Archiv für den Monat: September 2021

Extrablatt: Salami im Schlafrock – der TEST

Wie in Marsian Mountains – na fast bereits angeteasert, folgt hier der große Salami im Schlafrock Vergleichstest.

Die Kontrahenten sind (trommelwirbel):

Die Kontrahenten

Warum?

Ich brauche beim Radfahren leicht nachfüllbare Energie, und zwar ab und zu auch mal was salziges, nicht immer nur süsses. Die in Frage stehenden Produkte schmelzen nicht, haben eine stabile Verpackung, und sind leicht an der Tanke zu bekommen, nehmen Geknautsche in der Lenkertasche nicht all zu übel, sind auch im Fahren leicht weggemümmelt und sie sauen einem nicht die Hände, Handschuhe oder Klamotten ein.

Ich werde diese Reihe aber auch mit Süssem fortsetzen, dazu fräse ich mich gerade parallel durch Fruchtschnitten und Anverwandte.

Die Bifi (es gibt einen Haufen unterschiedliche Sorten) ist eine Minisalami eines mittelständischen deutschen Herstellers, der von Unilever aufgekauft wurde und später den Namen und das Produkt an den us-amerikanischen Fleischsnack-Hersteller Jack Link’s verkauft hat. Produziert wird die Bifi wohl immer noch in Ansbach. Mehr zum Hintergrund von Bifi bei Wikipedia.

Der Konkurrent gibt sich modern, fleischlos und kommt von Rügenwalder Mühle, ebenfalls einem deutschen Fleischproduzenten, der seit 2014 immer mehr fleischlose, aber fleischartige Produkte anbietet. Mehr zum Hintergrund von Rügenwalder Mühle bei Wikipedia.

Rügenwalder hat bei uns einen Bonus. Sie bieten ein vegetarisches Produkt (vegetarische Mühlenfrikadellen) an, auf das unser Kater hereinfällt und es für katzenessbar hält – er hat sonst ein sehr feines Näschen für den Unterschied zwischen gemüse- und fleischbasierten Fertigprodukten und das ist für uns ein guter Gratmesser, ob es lecker ist 🙂

Die Bifi hab ich als XXL Version getestet, ich hoffe mal, dass sich diese von der Zusammensetzung und so weiter nicht von der normalen Version unterscheidet, an der Tanke gab es nur diese.

Interessant ist, dass Bifi speziell für ’nach dem Feiern‘ bewirbt. Also, wenn man Brand hat, dringend was in den Magen braucht und wegen der Elektrolyte auch gleich was salziges will. Das macht Sinn, ist aber auch gleichzeitig etwas arm…

Sensorischer Test

Oben Bifi, unten Mühlensnack

Komplett auspacken sollte man beide lieber nicht – lecker sieht das nicht aus, eher wie ein schlimmer Unfall beim Backen mit Kindern.

Also immer schön aus der Packung raus essen!

Bei der Bifi fällt uns (Nadja hat mit getestet) auf:

  • da isser sofort – der klassische, widerlich-geile Geruch beim Öffnen
  • das ‚Brot‘ ist trockener und etwas härter, aber keine Sorge, Zähne braucht man dafür nicht. Das Brot hat kleine Löcher.
  • Die ‚Wurst‘ besteht deutlicher aus unterschiedlichen, weicheren und härteren Elementen, ist insgesamt härter und muss schon gebissen werden (hier sind Zähne eindeutig von Vorteil). Kaut sich gut, salzig.
  • Im Abgang schmeckt man eine leichte, typische Billig-Salami-Säure, auch wenn eine richtig gute Salami gar nicht sauer ist

Links Bifi, rechts Mühlensnack

Bei der Rügenwalder ist uns aufgefallen:

  • das Brot ist süsser, aber auch salziger und noch weicher
  • die ‚Wurst‘ besteht aus einer eher gleichmäßigen Masse und ist insgesamt nicht so fest wie die Salami
  • angenehmer Geruch
  • kein unangenehmer Nachgeschmack
  • der Name ist scheisse! Daran muss Rügenwalder echt noch arbeiten. „Ich hätte gerne einen Vegetarischen Mühlensnack im Teigmantel“ klingt irgendwie komisch, oder?

Nährwerte

Nährwerte Mühlensnack

Nährwerte Bifi

Nährwerte auf 100g Bifi Mühlensnack
Brennwert (kcal) 459  357 
Fett (g) 31 21
Kohlenhydrate (g) 31 29
Protein (g) 14 13
Salz (g) 2,3 2

Die Bifi hat also mehr bums, und wenn man mal abseits von Tagestouren auf dem Rad etwa 2000 kcal für einen Tagesgrundumsatz (für einen mittelalten, zu fetten, eher großen Mann) annimmt, schon ein sattes Viertel davon!

Kosten

Der Mühlensnack ist deutlich teurer, nimmt man die Preise für 20iger bzw. 24iger Großpackungen, kostet ein Mühlensnack (50g) 1,45 Euro, eine (40g, also nicht xxl) Bifi im Teigmantel nur 83 Cent.

Gleichzeitig ist Bifi auch leichter verfügbar, der Mühlensnack eher ein Exot in der Tanke.

Fazit

Generell sind beide Produkte geschmacklich schon sehr nah bei einander, ich finde den Mühlensnack geschmacklich besser, aber die Bifi vom Kauen her befriedigender.

Ich behaupte, dass es sehr schwer ist, diese gezielt unterscheiden zu können, wenn man sich nicht darauf vorbereitet und beide direkt vergleicht.

Die Unterscheidung ist allerdings sehr leicht, wenn man direkt eine Nase an der gerade aufgerissenen Verpackung nimmt, weil so ekelhaft und gleichzeitig geil riecht einfach nur Bifi.

 

 

Marsian Mountains – na, fast

Es gibt seit Corona eine Gravel-Rennserie, die es auch unter Coronabedingungen möglich macht, sich mit anderen zu messen.

Hä?

Gruppen-Spocht oder gemeinsame Ausfahrten machen fand in 2020 und in Teilen von 2021 nicht statt, weil gefährlich und verboten.

Aus diesem Grund hatten ein paar Leute die Idee, alle Interessierten auf den gleichen Strecken zu individuellen Zeitpunkten gegen sich selbst fahren zu lassen und hinterher die Zeiten zu vergleichen, weil es ja irgendwie kompetetiv sein muss (bei den meisten).

Es wurden in ganz Deutschland Strecken mit den folgenden Eigenschaften ausgekundschaftet:

  • es geht viel über Stock und Stein – mit einem Gravelrad (quasi ein Rennrad mit Treckerreifen und meist etwas besseren Haltungsnoten für den Betreiber) oder einem leichten Moutainbike.
  • Strassen (so wie in Rennrad oder Auto) gibt es eigentlich nur zum Überqueren oder zum in den nächsten Feldweg abbiegen.
  • Die Strecken gehen durchs Grüne, meist durch landschaftlich besonders schöne Abschnitte.
  • die Strecken sind Rundkurse
  • man kann überall auf dem Rundkurs einsteigen und fährt dann eben wieder bis zu diesem Punkt. Neu in 2021: man darf auch gegen den Uhrzeigersinn fahren 🙂
  • die Strecken sind so angelegt, dass entsprechend ambitonierte Radler diese an einem Stück fahren können – von 150 bis 220km.

Diese Art von Rennen sind selfsupported, d.h., es gibt kein Team, kein Begleitfahrzeug, man darf keine Wartungs- oder Fressposten an der Strecke platzieren, man fahrt das eben allein (oder seit 2021 auch zu zweit) und regelt alles, was damit unmittelbar zusammen hängt, selbst.

Das ganze nennt sich als Serie Orbit360 und hat natürlich ne Webseite, eben https://orbit360.cc/ und ist in der Ruckelrad-Szene eingeschlagen wie eine Bombe.

So sehr, dass es zum Ende der Serie richtig in Arbeit ausgeartet ist, die Ergebnisse zu erfassen und auszuwerten – es gibt einen schönen Podcast dazu in der Wundersamen Fahrradwelt.

Anscheinend sind Gravelfahrer etwas individualistischer (lies: Eher nicht in Radsportvereinen organisiert) unterwegs, zugleich bringt genau so eine Organisation alle, die sich irgendwie zur Szene zugehörig fühlen, zueinander. Das ist toll.

Die Strecken (es gibt in jedem Bundesland eine) sind auf komoot zu finden, und da komme ich dann als bekennender Nichtkompetetiver ins Spiel – man kann diese sehr gut gescouteten Strecken natürlich auch ausserhalb des Fensters, in denen es Wertungen gibt, abfahren – zum Vergnügen.

Möchte man an der Wertung teilnehmen, zahlt man (für alle Orbits zusammen, egal, wieviele man fährt) ein geringes Startgeld und muss latürnich exakt auf dem gescouteten Track bleiben, oder wenn man von ihm abweicht, um Einzukaufen, wieder an der gleichen Stelle auf den Track zurückkehren. Im Anschluss lädt man einen eigenen Track hoch, der dann gegen den Master gedifft wird, um in die Wertung zu kommen. Mehr zu den Wertungsdetails und alles andere wichtige gibts auf der Orbit360 Webseite.

Ich will nicht ausschliessen, dass ich da nächstes Jahr auch im Rennzeitraum mitmache, aber dieses Jahr hatte ich kein dafür geeignetes Rad, das hat sich ja nun geändert.

Deswegen bin ich am Freitag mal zur Probe einen Orbit gefahren – Hamburg hat das Glück, gleich drei Orbits zu haben, den Hamburger (logo) und aber auch den schleswig-holsteinischen und den niedersächsischen, und den bin ich gefahren – er geht 5km von unserer Wohnung los.

Mich hat interessiert, wieviel mehr Kraft es kostet, wenn der größte Teil der Strecke keine geschlossene Decke hat (Spoiler: Boah, erheblich), wie das mit den Höhenmetern ist und ob ich das überhaupt bringe.


Also – the Marsian Mountains ~160km, ~1200 Höhenmeter, Ende September mit Tageslicht von grob 07:00 bis 19:00 Uhr, also 12 Stunden Zeit, um das zu schaffen.

Das Wetter war eher so naja – zumindest sollte es nicht regnen. Ich bin kurz vor halb acht losgefahren, erstmal zum Track.

Mein Einstiegspunkt in den Track waren die Harburger Berge, auf breiten, verdichteten und damit gut fahrbaren Waldwegen, aber dafür gings auch schon mal ganz schön hoch und runter, ich hatte gleich hier den höchsten Puls des Tages 🙂

Harburger Waldwege

Bare with me, das Haupteinstellrad der Kamera verschiebt sich leider sehr leicht, wenn ich sie aus der Tasche ziehe. Wenn ich auf dem fahrenden Rad sitze und es ruckelt, bemerke ich das nicht immer und dann kommen technisch nicht ganz einwandfreie Bilder wie das oben raus.

Das Wetter war weiterhin so lala, einmal kam die Sonne raus, da musste ich natürlich anhalten und ein Foto machen.

Sonne!

schön hier, vor allem mit Sonne

Ein Teil der Wege sind seit dem Scouten für den Track ganz schon zugewachsen, so zum Beispiel hier – da ging dann nur schieben, aber immerhin hab ich kein Wasser in die Schuhe bekommen.

Matschepampe und Nature is healing

Ab und zu ein paar asphaltierte Abschnitte

Ich lernte die paar asphaltierten Abschnitte echt schätzen – mal Lenker locker halten oder ganz los lassen und den Körper durchstrecken und einfach locker weiter pedalieren.

Schutzbleche, so geil.

Ich mag ja Schutzbleche. Sonst hätte ich deutlich mehr Sand zwischen den Zähnen gehabt und Schmodder überall.

Waldpfade

Sandweg mit Seitenstreifen

Hier spricht die Sahara – zum Glück mit einem gut fahrbaren Seitenpfädchen. Eigentlich hab ich nix gegen Pferde, aber einige Reiter scheinen echt doof zu sein und mit Vorliebe Wege zu zerreiten, an denen große Schilder mit durchgestrichenen Pferden angebracht sind.

Jochens Schutzhütte mit Hüttenbuch

Mein erstes Päuschen – an dieser Hütte konnte ich nach dem ersten Junkeinkauf an einer Tanke nicht vorbei fahren.

Ich musste erst etwas unangemessene Wahlwerbung entfernen, aber dann war es dort ganz schön zum Pausieren (nach etwa 47km).

Der Snackvergleich

Ich habe dort einen Vergleichstest durchgeführt zwischen dem Allstar in der Kategorie Salami im Schlafrock Bifi Roll XXL und seinem neuen Herausforderer Vegetarischer Mühlensnack im Teigmantel. Das schreib ich aber noch mal gesondert auf – vorweg nur schon mal, das Rügenwalder dringend an einem schmissigeren Namen arbeiten muss.

Eichenlaub – eine invasive Laubart

Als dann Laub anfing, um meine Laufräder zu wuchern, bin ich weiter.

Bald gab es dann den ersten Heideartigen Blick und auch heideartige Wege.

Diese schmalen, sandigen Wege brauchen viel Aufmerksamkeit, sie sind fast immer gut fahrbar, aber es gibt viele Wurzeln und Löcher und manchmal ziemlich schlecht lesbare Sandflecken.

Je heller der Sand wird, desto größer die Chance, eine spontane Bodenprobe zu nehmen.

Wenn ich mir Zeiten von den ‚richtigen‘ Orbitern ansehe, die hier lang sind, frage ich mich, ob die neben mehr Kraft (sicherlich) auch entweder sehr viel besseres Fahrkönnen, mehr Mut oder einfach nur mehr Stollen am Reifen haben.

Vielleicht bräuchte ich für sowas wirklich ein etwas gröberes Profil auf den Reifen. Lenker entlasten bringt aber schon mal ne Menge.

Ich war absichtlich an einem Freitag unterwegs, ahnend, das auch in der Offseason am Wochenende viele Menschen mit schwer vorhersagbaren Bewegungsmustern unterwegs sein würden.

Season: Die Heide blüht Ende August/Anfang September, dann ist die Heide voller Menschen. Es ist wirklich wunder wunderschön, gerade am sehr frühen Morgen (und bei Sonnenaufgang auch nicht voll).

Wenn die Heide blüht (Archivbild – klick aufs Bild öffnet mein Heide-Album)

Es war auch schon an einem Freitag ganz schön was los, ein Wochenende will ich mir dann lieber nicht vorstellen.

Besonders um Attraktionen herum, z.B. eine Herde Heidschnucken und deren sehr traditionell gekleideten Schäfer waren immer Menschen, die dann auch alles andere in der Nähe leicht vergessen.

Heidschnucken und Ziegen bei der Arbeit

Die Beweidung mit Schafen (und Ziegen) ist wichtig zur Landschaftspflege in Heidelandschaft, weil die Tiere viele Triebe verbeissen und damit das Nachwachsen von größeren Pflanzen verhindern. Ohne die Herden würde die Heide schnell verbuschen und dann verwalden.

Der Track führt auch am Rande des Möhrer Moores entlang, hier über einen dafür angelegten Steg. Bestimmt geil, wenn es nass ist.

Kurz vor Schneverdingen bin ich vom originalen Track abgewichen und nach Schneverdingen reingefahren, um nach 86km mal wieder eine längere Pause zu machen.

Der kleine Dönerteller. Bin froh, dass ich nicht normal oder groß bestellt hab

Nach dem wirklich leckeren (kleinen) Dönerteller hab ich mir beim Bäcker nebenan auch noch ein paar Teilchen für unterwegs gekauft und meine Zuckerwasservorräte aufgefüllt.

Das ist der eigentliche Grund fürs Radfahren. Ich nehm gerade ab, aber beim Radfahren verbrenne ich so viel, dass ich sowas ohne Bedenken essen kann 🙂

Gerade Cola – was ich im Alltag gar nicht mag und deshalb meide – ist auf dem Rad super cool. Akku alle, Cola drauf, nach 5 Minuten fühlt man direkt den jungen Gott in sich und holpert den nächste Anstieg mühlos hoch.

Mit mäßig vollem Bauch zurück zum Track – und endlich wieder nordwärts. Inzwischen war es auch schon deutlich nachmittags und mir kamen erste Zweifel, ob ich es auf dem geplanten Track nach hause schaffen würde, ohne im Dunklen durch den Wald fahren zu müssen.

Seit Schneverdingen hatte ich nun Rückenwind, da rauben lose Kieswege, auf denen sich der Kies unter den Reifen bewegt, schon mal weniger Kraft, als wenn man noch deutlich Wind von vorne hat.

Das Scouting ist wirklich super. Die Wege sind abwechslungsreich und schön. Und die Abwechslung macht es auch spannend. Was kommt als nächstes? Gibts mal wieder einen Abschnitt zur Arm-Entspannung, eine Matsch- oder Sandkuhle? Waldautobahn? Kopfsteinpflaster?

DIE Attraktion in der Lüneburger Heide ist natürlich neben dem lila Heideblühen des Heidekrauts der Wilseder Berg, eine Erhebung von ~160m.

Der Weg dort hoch ist im letzten Stück zwar auch steil, aber das eigentliche Problem, mit dem ich gekämpft habe, war der lose Untergrund, auf dem man irgendwie Traktion übertragen muss – ahja, und mit idiotischen Menschen mit Ebikes, die im Weg rumstanden und noch dumme Sprüche machten.

Ich bin unter leichtem, kontinuierlichen Fluchen hochgefahren, die Rohloff machte es möglich.

Das ist übrigens auch meine Kurzzeitdiebstahlsicherung an der Tanke – Rad in den 1. Gang drücken. Wenn damit einer mit dem Rad abhauen will, denkt er, er hat den Leerlauf drin, so absurd gering ist die Entfaltung. Und wie man bei meinem Rad schaltet, ist einem Gelegenheitsmitnehmer auch erst mal nicht klar 🙂

Outdoor-Menschen am Gedenkstein

Oben auf dem Berg auf einer Bank sitzend und ein Teilchen verdrückend kommt doch tatsächlich einer von den auf dem Weg Rumstehern an und fragt, was das für ein Motor sei, wo der sei, und wo er den kaufen könnte, und er sei so schön leise.

Hab ihn erst nicht verstanden.

Hab ihm, als ich verstanden habe, dass er das komplett ernst meint, erklärt, dass das hinten in der Nabe das Schaltgetriebe ist, und das vorne in der Nabe ein Dynamo – beides keine Motoren. Hat er mehrfach nicht geglaubt. Hab ihm dann erlaubt, das Rad hochzuheben, damit er das Gewicht der Akkus besser fühlen kann.

Blick vom Wilseder Berg nach Süden

Weiter Richtung Heimat, und es wurde schon merklich donkler. Nun gab es ein paar kurze für mich nicht fahrbare Abschnitte – zu tiefer Sand, zu wenig Fahrpraxis damit (und wahrscheinlich wirklich etwas wenig Profil), aber bei dem Sandloch auf dem folgenden Bild hätte mich das auch nicht gerettet, glaube ich.

Sandloch

Zum Glück hab ich auch hier keine Bodenprobe genommen.

Manchmal hab ich mich gefragt, was für ein Sadist sich diesen Track ausgedacht hat. Man keult nen Berg hoch (oder man nähmaschint, je nach Untergrund), und dann kann man nicht mal auf der anderen Seite runter sausen (also ich nicht), weil da ein Sandweg mit schlimmen Wurzeln ist. 🙂

Zum Beispiel geht es einmal über den Brunsberg, knackig hoch und genauso knackig runter. Es gibt da noch zwei weitere Wege, die sahen erstmal flowiger aus. 🙂

Auffahrt zum Brunsberg

Danach hab ich keine Bilder mehr gemacht, es wurde einfach zu schnell dunkel und ich wollte nicht mehr so oft anhalten, ich musste weiterkommen und fertig werden.

Kurbel kurbel kurbel.

Der Körper fühlte sich immer noch ganz gut an – davor hatte ich Schiss, also vor Kontaktstellenaua: Arschweh, Handweh, Fußweh, Schüttelweh. Das war aber ok.

Mein Endgegner war nicht direkt Körper, sondern der (Nicht)Belag der Strecke – das machte mir echt zu schaffen und verlangte trotz zunehmender Müdigkeit viel Konzentration.

Nach einem 5km Stück komplett gerader Waldautobahn hab ich den Originaltrack nach 144km verlassen. Es wurde dunkel, und ich wollte nicht noch weitere Abschnitte über Wurzeln und Sand oder tiefen Kies fahren, weil das im Scheinwerferlicht durch die Schatten zwar gut sichtbar, aber auch durch die Schatten für mich nicht mehr gut lesbar war. Ich hab mich entschieden, zur nächsten Landstrasse zu fahren, und dann auf Radwegen oder Strasse nach hause zu ballern – Kraft hatte ich noch genug.

Interessanterweise ist mein Schnitt auf diesem letzten Abschnitt enorm gewachsen – von im Durchschnitt 16km/h vorher zu einem 19er Schnitt. Der Belag macht echt tierisch was aus, mehr als ich mir bisher eingestanden habe – ok, und rein nach Harburg ging es auch mehr bergab als bergauf, und ich konnte bergab richtig Hafer geben.

Fahrzeit, nicht Gesamtzeit! Die war 12,5 Stunden.

Die besten Finisher sind diesen Orbit in etwas über 5 Stunden, also mit einem Durchschnittstempo von 31km/h !! gefahren. Ich glaub, da wäre ich vor Angst gestorben (vor allem Berg runter und beim Beinahe Umfahren von Passanten und Hunden), mal abgesehen davon, dass ich auch auf der Strasse nicht für 5 Stunden einen 30iger Schnitt fahren kann. Vielleicht für eine, und dann ist direkt Licht aus.

Da ist also noch Luft nach oben 🙂

Insgesamt hat mich diese Runde in meinem Tempo sehr glücklich gemacht. Auch sehr durchgeschüttelt (Schüttelschmerz im Winkfleisch!), aber ich weiß nun, dass ich 160km in 12 Stunden mit großzügigen Pausen zum Gucken wegtreten kann, auch wenn die Strecke ruppiger und hügliger ist als ich mir das selbst aussuchen würde.

Heute (einen Tag später) tut mir etwas der tiefe Rücken weh (aber da hab ich eh ne alte Kriegsverletzung) und als ich vorhin ~5km mit dem anderen Rad gefahren bin, hab ich deutlich die Arschknochen gespürt. Auf dem Rad hab ich den gleichen Sattel drauf, hatte aber ne Alltagshose ohne ‚Leder‘ an.

Ich muss dann wohl doch fleissig trainieren und vielleicht auch etwas profiliertere Reifen aufziehen, und dann die anderen Orbit-Tracks hier in der Umgebung wegfahren…

Yay.


Die ganze Tour bei komoot:


Oder als Video (Relive):

Über die Seeve- und Ilmenauniederung zum Sperrwerk Geesthacht, durch die Viermarschlande zurück

Ich hatte mir vorgenommen, eine Runde über Geesthacht zu drehen – schön südlich der Elbe durch die Marschen und Niederungen der Seeve und Ilmenau rappeln, dann über das Sperrwerk in Geesthacht auf die Nordseite der Elbe und über den alten Bahndamm der Marschlandbahn rein nach Hamburg, über die Veddel und Wilhelmsburg zurück nach Harburg.

Die Strecke

Das Wetter war aber eher so meeh. Als ich loswollte, nieselte es. Also warten – noch mehr meeh. Dann wurde es etwas besser, ich hab mich in meine Radfahrkluft geworfen, bin los gefahren – und es begann ernsthaft zu regnen 🙁

Nach ein paar Kilometern fiel mir dazu noch auf, dass ich gar keine Radhandschuhe an hatte – die sind mir wichtig, weil sie durch Gel-Einlagen das Geruckel gut wegdämpfen und ich sonst Druckstellen und Kribbelschmerzen an den Stellen, durch die die Sehnen am Handgelenk gehen, bekomme.

Humpf. Und immer noch Regen.

Ok, einfach nachhause fahren, wie so ein HandschuhTurnbeutelvergesser… das geht nicht. Ich hab erst gerade wieder in einem Podcast gehört, dass man selbst das Silkroad Mountain Race nicht wegen vermeindlicher Ausrüstungsprobleme abbricht, sondern in Wirklichkeit, weil man nicht genug Willen hat, es durchzuziehen. Das gilt dann irgendwie auch für eine simple Samstagausfahrt.

Ich könnte aber abkürzen. Statt über die Staustufe die Fähre Hoopte – Zollenspieker nehmen, das würde etwa ein Drittel sparen. Oder nur nach Hoopte fahren, ne C-Wurst mit P-RW essen, und zurück…

Während ich so radelnd vor mich hinoptionierte, regnete es erst wärmer, dann auch weniger.

Das Rad mit großer Tasche – ich hatte Bereitschaft und musste mein Laptop dabei haben.

Irgendwann war ich dann auch an der Stelle, an der ich nach Norden Richtung Fähre hätte abbiegen müssen, vorbei. Das ist ein Vorteil von der Navigation mit dem Radcomputer, man sieht das Große&Ganze nicht, sondern immer nur das nächste Stück 🙂

Inzwischen hatte der Regen ganz aufgehört, die Wege durch die moorigen Felder und Wiesen waren auch alle gut fahrbar und es rollte gut.

Der Herbst kommt mit großen Schritten. Der Mais stand hoch, die Sonnenblumen hatten fertig.

 

Von der Staustufe Geesthacht (bestehend aus dem Wehr, der Schleuseninsel, zwei Fischtreppen und zwei großen Schleusen) hab ich nur ein Bild gemacht, auf der Bundesstrasse, die quer über die Staustufe führt, ist ziemlich viel Verkehr, da wollte ich mich nicht so lange aufhalten und ich war auch schon öfter hier – zum Gucken, aber auch mit dem Boot zum Schleusen Richtung Berlin.

Eine der vier Wehröffnungen

Hier endet die Tide-Elbe. Oberhalb Geesthachts sind die Wasserstände nicht mehr Ebbe und Flut unterworfen und die Elbe kann bis nach Tschechien ohne weitere Staustufen befahren werden, wenn genug Wasser da ist.

Bei den Schleusen und bei den Fischtreppen kann man durchaus länger gucken, der Westteil der Schleuseninsel ist wunderschön und lohnt eine Beschlenderung.

Schleuseninsel – Archivbild aus 2009

Auf der Nordseite der Elbe angekommen ging es am Südrand der Besendorfer Sandberge (mit den immer noch sehenswerten Ruinen der Pulverfabrik Düneberg darin) entlang Richtung Marschlandbahn.

Die Marschlandbahn bzw. deren ehemalige Trasse  wurde zu einem Radweg ausgebaut, auf dem man ampelfrei bis in die Hamburger Innenstadt (Deichtorhallen) fahren kann!

Die Trasse war eingleisig, somit  ist die Strecke das auch. Zum großen Teil besteht der Weg aus zwei Fahrspuren und Gras in der Mitte. Bei gutem Wetter am Wochenende im Sommer ist hier sehr viel los, zügiges Fahren geht dann nicht mehr.

Aber das Wetter war ja eher so mittel, da konnte ich zügig fahren.

Hier hab ich es wieder verpasst, abzukürzen oder zumindest ne C-Wurst am Fähranleger zu essen – ich hätte von hier die Fähre zurück nach Niedersachsen nehmen können, aber ich hatte bislang nicht die befürchteten Schmerzen in den Handwurzeln und war mir sicher, dass ich die kommenden ~35km auch noch schaffen würde.

Die Trasse der Marschlandbahn und damit der Radweg endet kurz vor der Schleuse Tatenberg, die hier die Dove-Elbe Richtung Bergedorf von der Tide-Elbe abtrennt.

Der Holzhafen mit Kraftwerk Tiefstack im Sonnenlicht

Hinter der Tatenberger Schleuse führt der Radweg dann weiter entlang des Deichs über die Insel Kaltehofe mit dem ehemaligen Wasserwerk Kaltehofe mit seinen architektonisch sehr verspielten Zweckbauten (angucken lohnt sich) und über das Sperrwerk Billwerder Bucht nach Entenwerder und unter der B75 (Neue Elbbrücken) durch.

Hier könnte man weiter dem Deich in Richtung Westen folgen bis zu den Deichtorhallen und wäre direkt in der Hamburger Innenstadt angekommen.

Ich bin aber Richtung Süden abgebogen und auf gewohnten Pfaden über Veddel und den Wilhelmsburger Inselpark nach Harburg zurück gekehrt.

Die alte Harburger Elbbrücke wird gerade saniert und ist deswegen nicht befahrbar

Eine schöne Tour bei letzlich doch tollem Fahrradwetter – nicht zu warm, nicht zu windig, und der neuen Erkenntnis, dass ich auch bei über 80km langen Touren auf diesem Rad nicht zwingend Handschuhe brauche, das ist wirklich toll.

Ob das an der Sitzhaltung, an der größeren Elastizitiät des Rahmens, dem geringeren Luftdruck zusammen mit den breiteren Reifen liegt – oder an allem zusammen – ich weiß es nicht, aber ich freue mich sehr darüber.

Ich bin zum ersten Mal die Tasche angebautem Gepäckträger spazieren gefahren, weil ich Arschraketen (große, nach oben ragende Satteltaschen) scheisse finde. Hier etwas mehr zu dieser Tailfin-Tasche.


Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

 

Routing und Navigation fürs Rad

Dieser Artikel ist ziemlich technisch, dafür überhaupt nicht touristisch – solange Du nicht schöne Strecken für Radtouren finden und abfahren willst, brauchst Du ihn eher nicht zu lesen. 🙂

Im Gegensatz zur Auto-Navigation (wie hier für 2015 und hier für 2020 beschrieben), mach ich das Planen und Routing für Fahrradtouren anders, GoogleMaps ist für mich da nicht die beste Lösung.

Komoot

Die Planung einer Rad-Strecke habe ich lange mit komoot gemacht.

Komoot basiert auf Openstreetmap (ab jetzt OSM), einem weltweiten opensource Projekt von Karten-Nerds, die eine frei verfügbare, routingfähige Kartografie entwickelt haben. Es gibt einige OSM-Spezialversionen, z.B. OpenRailwaymap (für Pufferküsser) und OpenSeamap (für Salzwasserliebhaber) und noch einige mehr – auf Grundlage von guten Kartendaten werden einfach Specialinterest-Themen verkartet, eine tolle Sache.

OSM für Pufferküsser

Jede:r kann bei OSM mitmachen und die Karte verbessern – durch das Hochladen von Tracks, Änderungsvorschläge, Hinzufügen von Informationen und Klassifikationen von z.B. Weguntergründen.

Die Qualität von OSM-Karten ist generell sehr hoch und aktuell. Inzwischen stellen viele Kartografiebehörden ihre Rohdaten für OSM zur Verfügung.

Komoot verwendet eine visuell vereinfachte OSM-Karte und bietet Routing für verschiedene Freizeitaktivitäten an, z.B. Wandern, Radfahren, Mountainbiken und so weiter. Komoot ist eine deutsche Firma und will natürlich Geld verdienen. Dies tun sie, indem sie ihr Kartenoverlay für eine Handy-App zur Verfügung stellen, damit man mit Komoot erstellte Routen auch abfahren/laufen kann. Die Karten fürs Handy kosten per Karte (Region) ein paar Euro, für 30 Euro (oder so) gibt es alle Karten zusammen – ich finde, das lohnt sich, weil die Karten besonders auf einem kleinen Bildschirm aufgeräumter erscheinen.

Komoot lebt auch von der Benutzer-Interaktion, so kann man sogenannte Highlights erstellen (oder vorhandene kommentieren) – Orte, die man anderen empfehlen möchte, die sich lohnen. Damit kann man interessante Orte finden, aber auch viel Quatsch, weil Benutzer, die solche Orte erstellen, dafür mit virtuellen Plaketten belohnt werden. Also eine zweischneidige Sache, aber es hilft oft, die neuesten Kommentare zu Orten an der geplanten Route zu lesen, um z.B. mitzubekommen, dass ein Weg gesperrt ist, weil da gerade ne Autobahn gebaut wird oder sowas.

Das Routing zum Wandern ist nach meinen Erfahrungen ziemlich gut, obwohl ich beim Wandern noch lieber Papierkarten verwende – man braucht nicht so irre viele, weil man einfach nicht so weit kommt 🙂 und es ist ein Griff, ein Blick und gut. Auf dem Rad sind mir Papierkarten aber zu umständlich.

Das Routing zum Radfahren ist schon mal besser als das von Googlemaps, aber es geht trotzdem oft entlang von Strecken, die ich in der Praxis eher nicht benutzen würde, weil es z.B. eine parallele bessere, ruhigere, mit besserem Belag versehene und so weiter Strecke gibt.  Wenn man sich auskennt, kann man das am PC korrigieren – einfach an der Strecke zupfen und diese verlegen – mobil geht das leider nicht (so toll).

Komoot versucht, für Rennräder andere Routingkriterien anzuwenden als für Mountainbikes, in den Abstufungen dazwischen ist dann oft aber nicht klar, warum die Routingentscheidung so fällt, wie sie fällt.
Das ist einerseits angenehm, weil es dadurch aufgeräumter wird, andererseits reitet es einen schon mal in die Scheisse oder auf eine Bundesstrasse ohne Parallelradweg.

Immerhin zeigt Komoot den Strassenbelag und den Strassentyp an, daraus kann man schon viele Schlüsse ziehen. Es zeigt auch das Höhenprofil an, das ist in dem abgebildeten Beispiel aber nicht so interessant.

komoot - Wegtypen

Was genau der Unterschied zwischen Asphalt und Straßenbelag ist? Ich habe keine Ahnung, aber das kann man sicher mit Hilfe der OSM-Klassifikationen für die Oberfläche herausfinden.

Ein großes Problem für mich: Ich kann mit komoot auf dem Handy kaum Routen planen, zumindest nicht, wenn ich die vorgeschlagenen Routen einfach anpassen möchte. Das ist für mich wichtig, wenn ich mehrere Tage unterwegs bin, und den nächsten Tag von dort planen möchte, wo ich abends angekommen bin.

Also – schon ganz gut, aber ich hab rausgefunden, dass es was besseres gibt, zumindest fürs Rad.

Bikerouter.de

Beim Umsehen in der Schnelle-Rumpeltouren-mit-Minimalgepäck-Szene bin ich über den Routenplaner der CXBerlin auf den Bikerouter.de gestossen –  beide basieren auf OSM-Karten und bieten Routing speziell für Fahrradfahrer, technisch wird brouter genutzt.

Das ist richtig geiler Scheiss!

Wie immer muss man sich etwas einfummeln, wenn es um ein Tool geht, das eine größere Komplexität abbildet, dafür bietet es aber auch viel mehr Möglichkeiten.

Es gibt eine sehr gute, deutschsprachige Anleitung mit Tipps und Tricks zu bikerouter vom Autor Marcus Jaschen.

bikerouter Screenshot

Bikerouter in Aktion

  • Besonders wertvoll für mich ist die Möglichkeit, bestimmte POI (Points Of Interest) einzublenden, z.B. alle Stellen, an denen man Wasser (z.B. freie Wasserhähne auf Friedhöfen) oder Lebensmittel/Junkfood bekommt – da kann man dann auch noch mal unterscheiden zwischen Bäckern, Tankstellen, Supermärkten und so weiter. Genauso kann man sich Shelter und alles mögliche in die Karte einblenden lassen.
  • Man kann No-Go-Aeras definieren, und damit bestimmte Gebiete vom Routing ausschliessen,
  • mit Hilfe von Overlays besondere Eigenschaften hervorheben, wie z.B. mit dem Gravel-Overlay. Damit ist es z.B. möglich, Sandwege und Kopfsteinpflaster sehr früh als solche zu identifizieren und dann zu meiden.
  • Es gibt mehrere Grundprofile, z.B. Tourenrad, Rennrad, MTB, Gravel in verschiedenen Ausprägungen (schnell, sehr wenig Verkehr, nass (irgendwas für MTB, fragt nicht…))
  • Es stehen einige Grundkarten mit unterschiedlichen Informationsgewichtungen und auch Satellitenbilder zur Verfügung, um die Route auch damit abzugleichen zu können.
  • Bikerouter bietet ein Höhenprofil, auch wenn das rund um Hamburg nicht so viel hilft, wie in Gegenden mit ernsthaften Steigungen.
  • Man kann die Route leicht eigenen Bedürfnissen anpassen, z.B. Orte/POI, die man direkt passieren möchte, um Junk nachzukaufen, auf der Karte markieren, die Route wird dann entsprechend angepasst.
  • Die Planung funktioniert hervorragend auch auf einem kleinen Bildschirm (z.B. Smartphone)
  • die meisten persönlichen Einstellungen werden in die URL kodiert, d.h., man kann sich eine geplante Route bookmarken oder auch anderen Leuten zum Betrachten schicken, ohne sie in ein GPX-File (das übliche GPS-Datenaustauschformat) zu exportieren. Hier findest Du z.B. die Planung für eine Tour von Harburg nach Cuxhaven mit meinen Einstellungen. Für Details muss man etwas reinzoomen. Das stimmt natürlich nur für eine gewisse Zeit, die Route wird über die Fixpunkte in der URL gerendert, wenn die unterliegende Karte eine Änderung (z.B. eine Strasse wird umkategorisiert oder einfach gesperrt) erfährt, wird der Betrachter eine andere Route sehen als der Ersteller.
  • Für den Austausch der exakten Route gibt es natürlich einen GPX-Ex- und Import, das ist auch das Format, dass übliche Radcomputer und Navigationssoftware wie komoot, OSMand und andere lesen und verarbeiten können.

Ok, da ist sie, die Route – und jetzt? Wie kann ich diese abfahren?

Geplante Routen fahren

Auf dem Rad gibt es üblicherweise zwei Möglichkeiten, eine Route abzufahren – entweder benutzt man ein Smartphone mit einer passenden App, oder einen dafür spezialisierten Radcomputer.

In beide muss die Route irgendwie reinkommen, und da ist ein Wort der Warnung angebracht:

Vorsicht beim Import von GPX-Daten in andere Routingsoftware! Du musst unbedingt darauf achten, die GPX-Datei im Original zu importieren! Routingsoftware versucht oft, ‚unbekannte‘ Teilstücke aus dem Routing herauszufummeln (ohne den Benutzer zu informieren) und um das aus ihrer Sicht unfahrbare Stück herumzurouten. Wenn das passiert, biegt man im schlimmsten Fall anders ab als eventuelle Mitfahrer mit der Originalroute, was zu schlimmen Unfällen führen kann!

Bei Komoot (ich würde wegen der Übersichtlichkeit immer am Rechner importieren, die Route taucht dann auch auf dem Handy auf) gibt es seit einiger Zeit beim Importieren eines GPX-Files die Auswahl:

Der Originalroute folgen

Bitte immer ‚der Originalroute folgen‚ auswählen. Bei CXBerlin ist das Importieren auch für andere Kombinationen von Software und Geräten beschrieben: Nie mehr Falschabbieger sein – Tutorial.

Also – mit Komoot kann man einen GPX-Track importieren, komoot meckert dann, dass in diesem Import unfahrbare Abschnitte enthalten sind und fertig. Wenn Dich das unsicher macht, kannst Du Dir diese Abschnitte genauer anzeigen lassen und die Warnung dann immer noch in aller Ruhe ignorieren.

Mit anderer Software hab ich keine Erfahrung – es scheint aber ein größeres Problem zu sein, sonst gäbe es solche Rants einfach nicht.

Der Gerät

Nadja benutzt komoot mit dem Handy auf dem Rad, ich eigentlich nicht. Smartphones haben für mich ein paar Nachteile:

  • der Batterieverbrauch bei GPS-Betrieb immer noch relativ hoch
  • sie sind nicht wasserdicht
  • Handys sind allgemein eher empfindlich
  • die notwendige Handyhalterung verdeckt die Kamera, den Fingerabdrucksensor und macht das Handy allgemein schwerer benutzbar
  • sie treiben sich im Internet rum und bieten alle möglichen spontanen Ablenkungen (Benachrichtigungen und so)

(und noch bestimmt ein paar mehr).

Ich benutze einen Radcomputer (in meinem Fall von Garmin, ansonsten gibt es auch von Wahoo sehr gute Geräte), der auch noch andere Daten (bei mir Tritt-  und Herzfrequenz, je nach dem, mit welchem Rad ich unterwegs bin) misst, anzeigt und aufzeichnet und mir natürlich den Weg anzeigt.

Trotzdem importiere ich meine Routen in komoot:

  • Mein Garmin kann diese von dort sehr bequem (per wifi) importieren
  • als Backup, falls Garmin unterwegs die Grätsche macht
  • zum Teilen mit Nadja oder anderen, wenn wir gemeinsam fahren

Zum Reinnerden ins Thema Radcomputer empfehle ich als Startrampe den GPSRadler.

Für Gelegenheitsnutzer ist der Weg über das Handy sicher der einfachere und vor allem der viel billigere. Man braucht erstmal nur ne brauchbare Handyhalterung – das isses. Bei einem älteren Handy wird ne Powerbank sicher nicht schaden.

Ich finde die Halterung von Klickfix super, wenn ich die nicht hätte, würde ich mir wohl mal Quadlock genauer ansehen. Für totale Einsteiger tun es auch die günstigen Rubberman oder Finn.

Klickfix und Garminhalterung auf Ortliebtasche

Klickfix- und Garminhalterung auf meiner Lenkertasche

Bei der Verwendung von Komoot auf dem Handy ist es noch wichtig, die Route offline verfügbar zu machen, damit man auch im Funkloch (also überall ausserhalb von Ballungsgebieten) navigieren kann.

Auch auf einem Radcomputer braucht man natürlich die passende Karte auf dem Gerät. Bei Garmin kann man z.B. die garmin-eigenen Karten auch durch OSM-Karten ersetzen. Mir gefallen diese besser, und wenn man sie regelmäßig updatet, sind sie auf jeden Fall aktueller.

Los geht’s

Zum eigentlichen Route abfahren schreibe ich hier erstmal nix, das ist weitestgehend selbsterklärend.

Sei gewarnt, komoot (und wohl alle anderen Routing-Apps) und auch Radcomputer verhalten sich nicht unbedingt vorhersagbar oder gar schlau, wenn man von der geplanten Route abweicht (egal, ob weil man einfach zu doof ist, oder es wirklich nicht anders geht).

Strategien, mit einem durchdrehenden Routingsystem umzugehen, und schnell und ohne U-turns wieder auf den Track zu kommen, unterliegen allerstrengster Geheimhaltung, die dahinter steckenden militärischen Weltraumtechnologie-Algorithmen sind höchst vertraulich, Kritik daran ist unangebracht.

Aber das ist dann genau der Spaß, weswegen man das alles macht 🙂

Nach der Tour ist vor der Tour – Errorhandling

Findest Du beim Fahren einer Route einen Fehler, der auf Fehler im OSM Kartenmaterial zurückgeht, kannst Du diesen melden oder sogar korrigieren – entweder direkt bei Openstreetmap, das geht aber auch via Komoot.

Mir ist das am letzten Wochenende passiert: Es ging einfach nicht weiter, weil die Strasse in einem Privatgrundstück endete. Ich hab mit dem Besitzer geschnackt, sehr nett – und ich war wohl nicht der erste.

Falsches Routing

Zuhause hab ich dann eine Notiz an die fragliche Stelle gemacht: https://www.openstreetmap.org/note/2847243 – die Stelle wurde inzwischen korrigiert. Das kann man ausprobieren, in dem man auf die URL der Strecke von weiter oben klickt oder auf den folgenden Screenshot daraus guckt:

Korrigiertes Routing

Die Strecke führt nun den Weg einen Weg weiter westlich entlang, es wird nicht mehr über den privaten Weg geroutet. Toll, oder?

Angeregt durch Colin (den Bearbeiter meiner Anregung) hab ich dann doch mal probiert und nach dem Durchspielen des Tutorials im browsergestützten Karteneditor (einfach H tippen), ein paar Änderungen bei mir vor der Haustür vorgenommen, Es ist wirklich einfach.

Witzig: Meinen Openstreetmap Account hab ich 2007 angelegt, dann aber nicht so viel damit gemacht. Wird ja langsam mal Zeit, das zu ändern…

Fazit: Es ist ziemlich einfach, Änderungen anstossen und dies sollten wir als Nutzer auch tun, davon leben community getriebene Karten – die nächste fährt dann einfach ein kleines bißchen richtiger.


Warum ich zwei Halterungen (für Handy und GPS) an meiner Lenkertasche habe? Ich benutze das Handy gerne für weitere Erkundungen, z.B. um einen Fahrradladen zu finden (mit googlemaps) und dann gezielt von der Route abzuweichen ohne das Routing und damit auch die Aufzeichnung auszuschalten, oder um um andere Apps zu benutzen.

In solchen Fällen ist es toll, das Handy nicht in der Hand halten zu müssen, also hab ich mir für meine Lenkertasche nen entsprechenden Deckel gedruckt, in den die Halterungen eingeschraubt werden können.

Auf Schleichwegen nach Cuxhaven

Ok, da ist nun dieses neue Rad – bisher bin ich nur ein paar kurze (~40km) Runden gefahren, und hab mich dabei wohl gefühlt – nun war dann mal eine richtige Probefahrt notwendig.

Und ich wollte mal nicht eine Runde fahren, sondern in eine Richtung. Von Hamburg-Harburg aus kommt einem da Cuxhaven in den Sinn – die ‚Stadt‘ zwischen Elbe- und Wesermündung.

Cuxhaven hat einen Bahnhof, und von dort aus fährt eine Regionalbahn nach Harburg, ein praktischer Rückholservice für einen erschöpften Proberadler. Bonus – der RE hält auf dem Weg nach Harburg so ziemlich an jeder Milchkanne. Sollte ich aus Gründen (Bocklosigkeit, Schmerzen, schlimmes Wetter) schon vor Cuxhaven genug haben, könnte ich auch einfach schon an einem Bahnhof vor Cuxhaven  in die Bahn hoppeln.

Ich hab mich an die Planung gemacht (dazu ist schon ein Kartennerd-Artikel in der Mache) – 120km sind es dann doch, wenn man nicht einfach die B73 (in Harburg auch schlicht Cuxxe genannt, ich vermute da einen Zusammenhang) entlang ömmeln will (will man nicht, da fahren viele Autos).

Ich hab mir zum Ziel gesetzt, 15km pro Stunde zu schaffen – mit gucken, fotografieren, Pausen, essen/trinken nachkaufen, vom Radcomputer foppen lassen und so weiter ist das eine immer noch gemütliche Fahrgeschwindigkeit um und bei 20 km/h im Durchschnitt (in Wirklichkeit fährt man dann so 25, der Durchschnitt sinkt durch jeden geschlossenen Bahnübergang/Ampel/Kuh auf dem Weg), und mit 15 und auch 20 km/h kann ich gut überschlägig rechnen, um rauszufinden, wie lange ich unterwegs bin, und damit auch, wann ich los muss, um auch irgendwann anzukommen, bevor es dunkel wird oder die vorletzte Bahn fährt (Lifehack: Nie mit der letzten Bahn planen! Wenn man umsteigen muss und/oder Regionalbahn im Spiel ist, nicht mal mit der vorletzen).

Leider sah das Wetter am Vorabend eher schlecht aus, regnerisch, ziemlich regnerisch. Am nächsten Morgen war dann aber erstmal Trockenheit absehbar, erst ab nachmittag war über Cuxhaven stellenweise Regen angesagt.

