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Auf Schleichwegen nach Cuxhaven

Ok, da ist nun dieses neue Rad – bisher bin ich nur ein paar kurze (~40km) Runden gefahren, und hab mich dabei wohl gefühlt – nun war dann mal eine richtige Probefahrt notwendig.

Und ich wollte mal nicht eine Runde fahren, sondern in eine Richtung. Von Hamburg-Harburg aus kommt einem da Cuxhaven in den Sinn – die ‚Stadt‘ zwischen Elbe- und Wesermündung.

Cuxhaven hat einen Bahnhof, und von dort aus fährt eine Regionalbahn nach Harburg, ein praktischer Rückholservice für einen erschöpften Proberadler. Bonus – der RE hält auf dem Weg nach Harburg so ziemlich an jeder Milchkanne. Sollte ich aus Gründen (Bocklosigkeit, Schmerzen, schlimmes Wetter) schon vor Cuxhaven genug haben, könnte ich auch einfach schon an einem Bahnhof vor Cuxhaven  in die Bahn hoppeln.

Ich hab mich an die Planung gemacht (dazu ist schon ein Kartennerd-Artikel in der Mache) – 120km sind es dann doch, wenn man nicht einfach die B73 (in Harburg auch schlicht Cuxxe genannt, ich vermute da einen Zusammenhang) entlang ömmeln will (will man nicht, da fahren viele Autos).

Ich hab mir zum Ziel gesetzt, 15km pro Stunde zu schaffen – mit gucken, fotografieren, Pausen, essen/trinken nachkaufen, vom Radcomputer foppen lassen und so weiter ist das eine immer noch gemütliche Fahrgeschwindigkeit um und bei 20 km/h im Durchschnitt (in Wirklichkeit fährt man dann so 25, der Durchschnitt sinkt durch jeden geschlossenen Bahnübergang/Ampel/Kuh auf dem Weg), und mit 15 und auch 20 km/h kann ich gut überschlägig rechnen, um rauszufinden, wie lange ich unterwegs bin, und damit auch, wann ich los muss, um auch irgendwann anzukommen, bevor es dunkel wird oder die vorletzte Bahn fährt (Lifehack: Nie mit der letzten Bahn planen! Wenn man umsteigen muss und/oder Regionalbahn im Spiel ist, nicht mal mit der vorletzen).

Leider sah das Wetter am Vorabend eher schlecht aus, regnerisch, ziemlich regnerisch. Am nächsten Morgen war dann aber erstmal Trockenheit absehbar, erst ab nachmittag war über Cuxhaven stellenweise Regen angesagt.

Also früh um 07:00 los – zumindest war es nicht kalt (kurz und kurz ohne zu frieren selbst beim Losfahren), aber doch sehr trübe.

So früh am morgen fahre ich gerne – es sind wenig Menschen unterwegs. Ein guter Teil des Weges geht direkt an der Bahntrasse entlang, immer mal wieder mit Seitenwechseln und mit unterschiedlichen Oberflächenzuständen.

An der Bahn lang

Eigentlich mag ich diese wassergebundenen Decken, aber nach starkem Regen nerven sie, wenn dort auch Autos fahren, gibt es schnell ausgefahrene Löcher, in denen dann Wasser steht – zum Graveln ist das geil, aber als tägliche Fahrradinfrastruktur ist das schlicht scheisse.

Die Route war selbst quer durch Stade abseits befahrener Strassen gelegt, da kann man dann auch mal ’nen kleines Päuschen mitten in Stade machen.

Wie Du auf dem oberen Bild siehst, hab ich relativ wenig Gepäck dabei – Werkzeug, Flickzeug, Regenzeug, ein paar Müsliriegel und Wasser. Die Versorgung mit Energie musste also unterwegs erfolgen.

Ich hab die Route deswegen so gelegt, dass alle 20 bis 30 km eine Tankstelle, ein Cafe/Bäcker oder ähnliches direkt auf der Strecke liegt, das hat auch gut funktioniert und ich hab mir echt schlimme Dinge gekauft.

Auf der weiteren Strecke hatte ich dann auch mal sonnige und sandige Abschnitte.

Sand (wie in Buddelkistensand) hätte es jetzt nicht unbedingt sein müssen, aber es ging ja auch wieder vorbei.

Ab hier hat es immer mal wieder kurz geschauert, Regenjacke überziehen hat es aber zuverlässig nach wenigen Minuten gestoppt.

Kurz vor Otterndorf am Hadelner Kanal hat dann die Route nicht gestimmt, die Strasse endete einfach auf einem Privatgrundstück. Der Besitzer war das schon gewohnt. Naja, dann eben zurück.

Falsches Routing

Dafür war ich nun fast am Wasser, auf der großen Wiese aussendeichs vor Otterndorf war ein Drachenfestival mit wirklich tollen fliegenden Figuren.

Drachenfestival

Drachenfestival bei Otterndorf

Vielleicht sollte ich doch immer eine kleine richtige Kamera einstecken, sowas ist mit dem Handy echt nur ein achtel so toll.

Aber mit dem Erreichen der Elbe war auch schon die schlimme schwarze Wand absehbar, die da auf mich zu kam.

An der Elbe

Schlechtes Wetter im Anmarsch

Genau da wollte ich hin, nach Cuxhaven.

Das ist dann auch das letzte Foto von dieser Tour, weil im Anschluss sehr schnell sehr viel, teilweise gefrorenes Wasser herunter kam.

Die Strecke nach Cuxhaven ist von hieraus auf den ersten Blick ganz schön: Geteert, einigermaßen breit, durch die Viehweiden vor dem Deich radeln. Aber: Alle so 500 bis 1500 Meter muss man ein Viehgatter öffnen – dafür muss man aus dem Sattel und einen Arm heben, ein Fuss auf den Boden, das macht, dass das Wasser neue Wege in die Jacke findet (am Hals, am Ärmel, die eigentliche Jacke ist dicht). Und das immer wieder – nervt.

Das ist ein offizieller Fernradweg (CUX-HH), ich wäre echt bedient, wenn ich auf so einem Weg Strecke machen will und alle paar Umdrehungen anhalten und ein Tor öffnen muss. Bei besserem Wetter ist da bestimmt auch einiges los, selbst bei diesem Dreckwetter waren ne Menge eher ungeübte Partnerlookpärchen mit Ebikes zugange. Notiz: Solche Wege in Zukunft eher meiden.

Das letzte Stück war aufgrund der zunehmenden inneren Nässe, des Gegenwindes mit Hagel und Starkregen eher unangenehm,  anstatt mir noch etwas Cuxhaven anzusehen, bin ich direkt zum Bahnhof und in den dort stehenden RE geplumpst.

Leider waren auf der Rückfahrt eine Menge Fussifans mit im Zug, die sich im Bezug auf die einfachsten Regeln des gemeinsamen Zugfahrens überhaupt nicht im Griff hatten.

Das nächste Mal also wieder Rundtour 🙂

Das Rad passt mir gut, ich hatte deutlich weniger als erwartet Aua (etwas tiefer Rücken), natürlich war ich erschöpft und ich merke ne Menge Sehnen und Muskeln, aber ich hatte keine tauben Kontaktstellen oder Arschweh, wie sonst gerne mal, wenn ich länger nicht lange Strecken gefahren bin.

Geilo!


Die ganze Tour bei komoot: