder eine längere Pause zu machen.

Der kleine Dönerteller. Bin froh, dass ich nicht normal oder groß bestellt hab

Nach dem wirklich leckeren (kleinen) Dönerteller hab ich mir beim Bäcker nebenan auch noch ein paar Teilchen für unterwegs gekauft und meine Zuckerwasservorräte aufgefüllt.

Das ist der eigentliche Grund fürs Radfahren. Ich nehm gerade ab, aber beim Radfahren verbrenne ich so viel, dass ich sowas ohne Bedenken essen kann 🙂

Gerade Cola – was ich im Alltag gar nicht mag und deshalb meide – ist auf dem Rad super cool. Akku alle, Cola drauf, nach 5 Minuten fühlt man direkt den jungen Gott in sich und holpert den nächste Anstieg mühlos hoch.

Mit mäßig vollem Bauch zurück zum Track – und endlich wieder nordwärts. Inzwischen war es auch schon deutlich nachmittags und mir kamen erste Zweifel, ob ich es auf dem geplanten Track nach hause schaffen würde, ohne im Dunklen durch den Wald fahren zu müssen.

Seit Schneverdingen hatte ich nun Rückenwind, da rauben lose Kieswege, auf denen sich der Kies unter den Reifen bewegt, schon mal weniger Kraft, als wenn man noch deutlich Wind von vorne hat.

Das Scouting ist wirklich super. Die Wege sind abwechslungsreich und schön. Und die Abwechslung macht es auch spannend. Was kommt als nächstes? Gibts mal wieder einen Abschnitt zur Arm-Entspannung, eine Matsch- oder Sandkuhle? Waldautobahn? Kopfsteinpflaster?

DIE Attraktion in der Lüneburger Heide ist natürlich neben dem lila Heideblühen des Heidekrauts der Wilseder Berg, eine Erhebung von ~160m.

Der Weg dort hoch ist im letzten Stück zwar auch steil, aber das eigentliche Problem, mit dem ich gekämpft habe, war der lose Untergrund, auf dem man irgendwie Traktion übertragen muss – ahja, und mit idiotischen Menschen mit Ebikes, die im Weg rumstanden und noch dumme Sprüche machten.

Ich bin unter leichtem, kontinuierlichen Fluchen hochgefahren, die Rohloff machte es möglich.

Das ist übrigens auch meine Kurzzeitdiebstahlsicherung an der Tanke – Rad in den 1. Gang drücken. Wenn damit einer mit dem Rad abhauen will, denkt er, er hat den Leerlauf drin, so absurd gering ist die Entfaltung. Und wie man bei meinem Rad schaltet, ist einem Gelegenheitsmitnehmer auch erst mal nicht klar 🙂

Outdoor-Menschen am Gedenkstein

Oben auf dem Berg auf einer Bank sitzend und ein Teilchen verdrückend kommt doch tatsächlich einer von den auf dem Weg Rumstehern an und fragt, was das für ein Motor sei, wo der sei, und wo er den kaufen könnte, und er sei so schön leise.

Hab ihn erst nicht verstanden.

Hab ihm, als ich verstanden habe, dass er das komplett ernst meint, erklärt, dass das hinten in der Nabe das Schaltgetriebe ist, und das vorne in der Nabe ein Dynamo – beides keine Motoren. Hat er mehrfach nicht geglaubt. Hab ihm dann erlaubt, das Rad hochzuheben, damit er das Gewicht der Akkus besser fühlen kann.

Blick vom Wilseder Berg nach Süden

Weiter Richtung Heimat, und es wurde schon merklich donkler. Nun gab es ein paar kurze für mich nicht fahrbare Abschnitte – zu tiefer Sand, zu wenig Fahrpraxis damit (und wahrscheinlich wirklich etwas wenig Profil), aber bei dem Sandloch auf dem folgenden Bild hätte mich das auch nicht gerettet, glaube ich.

Sandloch

Zum Glück hab ich auch hier keine Bodenprobe genommen.

Manchmal hab ich mich gefragt, was für ein Sadist sich diesen Track ausgedacht hat. Man keult nen Berg hoch (oder man nähmaschint, je nach Untergrund), und dann kann man nicht mal auf der anderen Seite runter sausen (also ich nicht), weil da ein Sandweg mit schlimmen Wurzeln ist. 🙂

Zum Beispiel geht es einmal über den Brunsberg, knackig hoch und genauso knackig runter. Es gibt da noch zwei weitere Wege, die sahen erstmal flowiger aus. 🙂

Auffahrt zum Brunsberg

Danach hab ich keine Bilder mehr gemacht, es wurde einfach zu schnell dunkel und ich wollte nicht mehr so oft anhalten, ich musste weiterkommen und fertig werden.

Kurbel kurbel kurbel.

Der Körper fühlte sich immer noch ganz gut an – davor hatte ich Schiss, also vor Kontaktstellenaua: Arschweh, Handweh, Fußweh, Schüttelweh. Das war aber ok.

Mein Endgegner war nicht direkt Körper, sondern der (Nicht)Belag der Strecke – das machte mir echt zu schaffen und verlangte trotz zunehmender Müdigkeit viel Konzentration.

Nach einem 5km Stück komplett gerader Waldautobahn hab ich den Originaltrack nach 144km verlassen. Es wurde dunkel, und ich wollte nicht noch weitere Abschnitte über Wurzeln und Sand oder tiefen Kies fahren, weil das im Scheinwerferlicht durch die Schatten zwar gut sichtbar, aber auch durch die Schatten für mich nicht mehr gut lesbar war. Ich hab mich entschieden, zur nächsten Landstrasse zu fahren, und dann auf Radwegen oder Strasse nach hause zu ballern – Kraft hatte ich noch genug.

Interessanterweise ist mein Schnitt auf diesem letzten Abschnitt enorm gewachsen – von im Durchschnitt 16km/h vorher zu einem 19er Schnitt. Der Belag macht echt tierisch was aus, mehr als ich mir bisher eingestanden habe – ok, und rein nach Harburg ging es auch mehr bergab als bergauf, und ich konnte bergab richtig Hafer geben.

Fahrzeit, nicht Gesamtzeit! Die war 12,5 Stunden.

Die besten Finisher sind diesen Orbit in etwas über 5 Stunden, also mit einem Durchschnittstempo von 31km/h !! gefahren. Ich glaub, da wäre ich vor Angst gestorben (vor allem Berg runter und beim Beinahe Umfahren von Passanten und Hunden), mal abgesehen davon, dass ich auch auf der Strasse nicht für 5 Stunden einen 30iger Schnitt fahren kann. Vielleicht für eine, und dann ist direkt Licht aus.

Da ist also noch Luft nach oben 🙂

Insgesamt hat mich diese Runde in meinem Tempo sehr glücklich gemacht. Auch sehr durchgeschüttelt (Schüttelschmerz im Winkfleisch!), aber ich weiß nun, dass ich 160km in 12 Stunden mit großzügigen Pausen zum Gucken wegtreten kann, auch wenn die Strecke ruppiger und hügliger ist als ich mir das selbst aussuchen würde.

Heute (einen Tag später) tut mir etwas der tiefe Rücken weh (aber da hab ich eh ne alte Kriegsverletzung) und als ich vorhin ~5km mit dem anderen Rad gefahren bin, hab ich deutlich die Arschknochen gespürt. Auf dem Rad hab ich den gleichen Sattel drauf, hatte aber ne Alltagshose ohne ‚Leder‘ an.

Ich muss dann wohl doch fleissig trainieren und vielleicht auch etwas profiliertere Reifen aufziehen, und dann die anderen Orbit-Tracks hier in der Umgebung wegfahren…

Yay.


Die ganze Tour bei komoot:


Oder als Video (Relive):

Über die Seeve- und Ilmenauniederung zum Sperrwerk Geesthacht, durch die Viermarschlande zurück

Ich hatte mir vorgenommen, eine Runde über Geesthacht zu drehen – schön südlich der Elbe durch die Marschen und Niederungen der Seeve und Ilmenau rappeln, dann über das Sperrwerk in Geesthacht auf die Nordseite der Elbe und über den alten Bahndamm der Marschlandbahn rein nach Hamburg, über die Veddel und Wilhelmsburg zurück nach Harburg.