Also früh um 07:00 los – zumindest war es nicht kalt (kurz und kurz ohne zu frieren selbst beim Losfahren), aber doch sehr trübe.

So früh am morgen fahre ich gerne – es sind wenig Menschen unterwegs. Ein guter Teil des Weges geht direkt an der Bahntrasse entlang, immer mal wieder mit Seitenwechseln und mit unterschiedlichen Oberflächenzuständen.

An der Bahn lang

Eigentlich mag ich diese wassergebundenen Decken, aber nach starkem Regen nerven sie, wenn dort auch Autos fahren, gibt es schnell ausgefahrene Löcher, in denen dann Wasser steht – zum Graveln ist das geil, aber als tägliche Fahrradinfrastruktur ist das schlicht scheisse.

Die Route war selbst quer durch Stade abseits befahrener Strassen gelegt, da kann man dann auch mal ’nen kleines Päuschen mitten in Stade machen.

Wie Du auf dem oberen Bild siehst, hab ich relativ wenig Gepäck dabei – Werkzeug, Flickzeug, Regenzeug, ein paar Müsliriegel und Wasser. Die Versorgung mit Energie musste also unterwegs erfolgen.

Ich hab die Route deswegen so gelegt, dass alle 20 bis 30 km eine Tankstelle, ein Cafe/Bäcker oder ähnliches direkt auf der Strecke liegt, das hat auch gut funktioniert und ich hab mir echt schlimme Dinge gekauft.

Auf der weiteren Strecke hatte ich dann auch mal sonnige und sandige Abschnitte.

Sand (wie in Buddelkistensand) hätte es jetzt nicht unbedingt sein müssen, aber es ging ja auch wieder vorbei.

Ab hier hat es immer mal wieder kurz geschauert, Regenjacke überziehen hat es aber zuverlässig nach wenigen Minuten gestoppt.

Kurz vor Otterndorf am Hadelner Kanal hat dann die Route nicht gestimmt, die Strasse endete einfach auf einem Privatgrundstück. Der Besitzer war das schon gewohnt. Naja, dann eben zurück.

Falsches Routing

Dafür war ich nun fast am Wasser, auf der großen Wiese aussendeichs vor Otterndorf war ein Drachenfestival mit wirklich tollen fliegenden Figuren.

Drachenfestival

Drachenfestival bei Otterndorf

Vielleicht sollte ich doch immer eine kleine richtige Kamera einstecken, sowas ist mit dem Handy echt nur ein achtel so toll.

Aber mit dem Erreichen der Elbe war auch schon die schlimme schwarze Wand absehbar, die da auf mich zu kam.

An der Elbe

Schlechtes Wetter im Anmarsch

Genau da wollte ich hin, nach Cuxhaven.

Das ist dann auch das letzte Foto von dieser Tour, weil im Anschluss sehr schnell sehr viel, teilweise gefrorenes Wasser herunter kam.

Die Strecke nach Cuxhaven ist von hieraus auf den ersten Blick ganz schön: Geteert, einigermaßen breit, durch die Viehweiden vor dem Deich radeln. Aber: Alle so 500 bis 1500 Meter muss man ein Viehgatter öffnen – dafür muss man aus dem Sattel und einen Arm heben, ein Fuss auf den Boden, das macht, dass das Wasser neue Wege in die Jacke findet (am Hals, am Ärmel, die eigentliche Jacke ist dicht). Und das immer wieder – nervt.

Das ist ein offizieller Fernradweg (CUX-HH), ich wäre echt bedient, wenn ich auf so einem Weg Strecke machen will und alle paar Umdrehungen anhalten und ein Tor öffnen muss. Bei besserem Wetter ist da bestimmt auch einiges los, selbst bei diesem Dreckwetter waren ne Menge eher ungeübte Partnerlookpärchen mit Ebikes zugange. Notiz: Solche Wege in Zukunft eher meiden.

Das letzte Stück war aufgrund der zunehmenden inneren Nässe, des Gegenwindes mit Hagel und Starkregen eher unangenehm,  anstatt mir noch etwas Cuxhaven anzusehen, bin ich direkt zum Bahnhof und in den dort stehenden RE geplumpst.

Leider waren auf der Rückfahrt eine Menge Fussifans mit im Zug, die sich im Bezug auf die einfachsten Regeln des gemeinsamen Zugfahrens überhaupt nicht im Griff hatten.

Das nächste Mal also wieder Rundtour 🙂

Das Rad passt mir gut, ich hatte deutlich weniger als erwartet Aua (etwas tiefer Rücken), natürlich war ich erschöpft und ich merke ne Menge Sehnen und Muskeln, aber ich hatte keine tauben Kontaktstellen oder Arschweh, wie sonst gerne mal, wenn ich länger nicht lange Strecken gefahren bin.

Geilo!


Die ganze Tour bei komoot:

Oder als Video (Relive):

Ein neues Fahrrad für Ausflüge und zum Abreagieren

Früher[tm] habe ich längere Radreisen unternommen (längere wie in zum Nordkap und zurück). Spätestens seit dem Umzug nach Hamburg habe ich das Rad eigentlich nur noch als Verkehrsmittel genutzt, mein 3×8-Gänge-Hydraulikbremsen-Blackburn-Träger-Superduper-Reiserad war nach über 15 Jahren Nutzung ziemlich auf und wich einem Stadtrad mit Nabenschaltung (die Bremsen und den Sattel hab ich da dann aber wieder drangeschraubt…).

Seit 2017 habe ich ein Stromrad. Das hat dazu geführt, dass ich die ~40km Arbeitsweg am Tag wirklich bei jedem Wetter (auch im Winter, solange es nicht glatt war), gefahren bin. Man kann einfach viel entspannter Regenzeug oder warme Klamotten tragen, ohne gleich eine eigene Sauna zu betreiben und muss dann am Ziel nicht duschen. Dieses Rad wurde mir nach 2,5 Jahren mit ~17.000 km Laufleistung aus dem Keller geklaut. Ich hab mir dann aber wieder ein ähnliches gekauft und den Keller mit Wanddübeln, sehr dicken Ketten und soweiter gegen Diebe verbonkert.

Das Stromrad nutze ich eigentlich nur für Termine, nicht für Ausflüge. Auch, weil ich da nicht alleine bin und ein Stromrad unfair gegenüber den anderen ist.

Dann kam die Pandemie und Homeoffice. Und ich hab richtig zu genommen, keine täglichen 40km machen selbst mit einem Stromrad einiges aus, wenn man genauso weiter frisst wie vorher.

Im April 2020 hab ich angefangen, einfach so aus Bewegungswillen mit meinem normalen Rad (man sagt jetzt Bio-Bike, wie bekloppt. Bio-Break, Bio-Bike, Bio-BallerBaller) rumzufahren. Es erschien mir falsch, das mit dem Stromrad zu tun, bzw. es bringt einfach mehr für den Körper, wenn man auf Hilfe verzichtet beim Ballern.

Dieses Rad hat mich wieder auf den Geschmack gebracht, ich hab die Gesamt-Übersetzung verändert, so dass es berggängig genug für die Harburger Berge ist und bin wieder längere Tagestouren (so bis 100km) gefahren. Dafür wurden mir die Veränderungsmöglichkeiten des Rades aber zu gering, und ich hab mir nach langem Herumnerden auf Fahrradwebseiten ein neues Rad bestellt, das mehr meinen Anforderungen entspricht:

  • insgesamt bequeme, aber sportlichere Sitzhaltung
  • deutlich mehr Elastizität im Rad (das Stadtrad ist bocksteif, was auf längeren Strecken enorm ermüdend wirkt)
  • Getriebenabe (ja, aus meiner Sicht: Kettenschaltung stinque), aber mit großem Übersetzungsbereich und Riemenantrieb, da ich gerne im Dreck fahre. Der Wartungsaufwand ist einfach viel geringer, beim Riemenantrieb genau null (das geklaute und das aktuelle Stromrad haben Riemenantrieb, es ist ein Traum, Abnutzung bisher nicht messbar)
  • mehr Umgreifmöglichkeiten am Lenker trotz Getriebenabe, also Dropbar/Rennlenker
  • 28er Laufräder, auf die schnelle und gleichzeitig komfortable Reifen montiert werden können
  • genug Ösen für eventuelle Montage von Schutzblechen, Gepäckträgern, Flaschenhaltern und Zeug für Touren mit Übernachtungen
  • Stahlrahmen. Nachhaltiger, elastisch, reparierbar.
  • sehr gutem Dynamo und Licht – auch zur Stromversorgung für Radcomputer/Handy bei längeren Touren

Der Hersteller nennt die Grundkonfiguration Gravelbike, ich würde sagen, es ist irgendwo zwischen klassischem Randonneur und Rennrad mit Hochgeschwindigkeitstreckerreifen.

Und abgenommen hab ich. Noch nicht genug (so 15kg bisher), aber schon mehr, als ich mir im letzten Jahr draufgefressen habe. Deswegen musste ich keine gewichtssparenden und aus Umwelt- und Haltbarkeitssicht mehrfach zweifelhaften Carbon-Komponenten bestellen – die weitere Gewichtsreduzierung des SYSTEMgewichts findet nicht am Gerät, sondern am Körper statt 🙂

Seit ein paar Tagen hab ich das Rad endlich – es war eine lange, schwierige Wartezeit, weil gerade alle wie bekloppt Fahrräder kaufen und irgendwelche Zwerge in einem Bergwerk im Allgäu meinen Rahmen zusammendengeln und dann noch die gewünschten Komponenten jagen gehen mussten.

Ich hab mir richtig was gegönnt – will sagen: Es war wirklich teuer, es gibt wohl viele Leute, die weniger für ihr Rad ausgeben, als ich für die Lichtanlage, und immer noch viele, die weniger Geld für ihr Rad ausgeben, als ich für die Schaltung – aber es ist wirklich geil.

Genug der Rechtfertigung – ich hab mir das einfach GÖNNUNG^wgeleistet.

Lieferung – die Spedition war super, hatte noch nie so viele und genaue Angaben, wann die bei mir auftauchen – inklusive einer Ankündigung/Entschuldigung einer halbstündigen(!) Verspätung. Wir sind doch nicht in der Schweiz – sehr, sehr geil.

Ein Riesenkarton. Auspacken.

Fahrrad im Transportkarton

Zusammenbauen: Lenker montieren, Pedale montieren. Sattelhöhe korrigieren. Reifendruck – ok. Licht – ok.

Faaaan…

Is geil.

Es macht tierisch Spaß – will sagen, es fährt geil und ich finde, es sieht auch geil aus:

Rennstahl Rohloff Gravel XL

Rennstahl Logo

Kühlerfigur

Wenn man näher ran geht, fällt das Logo auf – das sieht aus wie eine Northrop B-2 Silhouette im Leni Riefenstahl Style. Oder wie ein Ufo aus Neuschwabenland. Das ist mir vorher (beim Rumnerden) überhaupt nicht aufgefallen. Es ist aber wohl einfach das A aus RennstAhl.

Für Radnerds ein paar mehr Details (alle anderen können hier eigentlich aufhören, zu lesen):

  • Die Rohloff wird mit Campa-Brems/Schaltgriffen geschaltet, das ist möglich durch die Rohbox. Mit dem linken Bremsgriff schalte ich hoch (1 oder 2 Gänge in einem Zug), mit dem rechten runter. Funktioniert astrein, die Abstufung ist angenehm klein und gleichmäßig. Es gibt keine Ganganzeige, hab ich aber bisher auch noch nicht vermisst – ich schalte einfach so, dass ich mich in einer 80/90 Kadenz befinde und gut, so wie mit dem alten Rad auch (da gab es eine Ganganzeige, aber kaputt).
  • Eine Klingel bräuchte ich eigentlich nicht, der Freilauf ist laut genug, dass die meisten davon aufmerksam werden 🙂
  • Licht. Also Licht, so wie im Auto. SON Edelux II macht ein klares,

    Forumlader App Screenshot

    Forumslader App – Screenshot

    großes, komplett gleichhelles Lichtfeld vom Vorderrad bis zum klar definierten Ende. Ich trau mich damit, in kompletter Dunkelheit (ohne Strassenbeleuchtung) 30 zu fahren, weil die gut beleuchtete Wegstrecke so groß ist, dass ich darin anhalten könnte. Trotzdem geht kein Licht in den Gegenverkehr oder reflektiert von Strassenschildern, wie bei anderen (selbst bei anderen zugelassenen) Scheinwerfern.
    Warum hat mir das vorher keiner gesagt?
    Ich hab einen Forumslader, also ein per Dynamo-Wechselstrom ladbare Powerbank, mit der man wiederum per USB andere Dinge laden kann. Der SON Nabendynamo macht da nen guten Job. (Screenshot von der zugehörigen App)

  • Reifen: Schwalbe G-One Allround. Ich bin erst 100 km oder so gefahren, ich empfinde sie als angenehm und sicher zu fahren. Sie sind leise, kein unangenehmes Surren oder so, aber dafür haben sie dann auch zu wenig Profil?
    Die gibts übrigens auch mit Reflexstreifen, leider sind meine ohne – werde mir wohl noch diese Speichenleuchtdinger reinpopeln (müssen).
    Ich fahr die mit Schlauch, ich finde, das tubeless ne ziemliche Sauerei ist.
  • Pedale waren schwierig zu bekommen, ich hab jetzt erstmal welche mit Klick und Flat auf der Rückseite (wie an meinen anderen Rädern auch). Ich finde ich ja Flats in bestimmten kitzligen Situationen gut, auch wenn ich mal kurz barfuss oder mit normalen Schuhen fahren will.
  • Transport: Ich hab vorne ne Klickfix/Ortlieb-Lenkertaschen-Halterung und für hinten einen schnellabnehmbare Rack/Taschen-Kombi (Tailfin Aero Trunk Top Bag). Das soll erstmal reichen und zur Tailfin Tasche schreib ich bestimmt noch mal was gesondert, wenn ich die auch wirklich benutzt habe – die Anmutung und die Montage ist super. Ich finde jedenfalls Arschrakete doof, die Tailfin bewegt sich keinen Millimeter und lässt sich leicht (in 20 Sekunden) abnehmen oder ansetzen.
  • Sattel ist der für mich schon bewährte Brooks Cambium C17 mit Loch, den hab ich auf allen Rädern.
  • Die ersten kürzeren Fahrten zeigen, dass die Rahmengeometrie, Lenkerabstand und so weiter erstmal gut passen. Der Lenker kann, wenn ich es sportlicher will, tiefer – die Spacer sind unterteilt und damit variabel.
  • Warum genau dieses Rad? Eine Getriebenabe war für mich gesetzt, ich hab auch Pinion-Räder probegefahren, mich aber für Rohloff entschieden.  In der engeren Auswahl waren noch Veloheld (das Rad ist sehr schön filigran, aber eher was für die Stadt und kürzere Strecken), Toutterrain (viele von Vielfahrern durchdachte Details, aber mir zu Reiseradig (z.B. fest angeschweisste, geile Gepäckträger)). Rennstahl gibt es nur in sehr wenigen Fahrradläden, ich war dafür in Berlin und hab mir dort Rennstahl-Räder angesehen und probegefahren. Ich fand die von den Details sehr gut, hübscher und leichter als Toutterrain und trotzdem stabil. Ausserdem musste ich mir keine Farbe oder Lackierung aussuchen. Die Rahmen werden in Deutschland gebaut, und die Auswahlmöglichkeiten zur Konfiguration hatten alles, was mich interessiert.

Dann hoffe ich mal, dass ich mit dem Rad wieder mehr Beiträge hier schreibe, die mit dem eigentlichen Thema des Blogs zu tun haben.

Ich möchte auf jeden Fall noch die drei Hamburger Orbits von 2021 abfahren, auch wenn die eigentliche Serie vorbei ist.

Und dann mal gucken. 🙂