Die Strecke

Das Wetter war aber eher so meeh. Als ich loswollte, nieselte es. Also warten – noch mehr meeh. Dann wurde es etwas besser, ich hab mich in meine Radfahrkluft geworfen, bin los gefahren – und es begann ernsthaft zu regnen 🙁

Nach ein paar Kilometern fiel mir dazu noch auf, dass ich gar keine Radhandschuhe an hatte – die sind mir wichtig, weil sie durch Gel-Einlagen das Geruckel gut wegdämpfen und ich sonst Druckstellen und Kribbelschmerzen an den Stellen, durch die die Sehnen am Handgelenk gehen, bekomme.

Humpf. Und immer noch Regen.

Ok, einfach nachhause fahren, wie so ein HandschuhTurnbeutelvergesser… das geht nicht. Ich hab erst gerade wieder in einem Podcast gehört, dass man selbst das Silkroad Mountain Race nicht wegen vermeindlicher Ausrüstungsprobleme abbricht, sondern in Wirklichkeit, weil man nicht genug Willen hat, es durchzuziehen. Das gilt dann irgendwie auch für eine simple Samstagausfahrt.

Ich könnte aber abkürzen. Statt über die Staustufe die Fähre Hoopte – Zollenspieker nehmen, das würde etwa ein Drittel sparen. Oder nur nach Hoopte fahren, ne C-Wurst mit P-RW essen, und zurück…

Während ich so radelnd vor mich hinoptionierte, regnete es erst wärmer, dann auch weniger.

Das Rad mit großer Tasche – ich hatte Bereitschaft und musste mein Laptop dabei haben.

Irgendwann war ich dann auch an der Stelle, an der ich nach Norden Richtung Fähre hätte abbiegen müssen, vorbei. Das ist ein Vorteil von der Navigation mit dem Radcomputer, man sieht das Große&Ganze nicht, sondern immer nur das nächste Stück 🙂

Inzwischen hatte der Regen ganz aufgehört, die Wege durch die moorigen Felder und Wiesen waren auch alle gut fahrbar und es rollte gut.

Der Herbst kommt mit großen Schritten. Der Mais stand hoch, die Sonnenblumen hatten fertig.

 

Von der Staustufe Geesthacht (bestehend aus dem Wehr, der Schleuseninsel, zwei Fischtreppen und zwei großen Schleusen) hab ich nur ein Bild gemacht, auf der Bundesstrasse, die quer über die Staustufe führt, ist ziemlich viel Verkehr, da wollte ich mich nicht so lange aufhalten und ich war auch schon öfter hier – zum Gucken, aber auch mit dem Boot zum Schleusen Richtung Berlin.

Eine der vier Wehröffnungen

Hier endet die Tide-Elbe. Oberhalb Geesthachts sind die Wasserstände nicht mehr Ebbe und Flut unterworfen und die Elbe kann bis nach Tschechien ohne weitere Staustufen befahren werden, wenn genug Wasser da ist.

Bei den Schleusen und bei den Fischtreppen kann man durchaus länger gucken, der Westteil der Schleuseninsel ist wunderschön und lohnt eine Beschlenderung.

Schleuseninsel – Archivbild aus 2009

Auf der Nordseite der Elbe angekommen ging es am Südrand der Besendorfer Sandberge (mit den immer noch sehenswerten Ruinen der Pulverfabrik Düneberg darin) entlang Richtung Marschlandbahn.

Die Marschlandbahn bzw. deren ehemalige Trasse  wurde zu einem Radweg ausgebaut, auf dem man ampelfrei bis in die Hamburger Innenstadt (Deichtorhallen) fahren kann!

Die Trasse war eingleisig, somit  ist die Strecke das auch. Zum großen Teil besteht der Weg aus zwei Fahrspuren und Gras in der Mitte. Bei gutem Wetter am Wochenende im Sommer ist hier sehr viel los, zügiges Fahren geht dann nicht mehr.

Aber das Wetter war ja eher so mittel, da konnte ich zügig fahren.

Hier hab ich es wieder verpasst, abzukürzen oder zumindest ne C-Wurst am Fähranleger zu essen – ich hätte von hier die Fähre zurück nach Niedersachsen nehmen können, aber ich hatte bislang nicht die befürchteten Schmerzen in den Handwurzeln und war mir sicher, dass ich die kommenden ~35km auch noch schaffen würde.

Die Trasse der Marschlandbahn und damit der Radweg endet kurz vor der Schleuse Tatenberg, die hier die Dove-Elbe Richtung Bergedorf von der Tide-Elbe abtrennt.

Der Holzhafen mit Kraftwerk Tiefstack im Sonnenlicht

Hinter der Tatenberger Schleuse führt der Radweg dann weiter entlang des Deichs über die Insel Kaltehofe mit dem ehemaligen Wasserwerk Kaltehofe mit seinen architektonisch sehr verspielten Zweckbauten (angucken lohnt sich) und über das Sperrwerk Billwerder Bucht nach Entenwerder und unter der B75 (Neue Elbbrücken) durch.

Hier könnte man weiter dem Deich in Richtung Westen folgen bis zu den Deichtorhallen und wäre direkt in der Hamburger Innenstadt angekommen.

Ich bin aber Richtung Süden abgebogen und auf gewohnten Pfaden über Veddel und den Wilhelmsburger Inselpark nach Harburg zurück gekehrt.

Die alte Harburger Elbbrücke wird gerade saniert und ist deswegen nicht befahrbar

Eine schöne Tour bei letzlich doch tollem Fahrradwetter – nicht zu warm, nicht zu windig, und der neuen Erkenntnis, dass ich auch bei über 80km langen Touren auf diesem Rad nicht zwingend Handschuhe brauche, das ist wirklich toll.

Ob das an der Sitzhaltung, an der größeren Elastizitiät des Rahmens, dem geringeren Luftdruck zusammen mit den breiteren Reifen liegt – oder an allem zusammen – ich weiß es nicht, aber ich freue mich sehr darüber.

Ich bin zum ersten Mal die Tasche angebautem Gepäckträger spazieren gefahren, weil ich Arschraketen (große, nach oben ragende Satteltaschen) scheisse finde. Hier etwas mehr zu dieser Tailfin-Tasche.


Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

 

Auf Schleichwegen nach Cuxhaven

Ok, da ist nun dieses neue Rad – bisher bin ich nur ein paar kurze (~40km) Runden gefahren, und hab mich dabei wohl gefühlt – nun war dann mal eine richtige Probefahrt notwendig.

Und ich wollte mal nicht eine Runde fahren, sondern in eine Richtung. Von Hamburg-Harburg aus kommt einem da Cuxhaven in den Sinn – die ‚Stadt‘ zwischen Elbe- und Wesermündung.

Cuxhaven hat einen Bahnhof, und von dort aus fährt eine Regionalbahn nach Harburg, ein praktischer Rückholservice für einen erschöpften Proberadler. Bonus – der RE hält auf dem Weg nach Harburg so ziemlich an jeder Milchkanne. Sollte ich aus Gründen (Bocklosigkeit, Schmerzen, schlimmes Wetter) schon vor Cuxhaven genug haben, könnte ich auch einfach schon an einem Bahnhof vor Cuxhaven  in die Bahn hoppeln.

Ich hab mich an die Planung gemacht (dazu ist schon ein Kartennerd-Artikel in der Mache) – 120km sind es dann doch, wenn man nicht einfach die B73 (in Harburg auch schlicht Cuxxe genannt, ich vermute da einen Zusammenhang) entlang ömmeln will (will man nicht, da fahren viele Autos).

Ich hab mir zum Ziel gesetzt, 15km pro Stunde zu schaffen – mit gucken, fotografieren, Pausen, essen/trinken nachkaufen, vom Radcomputer foppen lassen und so weiter ist das eine immer noch gemütliche Fahrgeschwindigkeit um und bei 20 km/h im Durchschnitt (in Wirklichkeit fährt man dann so 25, der Durchschnitt sinkt durch jeden geschlossenen Bahnübergang/Ampel/Kuh auf dem Weg), und mit 15 und auch 20 km/h kann ich gut überschlägig rechnen, um rauszufinden, wie lange ich unterwegs bin, und damit auch, wann ich los muss, um auch irgendwann anzukommen, bevor es dunkel wird oder die vorletzte Bahn fährt (Lifehack: Nie mit der letzten Bahn planen! Wenn man umsteigen muss und/oder Regionalbahn im Spiel ist, nicht mal mit der vorletzen).

Leider sah das Wetter am Vorabend eher schlecht aus, regnerisch, ziemlich regnerisch. Am nächsten Morgen war dann aber erstmal Trockenheit absehbar, erst ab nachmittag war über Cuxhaven stellenweise Regen angesagt.

Also früh um 07:00 los – zumindest war es nicht kalt (kurz und kurz ohne zu frieren selbst beim Losfahren), aber doch sehr trübe.

So früh am morgen fahre ich gerne – es sind wenig Menschen unterwegs. Ein guter Teil des Weges geht direkt an der Bahntrasse entlang, immer mal wieder mit Seitenwechseln und mit unterschiedlichen Oberflächenzuständen.

An der Bahn lang

Eigentlich mag ich diese wassergebundenen Decken, aber nach starkem Regen nerven sie, wenn dort auch Autos fahren, gibt es schnell ausgefahrene Löcher, in denen dann Wasser steht – zum Graveln ist das geil, aber als tägliche Fahrradinfrastruktur ist das schlicht scheisse.

Die Route war selbst quer durch Stade abseits befahrener Strassen gelegt, da kann man dann auch mal ’nen kleines Päuschen mitten in Stade machen.

Wie Du auf dem oberen Bild siehst, hab ich relativ wenig Gepäck dabei – Werkzeug, Flickzeug, Regenzeug, ein paar Müsliriegel und Wasser. Die Versorgung mit Energie musste also unterwegs erfolgen.

Ich hab die Route deswegen so gelegt, dass alle 20 bis 30 km eine Tankstelle, ein Cafe/Bäcker oder ähnliches direkt auf der Strecke liegt, das hat auch gut funktioniert und ich hab mir echt schlimme Dinge gekauft.

Auf der weiteren Strecke hatte ich dann auch mal sonnige und sandige Abschnitte.

Sand (wie in Buddelkistensand) hätte es jetzt nicht unbedingt sein müssen, aber es ging ja auch wieder vorbei.

Ab hier hat es immer mal wieder kurz geschauert, Regenjacke überziehen hat es aber zuverlässig nach wenigen Minuten gestoppt.

Kurz vor Otterndorf am Hadelner Kanal hat dann die Route nicht gestimmt, die Strasse endete einfach auf einem Privatgrundstück. Der Besitzer war das schon gewohnt. Naja, dann eben zurück.

Falsches Routing

Dafür war ich nun fast am Wasser, auf der großen Wiese aussendeichs vor Otterndorf war ein Drachenfestival mit wirklich tollen fliegenden Figuren.

Drachenfestival

Drachenfestival bei Otterndorf

Vielleicht sollte ich doch immer eine kleine richtige Kamera einstecken, sowas ist mit dem Handy echt nur ein achtel so toll.

Aber mit dem Erreichen der Elbe war auch schon die schlimme schwarze Wand absehbar, die da auf mich zu kam.

An der Elbe

Schlechtes Wetter im Anmarsch

Genau da wollte ich hin, nach Cuxhaven.

Das ist dann auch das letzte Foto von dieser Tour, weil im Anschluss sehr schnell sehr viel, teilweise gefrorenes Wasser herunter kam.

Die Strecke nach Cuxhaven ist von hieraus auf den ersten Blick ganz schön: Geteert, einigermaßen breit, durch die Viehweiden vor dem Deich radeln. Aber: Alle so 500 bis 1500 Meter muss man ein Viehgatter öffnen – dafür muss man aus dem Sattel und einen Arm heben, ein Fuss auf den Boden, das macht, dass das Wasser neue Wege in die Jacke findet (am Hals, am Ärmel, die eigentliche Jacke ist dicht). Und das immer wieder – nervt.

Das ist ein offizieller Fernradweg (CUX-HH), ich wäre echt bedient, wenn ich auf so einem Weg Strecke machen will und alle paar Umdrehungen anhalten und ein Tor öffnen muss. Bei besserem Wetter ist da bestimmt auch einiges los, selbst bei diesem Dreckwetter waren ne Menge eher ungeübte Partnerlookpärchen mit Ebikes zugange. Notiz: Solche Wege in Zukunft eher meiden.

Das letzte Stück war aufgrund der zunehmenden inneren Nässe, des Gegenwindes mit Hagel und Starkregen eher unangenehm,  anstatt mir noch etwas Cuxhaven anzusehen, bin ich direkt zum Bahnhof und in den dort stehenden RE geplumpst.

Leider waren auf der Rückfahrt eine Menge Fussifans mit im Zug, die sich im Bezug auf die einfachsten Regeln des gemeinsamen Zugfahrens überhaupt nicht im Griff hatten.

Das nächste Mal also wieder Rundtour 🙂

Das Rad passt mir gut, ich hatte deutlich weniger als erwartet Aua (etwas tiefer Rücken), natürlich war ich erschöpft und ich merke ne Menge Sehnen und Muskeln, aber ich hatte keine tauben Kontaktstellen oder Arschweh, wie sonst gerne mal, wenn ich länger nicht lange Strecken gefahren bin.

Geilo!


Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

Ein neues Fahrrad für Ausflüge und zum Abreagieren

Früher[tm] habe ich längere Radreisen unternommen (längere wie in zum Nordkap und zurück). Spätestens seit dem Umzug nach Hamburg habe ich das Rad eigentlich nur noch als Verkehrsmittel genutzt, mein 3×8-Gänge-Hydraulikbremsen-Blackburn-Träger-Superduper-Reiserad war nach über 15 Jahren Nutzung ziemlich auf und wich einem Stadtrad mit Nabenschaltung (die Bremsen und den Sattel hab ich da dann aber wieder drangeschraubt…).

Seit 2017 habe ich ein Stromrad. Das hat dazu geführt, dass ich die ~40km Arbeitsweg am Tag wirklich bei jedem Wetter (auch im Winter, solange es nicht glatt war), gefahren bin. Man kann einfach viel entspannter Regenzeug oder warme Klamotten tragen, ohne gleich eine eigene Sauna zu betreiben und muss dann am Ziel nicht duschen. Dieses Rad wurde mir nach 2,5 Jahren mit ~17.000 km Laufleistung aus dem Keller geklaut. Ich hab mir dann aber wieder ein ähnliches gekauft und den Keller mit Wanddübeln, sehr dicken Ketten und soweiter gegen Diebe verbonkert.

Das Stromrad nutze ich eigentlich nur für Termine, nicht für Ausflüge. Auch, weil ich da nicht alleine bin und ein Stromrad unfair gegenüber den anderen ist.

Dann kam die Pandemie und Homeoffice. Und ich hab richtig zu genommen, keine täglichen 40km machen selbst mit einem Stromrad einiges aus, wenn man genauso weiter frisst wie vorher.

Im April 2020 hab ich angefangen, einfach so aus Bewegungswillen mit meinem normalen Rad (man sagt jetzt Bio-Bike, wie bekloppt. Bio-Break, Bio-Bike, Bio-BallerBaller) rumzufahren. Es erschien mir falsch, das mit dem Stromrad zu tun, bzw. es bringt einfach mehr für den Körper, wenn man auf Hilfe verzichtet beim Ballern.

Dieses Rad hat mich wieder auf den Geschmack gebracht, ich hab die Gesamt-Übersetzung verändert, so dass es berggängig genug für die Harburger Berge ist und bin wieder längere Tagestouren (so bis 100km) gefahren. Dafür wurden mir die Veränderungsmöglichkeiten des Rades aber zu gering, und ich hab mir nach langem Herumnerden auf Fahrradwebseiten ein neues Rad bestellt, das mehr meinen Anforderungen entspricht:

  • insgesamt bequeme, aber sportlichere Sitzhaltung
  • deutlich mehr Elastizität im Rad (das Stadtrad ist bocksteif, was auf längeren Strecken enorm ermüdend wirkt)
  • Getriebenabe (ja, aus meiner Sicht: Kettenschaltung stinque), aber mit großem Übersetzungsbereich und Riemenantrieb, da ich gerne im Dreck fahre. Der Wartungsaufwand ist einfach viel geringer, beim Riemenantrieb genau null (das geklaute und das aktuelle Stromrad haben Riemenantrieb, es ist ein Traum, Abnutzung bisher nicht messbar)
  • mehr Umgreifmöglichkeiten am Lenker trotz Getriebenabe, also Dropbar/Rennlenker
  • 28er Laufräder, auf die schnelle und gleichzeitig komfortable Reifen montiert werden können
  • genug Ösen für eventuelle Montage von Schutzblechen, Gepäckträgern, Flaschenhaltern und Zeug für Touren mit Übernachtungen
  • Stahlrahmen. Nachhaltiger, elastisch, reparierbar.
  • sehr gutem Dynamo und Licht – auch zur Stromversorgung für Radcomputer/Handy bei längeren Touren

Der Hersteller nennt die Grundkonfiguration Gravelbike, ich würde sagen, es ist irgendwo zwischen klassischem Randonneur und Rennrad mit Hochgeschwindigkeitstreckerreifen.

Und abgenommen hab ich. Noch nicht genug (so 15kg bisher), aber schon mehr, als ich mir im letzten Jahr draufgefressen habe. Deswegen musste ich keine gewichtssparenden und aus Umwelt- und Haltbarkeitssicht mehrfach zweifelhaften Carbon-Komponenten bestellen – die weitere Gewichtsreduzierung des SYSTEMgewichts findet nicht am Gerät, sondern am Körper statt 🙂

Seit ein paar Tagen hab ich das Rad endlich – es war eine lange, schwierige Wartezeit, weil gerade alle wie bekloppt Fahrräder kaufen und irgendwelche Zwerge in einem Bergwerk im Allgäu meinen Rahmen zusammendengeln und dann noch die gewünschten Komponenten jagen gehen mussten.

Ich hab mir richtig was gegönnt – will sagen: Es war wirklich teuer, es gibt wohl viele Leute, die weniger für ihr Rad ausgeben, als ich für die Lichtanlage, und immer noch viele, die weniger Geld für ihr Rad ausgeben, als ich für die Schaltung – aber es ist wirklich geil.

Genug der Rechtfertigung – ich hab mir das einfach GÖNNUNG^wgeleistet.

Lieferung – die Spedition war super, hatte noch nie so viele und genaue Angaben, wann die bei mir auftauchen – inklusive einer Ankündigung/Entschuldigung einer halbstündigen(!) Verspätung. Wir sind doch nicht in der Schweiz – sehr, sehr geil.

Ein Riesenkarton. Auspacken.

Fahrrad im Transportkarton

Zusammenbauen: Lenker montieren, Pedale montieren. Sattelhöhe korrigieren. Reifendruck – ok. Licht – ok.

Faaaan…

Is geil.

Es macht tierisch Spaß – will sagen, es fährt geil und ich finde, es sieht auch geil aus:

Rennstahl Rohloff Gravel XL

Rennstahl Logo

Kühlerfigur

Wenn man näher ran geht, fällt das Logo auf – das sieht aus wie eine Northrop B-2 Silhouette im Leni Riefenstahl Style. Oder wie ein Ufo aus Neuschwabenland. Das ist mir vorher (beim Rumnerden) überhaupt nicht aufgefallen. Es ist aber wohl einfach das A aus RennstAhl.

Für Radnerds ein paar mehr Details (alle anderen können hier eigentlich aufhören, zu lesen):

  • Die Rohloff wird mit Campa-Brems/Schaltgriffen geschaltet, das ist möglich durch die Rohbox. Mit dem linken Bremsgriff schalte ich hoch (1 oder 2 Gänge in einem Zug), mit dem rechten runter. Funktioniert astrein, die Abstufung ist angenehm klein und gleichmäßig. Es gibt keine Ganganzeige, hab ich aber bisher auch noch nicht vermisst – ich schalte einfach so, dass ich mich in einer 80/90 Kadenz befinde und gut, so wie mit dem alten Rad auch (da gab es eine Ganganzeige, aber kaputt).
  • Eine Klingel bräuchte ich eigentlich nicht, der Freilauf ist laut genug, dass die meisten davon aufmerksam werden 🙂
  • Licht. Also Licht, so wie im Auto. SON Edelux II macht ein klares,
    Forumlader App Screenshot

    Forumslader App – Screenshot

    großes, komplett gleichhelles Lichtfeld vom Vorderrad bis zum klar definierten Ende. Ich trau mich damit, in kompletter Dunkelheit (ohne Strassenbeleuchtung) 30 zu fahren, weil die gut beleuchtete Wegstrecke so groß ist, dass ich darin anhalten könnte. Trotzdem geht kein Licht in den Gegenverkehr oder reflektiert von Strassenschildern, wie bei anderen (selbst bei anderen zugelassenen) Scheinwerfern.
    Warum hat mir das vorher keiner gesagt?
    Ich hab einen Forumslader, also ein per Dynamo-Wechselstrom ladbare Powerbank, mit der man wiederum per USB andere Dinge laden kann. Der SON Nabendynamo macht da nen guten Job. (Screenshot von der zugehörigen App)

  • Reifen: Schwalbe G-One Allround. Ich bin erst 100 km oder so gefahren, ich empfinde sie als angenehm und sicher zu fahren. Sie sind leise, kein unangenehmes Surren oder so, aber dafür haben sie dann auch zu wenig Profil?
    Die gibts übrigens auch mit Reflexstreifen, leider sind meine ohne – werde mir wohl noch diese Speichenleuchtdinger reinpopeln (müssen).
    Ich fahr die mit Schlauch, ich finde, das tubeless ne ziemliche Sauerei ist.
  • Pedale waren schwierig zu bekommen, ich hab jetzt erstmal welche mit Klick und Flat auf der Rückseite (wie an meinen anderen Rädern auch). Ich finde ich ja Flats in bestimmten kitzligen Situationen gut, auch wenn ich mal kurz barfuss oder mit normalen Schuhen fahren will.
  • Transport: Ich hab vorne ne Klickfix/Ortlieb-Lenkertaschen-Halterung und für hinten einen schnellabnehmbare Rack/Taschen-Kombi (Tailfin Aero Trunk Top Bag). Das soll erstmal reichen und zur Tailfin Tasche schreib ich bestimmt noch mal was gesondert, wenn ich die auch wirklich benutzt habe – die Anmutung und die Montage ist super. Ich finde jedenfalls Arschrakete doof, die Tailfin bewegt sich keinen Millimeter und lässt sich leicht (in 20 Sekunden) abnehmen oder ansetzen.
  • Sattel ist der für mich schon bewährte Brooks Cambium C17 mit Loch, den hab ich auf allen Rädern.
  • Die ersten kürzeren Fahrten zeigen, dass die Rahmengeometrie, Lenkerabstand und so weiter erstmal gut passen. Der Lenker kann, wenn ich es sportlicher will, tiefer – die Spacer sind unterteilt und damit variabel.
  • Warum genau dieses Rad? Eine Getriebenabe war für mich gesetzt, ich hab auch Pinion-Räder probegefahren, mich aber für Rohloff entschieden  (Video, in dem die Unterschiede zwischen Pinion und Rohloff gut erklärt werden). In der engeren Auswahl waren noch Veloheld (das Rad ist sehr schön filigran, aber eher was für die Stadt und kürzere Strecken), Toutterrain (viele von Vielfahrern durchdachte Details, aber mir zu Reiseradig (z.B. fest angeschweisste, geile Gepäckträger)). Rennstahl gibt es nur in sehr wenigen Fahrradläden, ich war dafür in Berlin und hab mir dort Rennstahl-Räder angesehen und probegefahren. Ich fand die von den Details sehr gut, hübscher und leichter als Toutterrain und trotzdem stabil. Ausserdem musste ich mir keine Farbe oder Lackierung aussuchen. Die Rahmen werden in Deutschland gebaut, und die Auswahlmöglichkeiten zur Konfiguration hatten alles, was mich interessiert.

Dann hoffe ich mal, dass ich mit dem Rad wieder mehr Beiträge hier schreibe, die mit dem eigentlichen Thema des Blogs zu tun haben.

Ich möchte auf jeden Fall noch die drei Hamburger Orbits von 2021 abfahren, auch wenn die eigentliche Serie vorbei ist.

Und dann mal gucken. 🙂